Das Ländle-Gütesiegel steht für Gentechnikfreiheit

Extra / 03.07.2016 • 18:33 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Kennzeichnung von Ländle-Qualitätsprodukten. Foto: Heidegger
Kennzeichnung von Ländle-Qualitätsprodukten. Foto: Heidegger

Der kommerzielle Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen begann 1996.

bregenz. Der Einsatz von gentechnisch veränderten Tieren, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, könnte bald folgen. „Mehr Ertrag beim Anbau von Pflanzen dank Gentechnik im Bereich Landwirtschaft. Nutztiere, die schneller wachsen, nurmehr weiblich und steril sind sowie weniger Futter benötigen“, lauten die vermeintlich guten Nachrichten. Das klingt zwar wirtschaftlich und ressourcenschonend – ist es aber nicht.

Eine GVO-Antragsflut

Viele Behörden prüfen laufend Anträge auf Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), die von Agrogentechnikkonzernen gestellt werden. Zahlreiche Studien, meist von den Herstellern selbst erstellt und finanziert, liegen vor, die eine Unbedenklichkeit bescheinigen sollen. Inzwischen gibt es aber Studien, die Gentechnik als wirtschaftlichen und ökologischen Reinfall entlarven.

Bevölkerung lehnt GVO ab

Grundsätzlich trifft die Gentechnik in Österreich und in großen Teilen der EU in der Bevölkerung auf breite Ablehnung. Dennoch und völlig ungeachtet dessen sind auf EU-Ebene zahlreiche GVO, zumeist gentechnisch veränderte Pflanzen, bereits zugelassen. Eine Reihe von weiteren Anträgen für Zulassung liegt den Behörden vor. Die meisten GVO werden importiert, der insektenresistente Mais MON810 ist aber für Anbauzwecke erlaubt.

Verschiedene Kräfte wirken

Mit der Gentechnik werden alle Lebewesen, einschließlich wir Menschen, zu beliebig zerleg- und rekombinierbarer Materie. Das ursprüngliche Europäische Patentübereinkommen, das „Tierarten und Pflanzensorten“ von Patentierungen grundsätzlich ausschließt, wird schon lange anders interpretiert. Antragsteller erhalten ein Monopol auf die Verwertung von Genen, die es seit Jahrtausenden gibt. Verschiedene Interessengruppen, auch innerhalb der EU, unterstützen eine Pro-Gentechnik-Haltung und arbeiten stetig daran, die Gesetzgebung zugunsten der Gentechnik zu ändern.

TTIP ist brandgefährlich

Seit 2015 dürfen Mitgliedsstaaten auch nationale Anbauverbote verhängen. Zuvor prägten Diskussionen über die Verletzung der bestehenden Welthandelsverträge und die Verträge des Europäischen Binnenmarktes die Dialoge zwischen Kommission, Rat und Parlament. Das derzeit bestehende Recht kann sich jedoch angesichts von TTIP wieder ändern. Spätestens dann ist eine Kennzeichnung gentechnikfreier Produkte ein starkes Verkaufsargument auf dem Lebensmittelmarkt. „Wir wollen die Konsumenten für dieses Thema sensibilisieren, damit wir weiterhin mit zertifizierten Produkten aus Vorarlberg eine sichere Alternative zu nicht transparenten Lebensmitteln bieten können“, erklärt Manuel Gohm, Geschäftsführer der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH, die Mission Gentechnikfreiheit des Ländle-Gütesiegels: „Gentechnikfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit.“

Problem: importiertes Futter

Es gilt zwar ein Anbauverbot für GVO in Österreich, doch gentechnikfrei ist Österreich nicht. Tiere dürfen mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Auf diese Weise landet Gentechnik in der Nahrungskette. Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht gibt es bis dato nicht. Eine mehr oder weniger bewusste Gesetzeslücke. Das Ländle-Herkunfts- und Gütesiegel garantiert komplette Gentechnikfreiheit, auch in der Fütterung der Nutztiere. Ganz im Sinne der Vorarlberger Bevölkerung, die gentechnisch veränderte Lebensmittel überwiegend ablehnt.

„Unsere vertraglich eingebundenen Landwirte kaufen nur Futtermittel bei ebenfalls zertifizierten Futtermittelherstellern ein. Diese kaufen zertifizierte, gentechnikfreie Zutaten ein. Bei Milch und Fleisch haben wir Lieferanten, die einen Schwellenwert für Kontamination von 0,1 Prozent einhalten können, gesetzlich liegt dieser bei 0,9 Prozent. Die damit zusammenhängenden Kontrollen und Zertifizierungen verteuern derartige Futtermittel natürlich. Darum ist es auch so wichtig, einen fairen Marktpreis für die produzierenden Landwirte zu erzielen“, erläutert Othmar Bereuter, Qualitätsmanagement-Verantwortlicher des Ländle-Gütesiegels.

Alle gemeinsam handeln

Zum einen muss der Konsument auf das Thema hin sensibilisiert sein und den Wunsch nach Gentechnikfreiheit auch mit dem Kauf dementsprechender Produkte honorieren. Zum anderen muss für diese Art der Nachfrage die gesamte Versorgungskette abgestimmt sein: vom Handel zurück zum Produzenten und nochmals rückverfolgt zum Hersteller der Futtermittel. So sichert das Ländle-Gütesiegel die Wahlfreiheit der Konsumenten. Der brasilianische Verband der gentechnikfreien Soja-Anbauer ABRANGE verzeichnete 2014 ein Ernteplus von zehn Prozent. Der Anbau von gentechnikfreiem Soja in Europa nimmt, vor allem dank des Donau-Soja-Projektes, ebenfalls stetig zu. Rechtlich ist der bewusste Einsatz von Gentechnik mithilfe von Schwellenwerten, von einer zufälligen, technisch nicht mehr beeinflussbaren Beimischung, abgegrenzt. In der EU liegt der Schwellenwert von Futter und Lebensmitteln – auch von Bio-Lebensmitteln – bei 0,9 Prozent. Andere Länder sind da weitaus toleranter. Die Breite der Schwellenwerte liegt zwischen einem und fünf Prozent. Der betreffende Hersteller muss nachweisen, dass es sich bei den Beimischungen um zufällige und technisch nicht vermeidbare GVO-Kontaminationen handelt. Bei Überschreitung besteht eine Kennzeichnungspflicht.

Geringe Margen hinderlich

Bei der Legehennenhaltung ist eine gentechnikfreie Fütterung im deutschsprachigen Raum am weitesten fortgeschritten. Aber in der Produktion von Schweinefleisch und Geflügel ist die Bereitschaft der Produzenten zur gentechnikfreien Fütterung nicht sehr groß. Das liegt vor allem an den knappen Margen. Die Preise für Schweine- und Geflügelfleisch spiegeln nicht annähernd den Aufwand für die Produktion wider. Das Ländle-Gütesiegel soll auch den Landwirten im Fleischbereich faire Preise garantieren. Nur so sind die Wünsche nach tierfreundlicher Haltung und gentechnikfreier Fütterung realisierbar. Besonders in diesem Produktbereich müssen Konsumenten, Handel und Landwirte zusammenhalten.

„GMO-Free“-Trend in den USA

Aktuell vollzieht sich auch in den USA, dem Gentechnikvorreiter schlechthin, ein Umdenken. Verbraucher und NGOs kämpfen in den USA um die Kennzeichnungspflicht von GVO-Produkten. Hersteller wollen das nicht und kommen mit der Unbedenklichkeitskeule. Wenn Konsumenten für gentechnikfreie Nahrungsmittel mehr bezahlen wollen, würden die Lebensmittelhersteller freiwillig kennzeichnen. Und genau das tun sie vermehrt. Die mit „GMO-free“ gekennzeichneten Produkte erfreuen sich steigenden Absatzes.

„Gentechnik birgt ungeklärte Gesundheitsrisiken für Mensch, Tier und Umwelt, und Konsumenten haben ein Informationsrecht, ob Risikotechnologie im Lebensmittel enthalten ist oder nicht“, unterstreicht Manuel Gohm. „Für viele Verbraucher ist Gentechnikfreiheit längst relevantes Kaufkriterium geworden. Sie müssen sich aber auch stets bewusst sein, dass die Gewährleistung von Gentechnikfreiheit mit höheren Kosten für die Produzenten einhergeht, daher faire Preise bezahlt werden müssen.“

Gentechnikfreiheit ist leider keine Selbstverständlichkeit.

manuel gohm

Unsere Vertragslandwirte kaufen nur gentechnikfreie Zutaten.

othmar bereuter

Infos zum Ländle Gütesiegel auf www.laendle.at/guetesiegel