Plastische Chirurgie für die Ärmsten

Gesund / 28.07.2016 • 16:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eva Fussenegger arbeitet als Diplomkrankenschwester.
Eva Fussenegger arbeitet als Diplomkrankenschwester.

Auch zwei Vorarlbergerinnen beteiligten sich an einem privaten Hilfseinsatz.

Dornbirn. Innsbruck. Mit tatkräftiger Unterstützung aus Vorarlberg hat Privatdozent Dr. Stefan Riml, plastischer Chirurg in Tirol, einen zweiwöchigen Hilfseinsatz in Tansania geleitet, bei dem Patienten mit Verbrennungen, Lippenspalten und Tumoren behandelt wurden. Mit dabei waren auch Dr. Karin Riedl und die Diplomkrankenschwester Eva Fussenegger vom Stadtspital Dornbirn. Alle haben ehrenamtlich geholfen und dafür ihren Urlaub verwendet.

OP-Saal erstmals genützt

Tansania, ein Staat mit 50 Millionen Einwohnern an der Ostküste Afrikas, zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Vor allem das Gesundheitssystem ist schlecht ausgebaut. Ein Arzt in Tansania versorgt 100.000 Menschen, im Vergleich dazu kommt in Österreich ein Arzt auf 208 Personen. In ländlichen Regionen ist die medizinische Versorgung noch um vieles schlechter als in den Städten. Zudem können sich viele Patienten aufgrund von Korruption und hohen Selbstbehalten eine medizinische Behandlung nicht leisten. In Ifunda, einer abgeschiedenen Ortschaft im Südwesten Tansanias, hat die deutsche Hilfsorganisation Klumpfuss-Feuerkinder vor Jahren eine Krankenstation errichtet, die kürzlich um einen OP-Trakt erweitert wurde. Stefan Riml und sein Team waren die Ersten, die diesen OP für einen Hilfseinsatz nutzen konnten.

Weit über hundert Menschen nahmen zum Teil Tagesmärsche in Kauf, um vom österreichischen Team untersucht und behandelt zu werden. Unter den in langen Schlangen geduldig Wartenden waren besonders viele Kinder mit schweren Verbrennungen, weil die traditionellen tansanischen Lehmhäuser mit offenen Feuerstellen ausgestattet sind. „Die nicht fachgerecht versorgten Verbrennungswunden haben häufig strang­artige Narben zur Folge, die die Beweglichkeit der Kinder einschränken und die Gelenke zunehmend steif werden lassen“, erklärt Stefan Riml.

Häufige Stromausfälle

Neben diesen Verbrennungspatienten wurden auch Kinder mit Lippenspalten, Patienten mit Tumoren und vieles mehr operiert. „Wir konnten vierzig Operationen durchführen, und alle sind ohne Komplikationen verlaufen“, berichtet der Arzt. Gerade Letzteres ist aufgrund der erschwerten Arbeitsbedingungen keine Selbstverständlichkeit. So mussten alle Patienten mangels Beatmungsmaschine händisch beatmet werden, bei einer Operation wurden sechs Stromausfälle gezählt. Das erforderte von allen Improvisation und Einsatzbereitschaft. „Doch das von Herzen kommende Asante, so heißt danke auf Suaheli, hat uns für die vielen Strapazen entschädigt“, sagt Stefan Riml zufrieden.

Da ein großer Teil seiner normalen Tätigkeit als plastisch-ästhetischer Chirurg in Rum bei Innsbruck doch dem Ausdruck einer Luxusgesellschaft entspringt, hat es ihm und seinem Team umso mehr Freude gemacht, Menschen zu helfen, die ansonsten keinerlei Zugang zu fachgerechter Medizin gehabt hätten.

Karin Riedl tauschte für einmal den OP im Krankenhaus Dornbirn gegen einen deutlich weniger gut ausgestatteten. Fotos: riml
Karin Riedl tauschte für einmal den OP im Krankenhaus Dornbirn gegen einen deutlich weniger gut ausgestatteten. Fotos: riml