Beste Prävention bleibt Nichtrauchen

Gesund / 02.02.2018 • 09:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Immer mehr Frauen rauchen, weshalb die Zahl der Lungenkrebserkrankungen beim weiblichen Geschlecht deutlich zunimmt, bei Männern ist sie rückläufig. apa
Immer mehr Frauen rauchen, weshalb die Zahl der Lungenkrebserkrankungen beim weiblichen Geschlecht deutlich zunimmt, bei Männern ist sie rückläufig. apa

Lungenkrebs ist „der Killer“ unter den Krebserkrankungen.

Wien Er führt zu den meisten Todesfällen, mehr als bei Brust- und Darmkrebs zusammengenommen. Das Problem: Da Lungenkrebs lange Zeit keine Symptome verursacht, erfolgt die Diagnose meist erst dann, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten und die Prognose schon sehr schlecht ist. Rund die Hälfte aller Lungenkrebspatienten wird erst im letzten Krankheitsstadium diagnostiziert. In über 80 Prozent aller Fälle ist Rauchen die Ursache. Nichtrauchen ist und bleibt daher die wirksamste Maßnahme im Kampf gegen Lungenkrebs.

Hoffen auf Kombinationstherapie

Die positive Nachricht ist, dass neue Therapieformen wie die Immuntherapie und zielgerichtete Therapien einen Durchbruch in der Behandlung von Lungenkrebs darstellen. Bereits die Hälfte der Lungenkrebspatienten erspart sich dadurch eine belastende Chemotherapie. „Große Hoffnungen setzen die Experten jetzt auf eine Kombination der einzelnen Therapien zu einem hochspezifischen, auf den Einzelpatienten abgestimmten Therapiemix“, erklärt der Lungenkrebsspezialist und Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Primar Bernd Lamprecht, im Hinblick auf den Weltkrebstag am morgigen 4. Februar.

Die Behandlung von Lungenkrebs stand bis vor kurzer Zeit ausschließlich auf drei Säulen: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Doch sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie des Lungenkrebses hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan. Die Entwicklung der Immuntherapie und der zielgerichteten Therapien hat die Behandlung revolutioniert: „Während die Chemotherapie auch gesunde Zellen angreift, was zu den gefürchteten und belastenden Nebenwirkungen führt, greifen die neuen Therapien zielgerichtet den Tumor an“, verdeutlicht Bernd Lamprecht den Unterschied.

Außerdem ist Lungenkrebs nicht gleich Lungenkrebs. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Subtypen. Die neuen Behandlungsoptionen wirken nicht bei allen Krebsarten, doch konnten durch ihren Einsatz bei bestimmten Lungenkrebsformen Behandlungserfolge erzielt werden, die noch vor einigen Jahren unvorstellbar waren. „Ein ganz wesentlicher Faktor in diesem Zusammenhang ist die Kenntnis einer Vielzahl von Biomarkern, also charakteristischen Merkmalen am
Tumor. Mit ihrer Hilfe können sowohl Aussagen über den Krankheitsverlauf wie über die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf ein bestimmtes Medikament getroffen werden. Man kann zunehmend präziser vorhersagen, welches Medikament bei welchem Patienten am erfolgreichsten zum Einsatz kommen kann“, führt Lamprecht aus.

Aufhören ist nie zu spät

In Österreich wird pro Jahr bei rund 4200 Menschen Lungenkrebs diagnostiziert, etwa 3600 sterben jährlich daran. Als Hauptverursacher gilt das Rauchen. Durch die Tatsache, dass immer mehr Frauen rauchen, nimmt der Anteil von Lungenkrebspatientinnen zu, bei den Männern ist hingegen ein leichter Rückgang zu verzeichnen. „Vier von fünf Lungenkrebspatienten sind oder waren Raucher. Daher ist die effektivste Präventionsmaßnahme, mit dem Rauchen nie anzufangen bzw. so schnell wie möglich damit aufzuhören“, heißt der Appell. „Was den Rauchstopp betrifft, gilt: ‚Je früher, desto besser!‘ und ‚Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören!‘, denn in jedem Fall verringert sich dadurch das Krebsrisiko! Dies ist ein Grund, warum wir Lungenfachärzte das von der neuen Regierung beschlossene Kippen des generellen Rauchverbots in der Gastronomie für schlichtweg verantwortungslos halten“, argumentiert der Krebsexperte.

Screenings überlegenswert

Um zu verhindern, dass Lungenkrebs in vielen Fällen erst spät oder gar zu spät diagnostiziert und behandelt werden kann, wird immer wieder die Sinnhaftigkeit von Screenings, also Reihenuntersuchungen von gefährdeten Bevölkerungsgruppen, diskutiert. „Wir wissen aus internationalen Studien, dass die Lungenkarzinom-Sterblichkeit um zwanzig Prozent sinkt, wenn gezielt ein Screening von Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko durchgeführt wird.

Zu dieser Gruppe gehören etwa Raucher, die älter als 55 Jahre sind und täglich eine Packung Zigaretten oder mehr über dreißig Jahre hindurch geraucht haben“, erläutert Bernd Lamprecht. Diese Maßnahme wäre jedoch mit einem enorm hohen finanziellen Aufwand verbunden. Abzuwägen sei deshalb, ob das Geld nicht doch besser in die Raucherprävention fließe, da die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken, nach sieben Jahren Rauchstopp ebenfalls um zwanzig Prozent sinke.