Rückengesund und mit Elan durch die Schulzeit
Wie Eltern Haltungsschäden bei ihren Kindern vorbeugen können.
München. Am Montag werden in Vorarlberg 4741 Erstklässler eingeschult. Einige Eltern lassen jedoch aus Unwissenheit die Gefahren von zu schweren Schultaschen, falschen Sitzhaltungen und Bewegungsmangel ihrer Sprösslinge außer Acht. Dadurch erhöht sich das Risiko für Haltungsschäden, Muskelverspannungen und krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule. Durchschnittlich fünf bis sechs Kilo schleppt schon ein Grundschüler jeden Tag auf dem Schulweg mit sich. Ältere Kinder tragen noch mehr. Viel zu viel, weiß der Orthopäde und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga, Dr. Reinhard Schneiderhan. „Als Richtwert sollte das Gewicht der Schultasche nicht mehr als fünfzehn Prozent des Körpergewichtes des Kindes betragen“, rät er.
Überflüssiger Ballast
Oft verhindert schon ein sorgfältiger Blick auf den Stundenplan die unnötige Mitnahme von überflüssigem Ballast. Zudem empfiehlt es sich, besonders schwere Bücher, wie Atlanten, permanent in der Schule zu lagern. Auch einseitige Belastungen verursachen Rückenschäden. So verlagert sich das Gewicht der Schulbücher beim Gebrauch von Umhängetaschen auf nur wenige Muskel- und Gelenkpartien, die dadurch unter einer permanenten Überbeanspruchung stehen. Abhilfe schaffen dagegen stabile und leichte Tornister, die in Schulterhöhe abschließen und das Gewicht auf dem Rücken gleichmäßig verteilen.
Vorsicht ist auch bei falscher Sitzhaltung geboten. Kinder verbringen einen Großteil ihrer Schulzeit im Sitzen. Dabei stehen die Bandscheiben unter einer doppelt so hohen Belastung wie im Stehen. Als Grundregel gilt: Je krummer der Rücken, desto größer die Anspannung für Muskeln und Gelenke. Nur durch eine korrekte aufrechte Haltung lässt sich der Druck auf das Rückgrat reduzieren. Eltern sollten ihren Kindern deshalb das richtige Sitzen zu Hause vorführen. Möglichst eine Position mit geradem Kopf und Rücken einnehmen. Ober- und Unterschenkel stehen in einem 90-Grad-Winkel zueinander und die Fußsohlen berühren vollständig den Boden. Becken leicht nach vorne kippen. Mehrmaliges Verändern der Sitzposition, das sogenannte dynamische Sitzen, verlagert Belastungen und ermöglicht eine bessere Nährstoff- und Blutversorgung der Wirbelsäule und Bandscheiben. Zwischenzeitliches Herumlümmeln auf dem Stuhl schadet also dem Rücken nicht.
Zu wenig Bewegung
Neben der Tragelast und falscher Sitzhaltung verursacht auch mangelnde Bewegung die Rückenleiden, erläutert Experte Schneiderhan. „Schon kleine Kinder bewegen sich zu wenig.“ Häufig ersetzt die Beschäftigung mit Computer und Fernseher das Spiel in der freien Natur. Sportvereine leisten als Alternative einen wichtigen Beitrag. Neben der Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen trainieren die Kinder hier mit Spaß und auf natürlichem Wege ihre Rückenmuskulatur, die die Gelenke entlastet. Als sinnvoll erweist sich ebenfalls gemeinsames Herumtollen mit den Eltern. Bei den meisten Kindern reicht es normalerweise aus, ihrem natürlichen Bewegungsdrang einfach freien Lauf zu lassen. Im Fall von Bewegungsmuffeln sollten Eltern gemeinsam mit ihren Kindern deren sportliche Interessen herausfinden und fördern, legt der Wirbelsäulenliga-Präsident nahe.
Tipps für eine rückengesunde Schulzeit
» Vermeidung von einem Schultaschengewicht, das zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes überschreitet – Atlanten besser in der Schule lagern.
» Umhängetaschen sorgen für partielle Überbelastungen, Tornister verteilen das Gewicht hingegen gleichmäßig.
» Nur Tornister verwenden, die keinen Druck auf die Lenden ausüben, auf Schulterhöhe abschließen und mindestens vier Zentimeter breite Gurte besitzen.
» Auf korrekte, aufrechte Sitzposition achten.
» Bewegungsmangel stellt die Hauptursache für Rückenleiden dar. Sport stärkt Muskeln und entlastet Gelenke.
» Bei Rückenschmerzen frühzeitig zum Arzt gehen. Verschleppte Beschwerden können im Laufe der Zeit zu ernsthaften Problemen führen.