Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Ein Euro Solidarität

Gesund / 07.07.2017 • 08:43 Uhr

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sich Menschen lieber mit den schönen Dingen des Daseins beschäftigen. Da haben Krankheit und Tod keinen Platz. Ersteres lässt sich mit Glück, guten Genen und einem halbwegs vernünftigen Lebensstil vielleicht verhindern. Der Abgang ist uns hingegen so sicher wie das Amen im Gebet. Also, was hätten wir davon, wenn wir uns ständig den Kopf darüber zerbrechen würden, welche Unpässlichkeiten uns als Nächstes ereilen. Nichts, außer Verdruss und ein langes Gesicht. Dafür ist das Leben zu kurz, pflegt meine Schwester immer zu dozieren, wenn sich Ungemach zusammenbraut. Stimmt, aber ein bisschen Anteilnahme hin und wieder am Schicksal anderer wäre durchaus angebracht. So ist etwa die Mühsal, mit welcher allein der Selbsthilfeverein für Schlaganfallpatienten versucht, ein paar tausend Euro für einen Alpinale-Beitrag zu lukrieren, mit dem Bewusstseinsbildung betrieben werden soll, einer solidarischen Gesellschaft unwürdig.

Ich weiß schon, dieser Begriff wird momentan bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten heraufbeschworen. Mit allem und jedem sollten wir solidarisch sein. Aber ist es nicht das Wesen von Menschen, einander zu unterstützen? Oder muss jemand ein Elend erst am eigenen Leib erfahren, um zu verstehen, wie es sich anfühlt? Nein, wir können schon vorher aktiv werden. Einfach, indem wir hinsehen und reagieren. Ein Euro von 9600 Menschen würde übrigens schon reichen. Bei 380.000 müsste das doch zu machen sein, meinen Sie nicht auch?

marlies.mohr@vn.at