„Untypisch“ zeigt, was Blasmusik kann

Heimat / 12.10.2026 • 09:41 Uhr
Das Projektorchester unter Johannes Stross brillierte bei der Uraufführung von
Das Projektorchester unter Johannes Stross brillierte bei der Uraufführung von “Typical Ouvertüre – not so sure” Alexander Stoiser

Das Projektorchester begeisterte in Nenzing mit anspruchsvollen Werken und einer Uraufführung.

Nenzing Das Projektorchester „Untypisch“ gastierte am Samstag im Ramschwagsaal in Nenzing. Pünktlich um 18.41 Uhr begann der zweite Konzertabend nach dem Debüt im Jahr 2024. Im Orchester spielen ambitionierte Hobbymusiker aus verschiedenen Vereinen des Oberlandes. Mit wenigen, dafür intensiven Proben widmen sie sich anspruchsvollen Werken, die im üblichen Vereinsalltag kaum Platz finden. Durch den Abend führte Kerstin Polzer.

Sonj Marina, Gewinnerin von Sound@V 2025, sang
Sonj Marina, Gewinnerin von Sound@V 2025, sang “Uptown Funk” mit dem Projektorchester Alexander Stoiser

Uraufführung zum Auftakt

Mit der „Fanfare Intrada Furiosa“ eröffnete das Orchester den Abend. Gleich darauf folgte eine Uraufführung: „Typical Ouvertüre – not so sure“. Jodok Lingg hatte das Werk auf Bitte von Dirigent Johannes Stross komponiert. Darin treffen klassische Motive auf Blasmusik, Jazz und typische Balkanklänge. Der Komponist selbst fehlte bei der Uraufführung – aus gutem Grund: Er spielte am selben Abend in der Elbphilharmonie in Hamburg.

Den klassisch geprägten ersten Teil beschloss „East Coast Pictures“ ab. Das dreisätzige Werk zählt in der Blasmusik zur höchsten Schwierigkeitsstufe E und wird in Österreich nur von wenigen Orchestern aufgeführt.

Kerstin Polzer im Gespräch mit den Organisatoren Martin Bischof, Simon und Andreas Bitsche (v.re.)
Kerstin Polzer im Gespräch mit den Organisatoren Martin Bischof, Simon und Andreas Bitsche (v.r.) Alexander Stoiser

Ein Anruf nach 22 Uhr

Zwischen den Stücken sprach Kerstin Polzer mit den Organisatoren Andreas und Simon Bitsche sowie Martin Bischof über die Entstehung des Projekts. „Die Idee zum Konzept entstand beim Teetrinken nach einer Musikprobe“, sagte Simon Bitsche. Noch am selben Abend überlegten die drei, welche Musiker für das Projekt infrage kämen, und fragten bei mehreren Vereinen an. Nach 22 Uhr folgte der Anruf bei Johannes Stross. Er sagte sofort zu und übernahm bereits 2024 die musikalische Leitung.

Johannes Stross ist Kapellmeister der Harmoniemusik Bürs, wo man auch das Probelokal nutzen durfte. Zudem unterrichtet er Tuba und Euphonium an zwei Musikschulen im Oberland und absolviert in Bozen ein Masterstudium in Dirigieren und Komposition.

Für das Projekt gründeten die Organisatoren einen eigenen Verein, über den auch die Finanzen abgewickelt werden. „Man glaubt kaum, wie viel ein einzelner Konzertabend kostet“, erklärte Andreas Bitsche. Saalmiete, Bitsche. Saalmiete, Noten und Rechte seien ohne Sponsoren kaum zu finanzieren.

Das Orchester probte nur sieben Mal gemeinsam, dazu kamen Satzproben. „Wer übt, fällt den anderen in den Rücken“, sagten die Organisatoren schmunzelnd. Auch die Organisation des Konzerts erfolgte neben Beruf und Alltag. Als Konkurrenz zu den Musikvereinen versteht sich „Untypisch“ nicht. „Uns reizt, dass wir Stücke spielen können, die wir sonst nie spielen“, sagte Martin Bischof. Bei „Untypisch“ stehe die Musik im Mittelpunkt. Simon Bitsche ergänzte: „Man nimmt viel davon in den eigenen Verein mit.“

Standing Ovations gab es am Schluss für das fantastischen Projektorchester
Standing Ovations gab es am Schluss für das fantastischen Projektorchester “Untypisch” Alexander Stoiser

Funk, Pop und ein Coral

Den zweiten Konzertteil eröffnete „Also sprach Zarathustra“, ehe modernere Klänge folgten. Nach „Children of Sanchez“ stand „Uptown Funk“ von Bruno Mars auf dem Programm, gesungen von Sonj Marina. Die Sängerin gewann 2025 mit „Let it Rain“ den ORF-Musikpreis Sound@V in der Kategorie Open Pool.

Es folgte ein Toto-Medley im Arrangement der deutschen Bundeswehr. Bei Michael Jacksons „Man in the Mirror“ übernahm Marina erneut den Gesang. In seinen Schlussworten dankte Simon Bitsche besonders Dirigent Johannes Stross: „Ohne Johannes wäre das nicht möglich gewesen.“

Als Zugabe rechnete das Publikum mit einem Marsch – stattdessen spielte das Orchester einen Choral. Untypisch eben. Mit präzisem Zusammenspiel und hoher musikalischer Qualität überzeugten die Musiker bis zum Schluss. „Der Abend zählt zu den besten Konzerten symphonischer Blasmusik der letzten Jahre im Land. Wer fehlte, hat etwas verpasst“, fasste eine Besucherin ihre Eindrücke zusammen. STO