Herausforderungen der Telemedizin

Gesund / 27.01.2017 • 09:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Public Health Gesellschaften diskutierten in Schloss Hofen ein wichtiges Thema.

Lochau. Werden medizinische Dienstleistungen von Ärzten oder anderen Gesundheitsdienstanbietern nicht unmittelbar am anwesenden Patienten erbracht, sondern mit Hilfe der Informations- oder Kommunikationstechnologie (Internet, Telefon), spricht man von Telemedizin. Neben technischen Voraussetzungen, die eine sichere Übertragung der Daten, Gespräche oder Befunde garantieren, spielen auch andere Faktoren eine wesentliche Rolle. Bei der diesjährigen Wintertagung der Vorarlberger und Österreichischen Public Health Gesellschaften im Landesbildungszentrum Schloss Hofen in Lochau, die bereits zum 4. Mal stattfand, diskutierten Experten dieses Thema.

Mensch als Mittelpunkt

„Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung müssen auch der demographische Wandel, der zunehmende Ärztemangel und der Trend zum Patienten-Empowerment zu einer steigenden Bedeutung telemedizinischer Dienste führen“, stellte Privatdozentin Christiane Brockes, Leiterin der Telemedizinischen Abteilung des Universitätsspitals Zürich, in ihrem Referat fest. „Telemedizin kann die ärztliche Konsultation nicht ersetzen, aber den Patienten zu einem aktiven und informierten Partner in der Gesundheitsversorgung machen.“ Dieses Argument unterstützte auch Prof. Thomas Dorner, Präsident der Österreichischen Public Health Gesellschaft: „Bei der Telemedizin sollte ebenfalls der Mensch der Mittelpunkt bleiben. Sie kann Gesundheitskompetenz und Gesundheitswissen fördern. Ein niederschwelliger Zugang ist dabei wesentlich.“

Patientenlenkung

Gleichzeitig war sich die Expertenrunde auch über Limits und Herausforderungen dieser Entwicklung einig. Vor allem juristische Aspekte und mögliche Friktionen mit der aktuellen Gesetzeslage, etwa dem Ärztegesetz, sind zu klären. Neben diesen Überlegungen bei telemedizinischen Leistungen spielt überdies die Finanzierung eine zentrale Rolle sowie die Frage, ob diese Dienste dem privaten Sektor überlassen werden sollten. „Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, und es braucht eine ganzheitliche, systemische Sicht. Wir sind überzeugt, dass die Telemedizin bei der Lenkung von Patientenströmen hin zur bestmöglichen Versorgung eine wesentliche Funktion haben wird“, meinte Günter Diem, Präsident der Vorarlberger Public Health Gesellschaft, und verwies auf den geplanten Ausbau der Ärztebereitschaftsnummer 141 in Vorarlberg.

Telemedizin kann bei der Lenkung der Patientenströme helfen.

Günter Diem