Ein Archiv aus flüchtigen Gesichtern

Bei „Spotlight“ wird die Fassade der Alten Dogana in Feldkirch zur Projektionsfläche eines digitalen Gemeinschaftswerks.
Feldkirch Das Kollektiv lightlayer lädt Besucherinnen und Besucher ein, ihr Gesicht scannen zu lassen und damit Teil von „Archiv des Daseins“ zu werden. Die vierte Ausgabe des Formats ist vom 8. bis 11. Oktober zu sehen.
Ein Gesicht erscheint, löst sich auf, wird überlagert von anderen. An der historischen Fassade der Alten Dogana entsteht eine Galerie, deren Bilder sich Abend für Abend verändern. Die Installation „Archiv des Daseins“ des Multimedia-Kollektivs lightlayer versammelt digitale Fragmente jener Menschen, die sich auf das Experiment einlassen. Aus einzelnen Spuren wächst ein gemeinsames Bild – ein Archiv, das nur für kurze Zeit sichtbar ist und mit jeder Beteiligung weitergeschrieben wird. Dafür können Besucherinnen und Besucher ihr Gesicht an einer eigens eingerichteten Station mittels 3D-Scan erfassen lassen. Aus dem Scan wird kein klassisches Porträt, sondern ein abstrahierter digitaler Gesichtsabdruck. Dieser wird auf die Fassade projiziert und fügt sich in die bereits entstandenen Formen ein. So wird die Präsenz der Teilnehmenden zum Element eines Gesamtbilds, das sich ständig verändert.

„Die Projektion bringt etwas sehr Persönliches und Gegenwärtiges auf die historische Fassade“, sagt das Kollektiv. Die Alte Dogana werde damit selbst zum Teil des Archivs: Ihre Geschichte trifft auf digitale Spuren der Gegenwart. Für vier Abende entsteht so ein Archiv im Stadtraum. Was sichtbar war, vergeht – und genau darin liegt eine Frage des Werks. „Archiv des Daseins“ kreist um Identität, Vergänglichkeit und kollektive Erinnerung. Es fragt auch, weshalb Menschen sich beteiligen: aus dem Wunsch, gesehen zu werden, dazuzugehören oder sich in einer gemeinsamen Erfahrung wiederzufinden. Das Publikum betrachtet kein fertiges Werk, sondern liefert dessen Material. Ein kurzer Scan genügt, damit aus einem individuellen Gesicht ein Baustein des gemeinsamen Bildes wird. Ohne die Scans gäbe es das Archiv nicht.
Architektur, Licht und Technik
Mit diesem Ansatz setzt „Spotlight“ seine Idee fort, zwischen den biennalen Ausgaben des Lichtkunstfestivals „Lichtstadt Feldkirch“ ein einzelnes Werk in den Mittelpunkt zu stellen. Der Verein Lichtstadt gibt einer künstlerischen Arbeit im öffentlichen Raum Zeit und Aufmerksamkeit. Architektur, Licht und Technik treffen auf den Alltag der Stadt. Für vier Abende wird die Altstadt zum Ort der Begegnung mit einem Werk, das sich laufend verändert.

Die vierte Ausgabe wurde über einen Open Call ausgeschrieben, zu dem Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler Lichtkunstprojekte einreichen konnten. In einem mehrstufigen Verfahren fiel die Wahl auf lightlayer. Das österreichisch-portugiesische Kollektiv arbeitet seit 2019 zusammen. Sebastian Schmid aus Vorarlberg, Beatriz Lacerda aus Portugal und Peter Schoiswohl aus Österreich verbinden Erfahrungen aus Technologie, Design und Handwerk. In ihren Projekten untersuchen sie die Begegnung von Menschen mit digitalen Räumen.
Mit „Archiv des Daseins“ wird diese Auseinandersetzung im Stadtraum unmittelbar erfahrbar. Wer sich scannen lässt, erscheint als Teil einer wachsenden Komposition; wer zusieht, erlebt, wie das Bild aus vielen Beiträgen entsteht.
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Die Arbeit verbindet eine einfache Handlung mit einer offenen Frage: Was bleibt von uns, wenn das einzelne Gesicht im gemeinsamen Bild aufgeht?
„Spotlight: Archiv des Daseins“ ist vom 8. bis 11. Oktober an der Alten Dogana, Neustadt 37, in Feldkirch zu sehen. Die Projektion läuft täglich von 19 bis 22 Uhr. Der Eintritt ist frei, der Veranstaltungsort barrierefrei.