Vorarlberg half, als das Wasser bis zum Hals stand

Extra / 11.11.2020 • 15:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Land unter“ hieß es im August 2002 in weiten Teilen Niederösterreichs. Die VN-Leser halfen in vorbildlicher Weise. Links: Scheckübergabe an eine geschädigte Familie vor Ort (v. l. LH Herbert Sausgrauber, VN-Chefredakteur Christian Ortner und LH Erwin Pröll).
„Land unter“ hieß es im August 2002 in weiten Teilen Niederösterreichs. Die VN-Leser halfen in vorbildlicher Weise. Links: Scheckübergabe an eine geschädigte Familie vor Ort (v. l. LH Herbert Sausgrauber, VN-Chefredakteur Christian Ortner und LH Erwin Pröll).

Hilfsbereitschaft kennt im Ländle keine Landesgrenzen.

Im August 2002 kam es vor allem in Niederösterreich zu einer „Jahrhundertflut“. Auslöser der Hochwasserkatastrophe waren starke Niederschläge vom 6. bis 8. August und vom 10. bis 14. August 2002, die sich über weite Landstriche Niederösterreichs legten. Im Kamptal gab es entlang des Flusses und seiner Zubringer von Zwettl bis zu seiner Mündung in die Donau massivste Überflutungen mit historischen Höchstständen.    

Am 14. August 2002 lief mit der Einrichtung eines Hilfskontos die VN-Aktion für die Hochwasseropfer voll an. Dabei zeigte sich auch aufgrund der dramatischen Bilder rasch eine breite Solidarität. Geholfen wurde mit dem Herzen, aber auch den Händen: Vorarlberger Feuerwehrleute nutzten aus eigenem Antrieb ihren Urlaub, um in den Katastrophengebieten Niederösterreichs Hand anzulegen. 

Am 9. Dezember 2002 berichtete das Land Niederösterreich in einer Presseaussendung: „Die Leser der Vorarlberger Nachrichten spendeten für die niederösterreichischen Opfer der Hochwasserkatastrophe 900.000 Euro.“ Überreicht wurden die Schecks den Betroffenen in Emmersdorf und Grafenwörth, mit dabei der damalige VN-Chefredakteur Christian Ortner als treibende Kraft der VN-Hilfsaktion. Einige Beispiele: Die Familie Schweiger aus Marbach erhielt für die Instandsetzung ihres Hauses 6000 Euro. Der Sportverein Marbach-Persenbeug wie auch die Neuerrichtung der Badeanlage Hadersdorf wurden mit je 150.000 Euro unterstützt.

Tiefe Solidarität

Die damaligen Landeshauptleute Erwin Pröll und Herbert Sausgruber betonten die Verbundenheit der Bundesländer: „Landeshauptmann Sausgruber hat mich im Sommer als erster angerufen und Niederösterreich Hilfe angeboten.“ Solidarität unter den Bundesländern sei unerlässlich, erwiderte Sausgruber. Überall sei den Vertretern Vorarlbergs und der VN große Dankbarkeit entgegengekommen, bis hin zu großen Empfängen mit Musik und Applaus, erinnerte sich Ortner später an ein „besonders beeindruckendes und berührendes Erlebnis“.   

Nur drei Jahre später wollte und konnte sich Niederösterreich revanchieren: Aufgrund der schweren Hochwasserschäden im Bregenzerwald und der Arlbergregion sammelten die Niederösterreicher Geld für die Vorarlberger, 140 Mann des Katastrophenhilfsdienstes und 470 Soldaten aus Niederösterreich waren in den Krisenregionen im Einsatz. „Wir wissen, was es heißt, Hilfe zu brauchen. Und wir wissen auch, dass wir Hilfe schuldig sind“, so Landeshauptmann Erwin Pröll.

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