Nach Gelenkersatz-OP schneller wieder fit

Gesund / 18.01.2020 • 13:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
 Primar René El Attal (r.) und OA Andreas Berger warteten mit einem spannenden Vortrag auf. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Primar René El Attal (r.) und OA Andreas Berger warteten mit einem spannenden Vortrag auf. VN/Lerch

Neues OP-Management am LKH Feldkirch ermöglicht das.

Feldkirch Flotten Schrittes und mit einem zufriedenen Lachen im Gesicht defilierte der 71-Jährige an den MedKonkret-Besuchern vorbei. Am Freitag erst hatte er ein neues Hüftgelenk bekommen, am Dienstag marschierte der Patient schon beim MedKonkret auf und am Mittwoch durfte er das Spital bereits wieder verlassen. Solche Erfolgsgeschichten sollen an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie im LKH Feldkirch künftig öfter geschrieben werden.

Primar René El Attal und OA Andreas Berger stellten ein neues Management vor, das Patienten bei Gelenkersatzoperationen deutlich mehr Vorteile bringt und schonender ist. „Eingriffe an Knie und Hüfte sind eine Belastung für den Körper. Deshalb ist eine gute Vorbereitung wichtig“, betonten El Attal und Berger. Seit 1. Oktober 2019 sind Orthopädie und Unfallchirurgie eine Abteilung, seit Anfang 2020 arbeitet dort ein neues Team, und es gibt verschiedene Spezialambulanzen.

Planbarkeit als Vorteil

René El Attal bezeichnete die Endoprothetik als größte Erfolgsgeschichte der orthopädischen Chirurgie. Gelenksverschleiß bedeutet Schmerzen und Beeinträchtigung. Gelenksersätze können in den meisten Fällen Abhilfe schaffen. Die Zufriedenheit ist laut den Fachärzten hoch. Ebenso habe sich das Patientenkollektiv verändert. „Die Leute wollen auch im Alter aktiv sein“, erklärte Andreas Berger. Als Vorteil solcher Eingriffe wurde ihre Planbarkeit bezeichnet. So können bereits im Vorfeld alle Unwägbarkeiten gecheckt und ausgeräumt werden. Zum Behandlungsplan gehört außerdem ein Eigenblut-Management. Diese Maßnahme reduziert die Notwendigkeit von Bluttransfusionen. Nach dem Eingriff wird der Patient so schnell wie möglich mobilisiert, oft schon ein paar Stunden nach der OP. Dafür wird auf Schmerzkatheter verzichtet und stattdessen auf eine lokale Anästhesie des Schmerzbereichs gesetzt. Auch Blasenkatheter oder Drainagen sind nur noch die letzte Option. „Das Ziel ist ein kabelloser Patient“, erläuterte Berger. Das minimiere Blutungen und die Infektionsgefahr. Krücken sollen nur noch der Balance dienen. Andreas Berger, auf Hüft- und Kniegelenke spezialisiert, motiviert seine Patienten zudem, schnell wieder zivile Kleidung zu tragen. Das vertreibe das Krankheitsgefühl.

Nach vier bis fünf Tagen sind die Entlassungskriterien bei einem Großteil der Patienten erreicht. Zum Teil benötigen sie dann nicht einmal mehr eine Reha. Oft reicht die ambulante Physiotherapie, um wieder auf die Beine zu kommen. Primar René El Attal verhehlte aber nicht, dass es auch Problembereiche gibt. So haben etwa 30 Prozent der Patienten mit Schwindel zu kämpfen, der jedoch gut behandelbar ist. Noch kein probates Mittel gibt es gegen die Schlafstörungen, die Personen nach einem solchen Eingriff plagen. „Da gibt es Verbesserungsbedarf“, gestand El Attal.

Fragen aus dem Publikum

Wie lange halten Hüftprothesen und welches Material wird verwendet?

Berger: Entscheidende Kriterien sind das Alter und der OP-Zeitpunkt. Bei sehr aktiven Personen besteht das Risiko für eine Revision. Im Idealfall werden aber nur die defekten Teile gewechselt. Unsere Patienten sind im Durchschnitt 68 Jahre alt, bei 90 Prozent hält die Prothese lebenslang. Titan ist immer noch das beste Material. Was sich abreibt, ist das Kugellager, deshalb sind Kontrollen wichtig. 

El Attal: Die Lebensdauer einer Prothese liegt bei etwa 20 bis 25 Jahren, wobei es Unterschiede zwischen Hüft- und Knieprothesen gibt.

Nehmen Sie Kassenpatienten auch oder nur Privatpatienten?

El Attal: Wir nehmen alle Patienten.

Gibt es das Knowhow auch in den anderen Krankenhäusern des Landes?

El Attal: Es wird in allen Krankenhäusern sehr gute Endoprothetik gemacht. Das Management, wie wir es haben, gibt es bislang nur im LKH Feldkirch.

Gibt es auch einen Ersatz für Ellenbogengelenke?

El Attal: Ja, den gibt es auch, allerdings muss man sich hier jeden Fall genau anschauen.

Was kann ich als Patient zu einer guten Vorbereitung beitragen?

Berger: Trivial gesagt müssen Sie nur gesund und in gutem körperlichen Zustand zur OP kommen. Raucher sollten sieben Wochen vor und sieben Wochen nach dem Eingriff eine Nikotinkarenz einhalten.

Kann man beide Kniegelenke auf einmal operieren?

El Attal: Das kann man, ich empfehle es allerdings nicht. Besser ist ein kurzer Abstand dazwischen, beispielsweise zwei Tage.

Wie lange beträgt die Wartezeit für eine Hüft-OP?

El Attal: Es gibt eine Warteliste, mit der liegen wir österreichweit im Mittelfeld. Derzeit sind es drei bis vier Monate. Wir sind aber dabei, ein Konzept zu entwickeln, um die Wartezeiten zu reduzieren.

Lässt sich auch ein Fußgelenk ersetzen?

El Attal: Fußgelenke sind kritisch und die Erfolgsaussichten deutlich geringer. Es muss noch eine gute Beweglichkeit gegeben sein, ansonsten wird das Gelenk versteift, was auch gut funktioniert. Es gibt bei Fußgelenken neue Entwicklungen. Wir möchten diese Option auch in Feldkirch anbieten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine OP, so früh wie möglich oder so spät wie möglich?

El Attal: Da muss man differenzieren. Werden die Beeinträchtigungen im Alltag durch eine vorliegende Arthrose zu groß, sollte man nicht zu lange warten, weil sich sonst die Gelenkflächen verformen können.

Berger: Frühe Arthrose-Stadien werden nicht operiert, außer die Beschwerden sind zu ausgeprägt.

Bis zu welchem Alter kann man Arthrose behandeln lassen?

El Attal: Da gibt es keine Altersrestriktionen. Mit kontinuierlicher Bewegung lässt sich eine Behandlung sogar hinauszögern. Das Gelenk in Bewegung zu halten ist oft wirksamer.

Warum werden auch halbe Prothesen eingesetzt?

El Attal: Unsere Devise geht dahin, nur das zu ersetzen, was wirklich kaputt ist.  

Der Panoramasaal im LKH Feldkirch war mehr als nur bis auf den letzten Platz besetzt.
Der Panoramasaal im LKH Feldkirch war mehr als nur bis auf den letzten Platz besetzt.