Die letzte Schraube
Das Fahrrad bräuchte dringend einen Service. Es hat, was weiß ich wie viele hundert Kilometer schon kein Schmiermittel mehr gesehen, geschweige denn ein Werkzeug, das sich seiner viel beanspruchten und trotzdem unermüdlich arbeitenden Bestandteile wieder einmal fachkundig annehmen würde. Doch der Drahtesel läuft und läuft.Manchmal etwas kratzend, so, als wollte er seinen Besitzer daran erinnern, dass eine pfleglichere Behandlung kein Luxus wäre. Aber solange etwas seinen Dienst tut . . .
Irgendwie erinnert das fatal an das Gesundheitsverhalten der Männer. Funktionieren bis zum Abwinken. Mittendrin, statt nur dabei. Adrenalin als Lebenselixier. Sie finden scheinbar alles, nicht jedoch den Weg zum Arzt. Unlängst vorgelegte Zahlen sprachen Bände. So wurden von den 140.793 Vorsorgeuntersuchungen, die 2012 bei Allgemeinmedizinern stattfanden, nur 62.198 von Männern in Anspruch genommen. Dürftig, dürftig. Wen soll es da wundern, wenn Krankheiten wie Depressionen und Osteoporose bei Männern häufig und zu lange unerkannt bleiben.
Oder kommen da etwa tradierte Rollenbilder ins Spiel? Depressionen? Die bekommen doch nur Frauen. Knochenschwund? Ebenfalls eine reine Frauenkrankheit. Mitnichten. Es trifft immer öfter auch Männer. Ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht: In diesem Punkt lässt die Gleichstellung kaum noch einen Wunsch offen. Außer dem, dass auch Männer nicht ihren Mann stehen müssen, bis die letzte Schraube aus dem Räderwerk fällt.
marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at
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