Mit vier Punkten zum Erfolg

05.11.2015 • 17:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Pölzls Fokus liegt auf vier Punkten: Verteidigung, Wachstum, Restrukturierung und Kundenorientierung.
Pölzls Fokus liegt auf vier Punkten: Verteidigung, Wachstum, Restrukturierung und Kundenorientierung.

Georg Pölzl, Chef der österreichischen Post, erklärt, wie er den Konzern zum Erfolg führte.

Bregenz. Better no letter! Ein Mann mit Schnauzer spielt den Chef einer US-Geheimbehörde. Er dankt den Menschen, die E-Mail und Face­book nutzen. So könnten Nachrichten, Fotos und Daten besser abgespeichert werden. Doch es gebe ein großes Problem: Menschen, die sich ihre Nachrichten weiterhin per Brief schicken. Deshalb starte der Geheimdienst eine Kampagne: „Better no letter“. Beendet wird dieses knapp zweiminütige Video mit dem Insert: „Wenn’s wirklich geheim bleiben soll, dann lieber mit der Post.“ Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender der österreichischen Post, eröffnete mit dem preisgekrönten Werbe-Video seinen Vortrag beim Wirtschaftsforum.

Dass die österreichische Post ein erfolgreiches Unternehmen ist, hat allerdings wenig damit zu tun, dass Menschen aus Gründen der Geheimhaltung Briefe bevorzugen. Mehr damit, wie Pölzl seine Konzernführung anlegt. „Ich stelle mir zwei Fragen. Was müssen wir verändern und wie machen wir das.“ Dazu brauche es Mut und Weitsicht. Mut, gegen Widerstände das Richtige zu tun. Weitsicht, wohin die Reise gehen soll.

Als Pölzl 2009 die Stelle bei der Post antrat, war die Organisation mit zwei „Mega­trends“, wie Pölzl das nennt, konfrontiert. „Das Briefgeschäft ging damals zurück, wir verlieren in diesem Segment weiterhin zwei bis fünf Prozent pro Jahr. Zudem wurde das Briefgeschäft liberalisiert. Auch diese Entwicklung hält an.“ Um die Österreichische Post neu aufzustellen, konzentrierte sich Pölzl auf vier Punkte:

1. Verteidigung des Kerngeschäfts. „In Österreich wird uns das Brief- und Paketzustellen niemand abnehmen“, erklärt er. Vor Kurzem begann die Deutsche Post, in Österreich Pakete auszuliefern. „Meiner Meinung nach macht sie damit einen Riesenfehler“, ist sich Pölzl sicher und setzt nach: „Wir werden unseren Markt mit Zähnen und Klauen verteidigen.“ Und zwar durch Fokus auf den Kunden.

2. Wachstum. „Wir wollen neue Geschäftsfelder finden“, sagt Pölzl. 40 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschafte die Post im Ausland; in zwölf Ländern, mit 20 Tochtergesellschaften. Vor zwei Jahren startete der Konzern ein Unternehmen in Deutschland, dass Pharmaprodukte an Apotheken liefert. Und zwar erfolgreich, erzählt Pölzl. Bereits dieses Jahr soll der Break-even geschafft werden.

3. Restrukturierung. „Das Unangenehmste meiner Tätigkeit“, gesteht der Post-Chef. Aber in Österreich würden 50 Prozent aller Kosten aufs Personal fallen, Biennalsprünge und Kollektivvertrags-Erhöhungen ließen die Personalkosten pro Jahr um 70 bis 100 Millionen Euro steigen. Durch Kündigungen und neue Verträge konnte dieser Betrag verringert und das Filialnetz sogar ausgebaut werden. Von rund 1300 eigenen Filialen im Jahr 2009 sind zwar nur noch knapp 500 übrig – inklusive Postpartner kommt die Post aber auf über 1800 Filialen in Österreich.

4. Kundenorientierung. Gezielt spricht Pölzl in seinen Ausführungen von „Postfilialen“ und nicht „Postämtern“. „Der Kunde soll sich in einer Filiale nicht mehr vorkommen wie auf einem Amt“, erklärt er. Alles für den Kunden: zum Beispiel 12.000 Paketboxen österreichweit. Oder 300 Selbstbedienungs-Foyers. „Der Kunde steht im Mittelpunkt“ sei ein Kernwert, den sich jeder Mitarbeiter verinnerlichen müsse.

Pölzl hat in sechs Jahren bei der Post viel bewegt. Aber wie sieht das Postgeschäft in 20 Jahren aus? Der Steirer ist sich sicher: „Es braucht nach wie vor physische Personen für die Zustellung. Ob Drohnen oder 3D-Drucker, es braucht die Menschen.“

Wir werden unseren Markt mit Zähnen und Klauen verteidigen. Durch Fokus auf den Kunden.

Georg Pölzl

Zur Person

Georg Pölzl

Generaldirektor Österreichische Post

Geboren: 24. April 1957 in Graz

Laufbahn: Studium Erdölwesen in Leoben. Danach bei McKinsey, ab 1993 im Vorstand von Binder & Co. Ab 1998 bei „max.mobil“. 2007 Wechsel zur Deutschen Telekom, anfang 2009 wurde er Vorstandsvorsitzender von T-Mobile Deutschland. Seit 1. Oktober 2009 ist er Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Post.