“Da musst du kurz schauen, ob man helfen kann” – wenn der Einbrecher vors Auto springt

KSÖ-Sicherheitspreis 2026: Fridl Egender und ein Anrainer reagierten kurzentschlossen auf verdächtiges Verhalten.
Feldkirch “Er ist im Vollsprint über die Straße, ohne zu schauen”, erinnert sich Fridl Egender an den frühen Vormittag im Sommer 2025 zurück. Der 24-jährige Schwarzenberger ist Vermessungstechniker in Feldkirch, kam gerade von einer Baustelle, als ihm ein Einbrecher vors Auto sprang.

Wenige Minuten zuvor war der Sprinter in Altenstadt noch als Einbrecher tätig. Dabei wurde er gegen 8.15 Uhr von einem Nachbarn gestört und ergriff die Flucht. “Ich rannte in meinem Leben noch nie so schnell 300 Meter weit”, berichtete der Nachbar damals den VN von der Verfolgungsjagd.
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Schlechtes Bauchgefühl
Auch Egender wunderte sich. “Die Uhrzeit war komisch und dass zwei Leute hinterher sind, hat es nur noch komischer gemacht”, erklärt der 24-Jährige. “Durch das schlechte Bauchgefühl dachte ich mir, da musst kurz schauen, was da los ist. Vielleicht kann man ja helfen.”

Beim Abbiegen in die Seitengasse sah er, wie der Flüchtende in ein Auto stieg. Geistesgegenwärtig machte der Bregenzerwälder Fotos von dem Mann und dem Auto. Dieses flüchtete direkt in eine Sackgasse. “Da dachte ich mir, jetzt kannst wenigstens nachfragen, was eigentlich los ist”, schloss Egender zu den anderen Verfolgern auf. Das Einbrecherduo wendete derweil in der Sackgasse und durchbrach einen Holzzaun, um den Verfolgern zu entkommen.

Wenige Augenblicke später sei bereits die erste Streife eingetroffen. Mit den Fotos des Vermessungstechnikers hatten die Beamten das Kennzeichen und akkurate Personenbeschreibungen zur Hand. “Im Nachhinein ist es eigentlich recht unspektakulär abgelaufen”, war es für Egender kein großes Abenteuer.
Fahndung per Helikopter
Der Polizeihubschrauber fand das Auto beim Autobahnrastplatz in Hohenems, sodass der Mann und eine Frau festgenommen werden konnten. Im Fahrzeug selbst fanden die Beamten Schmuck und Bargeld. Die Ermittlungen ergaben, dass das Paar seinen Lebensunterhalt und seine Reise durch Europa laufend mit Eigentumsdelikten wie Diebstählen und Einbrüchen finanzierte.
Jährlich zeichnet das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) mit den VN und dem ORF jene Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, die mit ihrem couragierten Handeln zur Aufklärung von Verbrechen beigetragen oder diese sogar vereitelt haben, mit dem Sicherheitspreis aus. So auch Egender und besagten Nachbarn. Egender freut sich über den Preis, gebraucht hätte es ihn jedoch nicht: “Man schaut aufeinander, ob nun in der Stadt oder im Dorf.”