So geht es Österreichs „Alten“

15.05.2015 • 09:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Studie zur Bevölkerungsgruppe „80plus“ – eine sehr heterogene Gruppe. 

Wien. Erstmals gibt es eine umfassende Untersuchung zur Lage von Österreichs Senioren. Die sogenannte „Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie“ ist durch eine Kooperation von Gesundheits- und Sozialministerium, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und dem Bundesland Steiermark entstanden. Die Erhebung der Daten erfolgte in den Jahren 2013 und 2014 bei 80- bis 85-jährigen Männern und Frauen. „Die Gruppe der hochaltrigen Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten signifikant zunehmen. Laut Eurostat wird sich der Anteil von Menschen über dem 80. Lebensjahr in Europa bis 2030 fast verdoppeln“, erläutert Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. „Ich sehe es als Aufgabe der Gesundheitspolitik, für die steigende Zahl der hochaltrigen Personen in Österreich notwendige gesundheitspolitische Strategien zu entwickeln.“

Nicht homogen

Projektleiter der Studie war der Allgemeinmediziner und Geschäftsführer der Österreichischen Plattform für interdisziplinäre Altersfragen, Georg Ruppe. Er weist auf die besonderen Eigenheiten der Menschen dieser Altersgruppe hin: „Wir haben es nicht mit einer homogenen Altersgruppe zu tun. Die Alten, ,80plus‘, sind keine Kategorie. Gerade in der Entwicklung handelt es sich bei der Zeitspanne zwischen 80 und 85 Jahren um eine entscheidende Phase des Alterungsprozesses.“

Relativ groß ist die Gruppe der Menschen mit gutem Gesundheitszustand und autonomer Lebensführung. Ein Alter von „80plus“ bedeutet in Österreich noch lange nicht, dass das Leben von Defiziten in physischer, psychischer oder sozialer Hinsicht dominiert wird. Immerhin sind 79,2 Prozent der Befragten mit ihrer Lebenssituation zufrieden. 54,4 Prozent der 80- bis 85-Jährigen weisen einen guten Gesundheitszustand (13,7 Prozent sehr gut, 40,7 Prozent gut) auf. Einen relativ labilen Allgemeinzustand mit funktionalen Einschränkungen haben 36,3 Prozent. Als gebrechlich mit gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen sind 9,3 Prozent zu betrachten. 37 Prozent der Frauen und fast 26 Prozent der Männer gaben an, „häufig starke bis sehr starke Schmerzen“ zu haben. Einen sehr guten oder guten Gesundheitszustand haben in der Altersgruppe noch 64,2 Prozent der Männer, hingegen nur 47,2 Prozent der Frauen.

Allerdings sind zwischen 80 und 85 Jahren bereits 92,4 Prozent der Menschen von zumindest einer chronischen Krankheit betroffen. An der Spitze ist da der Bluthochdruck mit 53,4 Prozent. Dann kommen Harninkontinenz (34,1 Prozent) und Herzkrankheiten (31,2 Prozent). 18,8 Prozent der Probanden gaben an, krebskrank zu sein oder es gewesen zu sein. 18,3 Prozent sind Diabetiker, 29 Prozent leiden an Rheuma oder Gicht.

In einem Jahresquartal gehen 74,6 Prozent der Betagten zumindest einmal zum Arzt. 11,2 Prozent suchen den Arzt gar fünf bis zehn Mal auf (mehr als zehn Mal: 6,3 Prozent). Am häufigsten (31,5 Prozent) sind ein bis zwei Arztbesuche in drei Monaten. Mit mehr als fünf einzunehmenden Medikamenten fallen 41,4 Prozent der Probanden unter die Gruppe der von Polypharmazie betroffenen Personen. 12,4 Prozent haben mehr als zehn Medikamente ärztlich verordnet bekommen (29 Prozent: sechs bis zehn; 31 Prozent: drei bis fünf).

Einsame Frauen

Ebenfalls bemerkenswert: Nur rund 15 Prozent der Probanden absolvierten einen kurzen kognitiven Test fehlerlos. Sehr unterschiedlich waren die Ergebnisse bei der Häufigkeit des Gefühls von Einsamkeit. Männer fühlen sich zu 9,4 Prozent oft oder immer einsam, Frauen hingegen zu 13,6 Prozent. 11,5 Prozent der Befragten fühlen sich häufig deprimiert.

Wir haben es nicht mit einer homogenen Altersgruppe zu tun. Die Alten, ,80plus‘, sind keine Kategorie.

Georg Ruppe