Auslöser von Migräneattacken können individuell erfasst werden

Gesund / 07.07.2016 • 18:24 Uhr
Kopfschmerzen und in diesem Zusammenhang speziell Migräne schränken sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Lebensqualität ein.
Kopfschmerzen und in diesem Zusammenhang speziell Migräne schränken sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Lebensqualität ein.

Das lässt Hoffnungen auf eine personalisierte Behandlung zu.

Wien. Migräne ist die weltweit dritthäufigste Erkrankung und liegt unter mehr als 300 Erkrankungen an sechster Stelle, was die Belastung betrifft. „Auslöser von Migräneattacken zu erkennen ist ein wichtiger, zugleich aber schwieriger Schritt in der Migränebehandlung“, erklärt Christian Wöber, Leiter des Spezialbereiches Kopfschmerz an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien. Alleiniges Befragen der Betroffenen bringt kein verlässliches Ergebnis, vielmehr bedarf es detaillierter Aufzeichnungen in einem Tagebuch und einer komplexen statistischen Analyse, um die Migräne personalisiert behandeln zu können. Genau das wurde nun in einer Studie nachgewiesen.

Die Arbeitsgruppe Kopfschmerz der MedUni Wien ist eine der weltweit führenden Gruppen, die Migräneauslöser erforschen, und hat auch das Interesse des US-amerikanischen Start-Ups „Curelator“ bei der Entwicklung einer App für das Erfassen von Migräneauslösern geweckt. Aus der Kooperation ist nun eine erste, kürzlich im Top-Journal „Cephalalgia“ publizierte Studie hervorgegangen. In dieser Studie wurden Daten der MedUni Wien verwendet, um eine völlig neue Herangehensweise an die Analyse von Migräneauslösern zu untersuchen.

Erstmals wurden die Auslöser für eine Migräneattacke, nicht für ein Kollektiv, sondern individuell für jeden einzelnen Patienten bzw. jede einzelne Patientin ermittelt. Wöber: „Einzelfall-Analysen erlauben personalisierte, also auf individuelle Gegebenheiten Bedacht nehmende Medizin. Die Notwendigkeit dieser bisher in medizinischen Studien wenig gebräuchlichen Herangehensweise wurde kürzlich auch im ‚Nature‘, einem Top-Journal, hervorgehoben.“

Individueller Zusammenhang

Bei der aktuellen Studie wurden Einzelfallanalysen mit der Analyse der Gesamtgruppe aller Studienteilnehmer verglichen. Das überraschende und zugleich praxisrelevante Ergebnis: Unter 326 Patienten, die 90 Tage lang ein detailliertes Tagebuch geführt hatten, ließen sich mittels Einzelfallanalysen bei 87 Prozent der Betroffenen mögliche Migräneauslöser nachweisen. Im Durchschnitt waren es vier mögliche Auslöser pro Studienteilnehmer. „Unerwartet war“, sagte der MedUni-Wien-Experte, „dass das individuelle Profil möglicher Auslöser außerordentlich variabel und in 85 Prozent der Fälle einzigartig war. Jeder der 33 untersuchten Migräneauslöser stand zumindest bei einzelnen Patienten mit Migräneattacken in Zusammenhang.“ In der Gesamtanalyse aller 326 Probanden war dies hingegen nur für acht Faktoren der Fall.

Das bedeutet: Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten fanden sich individuelle Auslöser, die in der Gesamtanalyse aller Patienten nicht identifiziert werden konnten. Wöber erklärt: „Die neue Analyse erlaubt somit erstmals für jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten Informationen über den Zusammenhang zwischen Migräneattacken und einem breiten Spektrum möglicher Migräneauslöser und ist somit ein Schritt in Richtung personalisierter Migränebehandlung.“