„Mein Beruf ist sehr spannend und abwechslungsreich zugleich“

17.11.2015 • 10:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Knetübungen sind eine Möglichkeit die Funktion der Finger wieder einigermaßen herzustellen. Foto: vol.at
Knetübungen sind eine Möglichkeit die Funktion der Finger wieder einigermaßen herzustellen. Foto: vol.at

Ergotherapeutin Barbara Violand leitet das SMO-Fachzentrum für Rehabilitation in Bürs.  

Bürs. Hannes erlitt im Juli dieses Jahres einen Schlaganfall. „Ich habe sehr viel gearbeitet und mir zu wenig Zeit für mich genommen“, glaubt er, dass Stress der Grund dafür war, dass ihn der Schlag traf. Der 55-jährige Bludenzer hatte Glück im Unglück. Er überlebte. Außerdem verschwand nach einer OP die halbseitige Lähmung seines Körpers.

Sein Gedächtnis und sein linker Arm sind aber seit dem Schlaganfall beeinträchtigt. Deshalb kommt er drei Mal wöchentlich zur Therapie in die Tagesklinik der SMO Neurologische Rehabilitation in Bürs. Unter anderem arbeitet Ergotherapeutin Barbara Violand (32) mit ihm. Die Leiterin des SMO-Zentrums in Bürs zeigt ihm Übungen, die ihm helfen sollen, die Fähigkeiten seines linken Armes und seines Gedächtnisses wiederzuerlangen. Sensibilitäts- und Feinmotoriktraining soll ihm das Gefühl in seinem linken Arm zurückbringen und dessen Beweglichkeit verbessern.

Das Ziel: Selbstständigkeit

Hannes taucht seine Hand in ein Becken voller warmer Kieselsteine. „Das fördert die Sensibilität“, weiß Violand. Dann dreht ihr Patient einen Igelball in der linken Hand. „Das dient dazu, die Fingergeschicklicheit zu fördern und die Sensibilität zu steigern.“ Die Übungen zielen darauf ab, dass der kaufmännische Angestellte wieder arbeiten und am PC tippen kann. „Mit der linken Hand tut sich Hannes beim Tippen noch schwer“, ortet die Ergotherapeutin noch motorische Defizite. Auch die Gedächtnisleistungen des Schlaganfallpatienten funktionieren nicht mehr so wie früher. Mit einem speziellen Computerprogramm übt der Bludenzer sein Gedächtnis und seine Aufmerksamkeit.

Ergotherapeuten, die wie Violand in der neurologischen Rehabilitation tätig sind, versuchen die aufgrund eines Unfalles oder einer Erkrankung verloren gegangenen motorischen und/oder kognitiven Fähigkeiten eines Patienten wiederherzustellen und die vorhandenen zu fördern und zu erhalten. „Unser großes Ziel ist es, dass der Patient wieder möglichst viel selbstständig machen kann.“

Greifübungen mit Flaschen

Derzeit bringt die Ergotherapeutin, die auch Hausbesuche macht und als Beraterin im Krankenhaus Bludenz tätig ist, zum Beispiel gerade einem jungen Mann mit Schädelhirntrauma und Querschnitt bei, seine Hände besser einzusetzen. „Beidhändig zu essen ist unser Ziel. Dazu muss er als erstes lernen, dass Messer in der Hand zu halten.“ Violand arbeitet mit verschiedenen Hilfsmitteln und Materialien, um den Einsatz der Hände zu fördern. In diesem Fall nimmt sie Flaschen zu Hilfe. „Mit ihnen machen wir Greifübungen.“

Lernt viele Menschen kennen

Erfolge stellen sich nur im seltensten Fall gleich ein. „Oft ist es ein ganz langer Prozess. Manchmal kommen die Patienten über mehrere Jahre immer wieder zur Therapie.“ Einrichtungen wie die SMO, die seit dreißig Jahren ambulante und tagesklinische Therapie anbietet, seien daher ganz wichtig. Denn: „Es ist nicht getan mit einer stationären Reha oder einem Aufenthalt in der Nachsorge in Rankweil.“

Die Ergotherapeutin, die in Bürs ein zehnköpfiges interdisziplinäres Team leitet, liebt ihren Beruf. „Er ist total spannend und abwechslungsreich. Schön ist auch, dass man viele Menschen kennenlernt.“ Schon als Teenager träumte die Sulzbergerin von einem helfenden Beruf. „Ich wollte etwas im Gesundheitsbereich machen.“ Nach der Matura entschloss sie sich, die Akademie für Ergotherapie in Innsbruck zu absolvieren. Weil sie der Beruf mit Menschen konfrontiert, die mit Krankheit oder Behinderung leben, wird ihr täglich bewusst, wie gut es ihr selbst geht. „Ich werde tagtäglich daran erinnert, wie schnell im Leben alles anders sein kann.“ 

Ergotherapeutin Barbara Violand arbeitet mit einem Patienten, der vor ein paar Monaten einen Schlaganfall erlitten hat.       Foto: VN/Hofmeister
Ergotherapeutin Barbara Violand arbeitet mit einem Patienten, der vor ein paar Monaten einen Schlaganfall erlitten hat.       Foto: VN/Hofmeister

Über 80 Ergotherapeuten arbeiten im Land

Vorarlbergs erste Ergotherapeutin arbeitete ab 1975 bei der Lebenshilfe Vorarlberg. Heute sind im Land 81 ErgotherapeutInnen tätig, 72 davon sind in Institutionen beschäftigt, der Rest arbeitet freiberuflich. Die meisten findet man in den Bereichen Neurologie, Psychiatrie und Pädiatrie. Ergotherapeuten arbeiten aber auch in den Fachgebieten Handchirurgie, Orthopädie, Rheumatologie, Geriatrie, Gesundheitsförderung und Prävention. Seit 30 Jahren bietet die SMO in Vorarlberg Menschen mit neurologischen Erkrankungen eine ambulante und tagesklinische rehabilitative Versorgung in ihren vier SMO Ambulatorien in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz/Bürs an. Im Vorjahr betreute die SMO 1638 Patienten, 663 davon hatten einen Schlaganfall erlitten.  

Kontaktadresse: SMO Gesundheitsmanagement GmbH, Bahnhofstraße 29, Bregenz, Tel. 05574/52933.