Preis für Lebenswerk: Mit Mut und Fleiß einen Weltkonzern geschaffen

05.11.2015 • 16:55 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Besucher des Vorarlberger Wirtschaftsforums zollten Alwin Lehners Lebensleistung mit Standing Ovations Anerkennung.
Die Besucher des Vorarlberger Wirtschaftsforums zollten Alwin Lehners Lebensleistung mit Standing Ovations Anerkennung.

Einer der großen Pioniere der Vorarlberger Industrie, Alwin Lehner, wurde beim Wirtschaftsforum geehrt.

Bregenz. Das Vorarlberger Wirtschaftsforum war gestern Bühne für eine besondere Auszeichnung. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg, die Wirtschaftskammer Vorarlberg und die Vorarlberger Nachrichten haben den im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen  „Ehrenpreis der Vorarlberger Wirtschaft für das unternehmerische Lebenswerk“ an den Gründer des Verpackungsriesen Alpla, Alwin Lehner, überreicht.

VN-Herausgeber Eugen A. Russ erläuterte in seiner Ansprache die Intention des Preises. „Wenigen Menschen in der Wirtschaft gelingt es, in ihrer Schaffensphase ein Weltunternehmen zu schaffen. Mit Mut, Pioniergeist, Fleiß und Gespür für Kunden und Mitarbeiter können Unternehmen entstehen, die Arbeitsplätze und Wohlstand sichern. Solche Ausnahmepersönlichkeiten machen Mut, sie sind interessant und man kann von ihnen lernen.“ Mit diesem Preis werden herausragende Unternehmerpersönlichkeiten mit ihrem Lebenswerk ins Scheinwerferlicht gestellt.

Bei den Kriterien wird auf den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg, die vorbildliche Unternehmenskultur, die Treue zum Standort Vorarlberg und die Einzigartigkeit des Lebenswerks der geehrten Person Bedacht genommen. Die Wahl fiel heuer auf den Gründer und langjährigen Geschäftsführer der Alpla Werke, Alwin Lehner. Sein Lebenswerk ist imposant, „sein unternehmerisches Geschick, sein Gespür für Veränderungen und seine Umsetzungskraft schufen die Grundlage für einen Weltmarktführer, der auf vier Kontinenten über 16.000 Mitarbeiter beschäftigt“ zählte Russ nur einige Eckdaten aus dem Leben Lehners auf, bevor es hieß „Film ab“. Marion Flatz vom ORF Vorarlberg hat zu diesem Anlass ein filmisches Porträt des Geehrten produziert, in dem der Kunststoffpionier, seine Familie und Mitarbeiter zu Wort kommen und der Porträtierte in historischen Aufnahmen zu sehen war. Am Podium gratulierten dem Unternehmer seitens der Auslober dieser hohen Ehrung Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein, Industriellenvereinigungspräsident Martin Ohneberg und VN-Herausgeber Eugen A. Russ.

Von den rund 600 Gästen des Vorarlberger Wirtschaftsforums wurde die Auszeichnung Lehners mit Standing Ovations bestätigt. Im Interview mit Moderatorin Angelika Böhler erzählte der Preisträger über seine Einstellung zur Arbeit, entscheidende Momente in seinem Berufsleben, über Rückschläge, die aber schlussendlich immer das Unternehmen weiterbrachten.

Angefangen haben Alwin Lehner und sein Bruder Helmut mit ihrem Unternehmen Alpenplastik Alwin Lehner (Alpla) bescheiden. Im Jahr 1955 räumten sie die Waschküche im Elternhaus aus und produzierten die ersten Flaschen aus Kunststoff. Aus der kleinen Werkstatt ist ein Riese entstanden, der auf vier Kontinenten produziert, und die Expansion geht weiter.

Alpla ist Vorarlbergs größtes und das international am breitesten vertretene Unternehmen, dabei hat alles mit einem Flop begonnen. Von Anfang war es aber eine „Family Company“. Die Geschwister Wilma, Helmut und Alwin wollten die Haushaltskasse aufbessern, nachdem Vater Leopold seine Arbeit verloren hatte. Die Idee: Christbäume verkaufen. Doch die Bäume trafen erst am 24. Dezember ein, kein Mensch brauchte mehr einen Christbaum. Die Familie Lehner holte sich blutige Nasen bei diesem frühen Versuch unternehmerischer Tätigkeit, dachte aber gar nicht daran, aufzugeben.

Der nächste unternehmerische Schritt war von Erfolg gekrönt, wie man heute weiß. Doch der Start war alles andere als einfach. „Bevor wir damit angefangen haben, hatten wir keine Ahnung  von Kunststoffflaschen“, berichtet Alwin Lehner über diese Pionierzeiten. Erste Kunden waren übrigens zwei Vorarlberger Unternehmen – Lustenauer Senf und Käseproduzent Alma. Gearbeitet wurde von der ganzen Familie – und zwar im Mehrschichtbetrieb und sogar neben einem anderen Hauptjob wie im Falle von Schwester Wilma und Alwin selbst. Mitgearbeitet hat auch immer Ehefrau Herma, wie der Geehrte im Festspielhaus erzählte, die ihm die größte Stütze in seiner unternehmerischen Laufbahn gewesen sei. Die Möglichkeiten des Werkstoffes Kunststoff wurden nach und nach entdeckt – oft auf Druck der äußerst engagierten Verkäufer, die die Aufträge annahmen, die in der Fabrikation erst einmal umgesetzt werden mussten. Alwin und Helmut Lehner nutzten die Gunst der Stunde und waren zur Stelle, wenn Firmen dieses neue Material nutzen wollten. „Und wir hatten immer die richtigen Mitarbeiter um uns“, so Alwin Lehner bei der Ehrung. Alwin sorgte für die technische Umsetzung der Kundenwünsche. Der gelernte Maschinenbauer pefektionierte die angekauften Maschinen und bewies als Unternehmer Weitsicht und Mut. Die Aufträge nahmen zu, 1959 wurde der Alplamat, der Flaschen unterschiedlicher Größe herstellen konnte, in Dienst gestellt. 1962 das erste Alpla-Werk in Kundennähe in Steinabrückl bei Wien eröffnet, 1964 erfolgte die Gründung des ersten Auslandswerkes in Markdorf. „Damit konnten wir den EWG-Markt beliefern“, erläutert Lehner diesen ersten Schritt über die Grenzen.

Schon bald, nämlich 1968, erfolgte ein weit größerer Schritt, nämlich nach Venezuela. Und so ging es Zug um Zug. Weitblick bewies Lehner auch bei der Führung des Unternehmens. Anders als andere Unternehmensgründer zog er sich zurück und mischte sich auch nicht mehr ein, als Sohn Günther die Geschäfte übernahm. Er suchte sich ein neues Betätigungsfeld: Heute ist er täglich bei seinen Oldtimern, berichtete er bei der Preisverleihung im Festspielhaus: „Meine Frau Herma hat nichts dagegen, aber dafür auch nichts.“

Das wertvollste in einem Unternehmen sind gute Mitarbeiter. Und die hatte ich um mich.

Alwin Lehner
VN-Herausgeber Eugen A. Russ hielt die Laudatio auf den Alpla-Gründer Alwin Lehner.
VN-Herausgeber Eugen A. Russ hielt die Laudatio auf den Alpla-Gründer Alwin Lehner.
VN-Herausgeber Eugen A. Russ, Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein und IV-Präsident Martin Ohneberg überreichten Alwin Lehner die Medaille zum Ehrenpreis für sein unternehmerisches Lebenswerk.
VN-Herausgeber Eugen A. Russ, Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein und IV-Präsident Martin Ohneberg überreichten Alwin Lehner die Medaille zum Ehrenpreis für sein unternehmerisches Lebenswerk.
VN-Herausgeber Eugen A. Russ, Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein und IV-Präsident Martin Ohneberg überreichten Alwin Lehner die Medaille zum Ehrenpreis für sein unternehmerisches Lebenswerk.
VN-Herausgeber Eugen A. Russ, Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein und IV-Präsident Martin Ohneberg überreichten Alwin Lehner die Medaille zum Ehrenpreis für sein unternehmerisches Lebenswerk.

Zur Person

Alwin Lehner

Geboren: 16. Februar 1932 in Bregenz

Familie: seit 1958 verheiratet mit Herma, 3 Kinder, 5 Enkelkinder

Ausbildung: Volksschule in Hard, Hauptschule in Bregenz, Maschinenbau-Lehre in Hard

Karriere: 1955 Gründung der Alpla (damals Alpenplastik Lehner Alwin OHG) in Hard, gemeinsam mit Bruder Helmut Aufbau der Alpla-Werke zu einem international führenden Kunststoffkonzern.

Unternehmen: Die Alpla Holding ist zu 100 % im Besitz der Alpla Privatstiftung. Der Alpla-Konzern ist in 40 Ländern mit 156 Werken vertreten und beschäftigt weltweit über 16.000 Mitarbeiter, davon über 900 in Vorarlberg in den Werken in Hard und Fußach. Der Konzernumsatz liegt 2014 bei 3,13 Mrd. Euro.

Auszeichnung: Österreichisches Staatswappen, Kommerzialrat-Titel für Verdienste um Österreichs Wirtschaft

Engagements: Familie, Oldtimer, Kunst.