Es fliegen die Funken

Neuer Bildband über die Tourneen der Rolling Stones.
Schwarzach Tourneen bestehen aus Flügen, Hotelzimmern und Soundchecks. „Aber sobald wir auf der Bühne zusammenkommen, fliegen die Funken, und es entsteht etwas, das über die Band hinausgeht“, schreiben die Rolling Stones im Vorwort zu „The Rolling Stones – On Tour“. Der reich bebilderte Prachtband des Musikjournalisten Paul Sexton zeichnet die Konzertreisen der britischen Rockgruppe von 1963 bis 2024 nach. Er beginnt am 13. Juli 1963, als sich die Stones erstmals über die Londoner Stadtgrenzen hinauswagten, und endet mit der „Hackney Diamonds Tour“. Sexton konnte auf ein riesiges Archiv zurückgreifen, auch die Musiker selbst kommen zu Wort.
Anekdoten und Fakten werden von Konzertplakaten, Tourpässen, Eintrittskarten sowie Backstage- und vor allem Konzertfotos begleitet. So lässt sich nachvollziehen, wie Tourneen und Bühnen immer gigantischer wurden. Die Energie der Auftritte vermitteln Bilder wie jenes von Mick Jagger, der mit wehendem Haar im Sprung singt (Madison Square Garden, 1975), die Band im strömenden Regen in Dallas 1981 oder ein stoischer Charlie Watts an den Drums.
Mister Rock ’n’ Roll
Spannend sind naturgemäß die Rock-and-Roll-Episoden, allen voran die sagenumwobene „American Tour“ von 1972, inoffiziell S.T.P. – Stones Touring Party – genannt. „Seitdem wird die Band mit Begriffen wie ‚Dekadenz‘ und ‚Ausschweifungen‘ assoziiert“, so Sexton. Dokumentiert sind auch Wendepunkte wie das Gratiskonzert im Hyde Park nach dem Tod von Bandmitbegründer Brian Jones oder Altamont, wo ein Besucher ermordet wurde. Eine Luftaufnahme zeigt die enorme Menge ohne die heute üblichen Absperrungen.
Nebenbei ist das Buch ein Modekatalog: von den adretten Einheitsanzügen der Anfangsjahre zu den bunten Outfits ab den 70ern. Keith Richards ist über alle Jahrzehnte ein herrliches Motiv, ob backstage mit Spaniel „King Charles“ 1971 oder 1982 als personifizierter Mister Rock ’n’ Roll. Eine der schönsten Aufnahmen zeigt am Ende Jagger, Watts, Richards und Ron Wood lachend – gealtert, aber immer noch spitzbübisch. Dank professionellen Materials namhafter Fotografen hebt sich der Band von vielen anderen Veröffentlichungen ab. Neues erfahren eingefleischte Fans kaum, dafür bekommen sie eine Fülle großartiger Bilder.