Schicksalhafte Erkrankung

Gesund / 16.02.2018 • 07:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vergesslichkeit muss nicht unbedingt eine Demenzerkrankung bedeuten. Eine medizinische Abklärung macht jedoch Sinn.raths
Vergesslichkeit muss nicht unbedingt eine Demenzerkrankung bedeuten. Eine medizinische Abklärung macht jedoch Sinn.raths

Demenzerkrankungen nehmen zu. MedKonkret widmet sich sensiblem Thema.

Feldkirch Die Aussichten sind alles andere denn gut. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 auf 152 Millionen verdreifachen. In Österreich sind derzeit etwa 100.000 Menschen betroffen. Demenz tritt meist in höherem Alter auf und ist durch fortschreitenden geistigen Abbau gekennzeichnet. Dies hat schwerwiegende Folgen, sowohl für den Kranken wie für die betreuenden Angehörigen, denn Heilung ist bis dato nicht möglich. Auch die Vortragsreihe MedKonkret nimmt sich des sensiblen Themas an. Über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten referiert Primar Reinhard Bacher am Dienstag, 20. Februar 2018, ab 19 Uhr im Panoramasaal des Landeskrankenhauses Feldkirch. Ab 18 Uhr bietet die Firma Neuroth wieder kostenlose Hörtests an.

Genetische Veranlagung

Die Diagnose einer Demenz erfolgt in erster Linie durch ein ausführliches Anamnesegespräch mit dem Patienten sowie Angehörigen, ergänzt durch ein Schädel-MRT oder CT sowie testpsychologischen Untersuchungen. „In unklaren Fällen kann zur Diagnosesicherung ergänzend eine Untersuchung des Nervenwassers durchgeführt werden“, erläutert Reinhard Bacher. Wie weit genetische Faktoren als Ursache für das Auftreten einer Demenzerkrankung eine Rolle spielen, ist für die späte Form der Alzheimerdemenz, die hauptsächlich nach dem sechzigsten Lebensjahr auftritt, noch unklar. Bei der frühen Form, also einem Krankheitsbeginn vor 60, gibt es meist eine familiäre Häufung, so dass eine genetische Veranlagung wahrscheinlich ist.

Noch keine Heilung

Demenzerkrankungen können ursächlich noch nicht geheilt werden. Es gibt allerdings bestimmte Medikamente, sogenannte zentrale Cholinesterasehemmer, die im Frühstadium der Erkrankung den weiteren Verlauf verzögern können, sodass Betroffene noch einige Zeit an Lebensqualität gewinnen. Im Vordergrund steht in erster Linie eine symptomatische Behandlung. „Probleme wie depressive Verstimmbarkeit, Unruhe oder Schlafstörungen können durch geeignete Psychopharmaka beeinflusst werden“, erklärt Bacher, Leiter der Gerontopsychiatrie im Landeskrankenhaus Rankweil. Auch nicht medikamentöse Interventionen wie regelmäßiges Gedächtnistraining oder validierender Umgang sind sinnvoll. Wichtig sind außerdem die Aufklärung des Patienten und seiner Angehörigen über das Krankheitsbild und den weiteren Verlauf.

Gesunder Lebensstil

In fortgeschrittenem Krankheitsstadium spielen zunehmend juristische und auch medizinisch-ethische Fragestellungen, wie jene lebensverlängernder Maßnahmen, eine Rolle. „Letztlich ist die Demenz eine schicksalhafte Erkrankung als Folge der hohen Lebenserwartung“, resümiert Bacher. Allerdings kann der mögliche Beginn durch einen gesunden Lebensstil mit mediterraner Kost, ausreichender regelmäßiger Bewegung, wenig Alkohol, Nikotinverzicht, geistiger und sozialer Aktivitäten oder dem Bemühen um psychische Stabilität nachweislich hinausgezögert, manchmal auch, insbesondere was die arteriosklerotische Demenz betrifft, verhindert werden. VN-MM

MedKonkret

Alterspsychiatrie – demenzielle Erkrankungen

Referent Primar Reinhard Bacher, LKH Rankweil

Termin Dienstag, 20. Februar 2018, Panoramasaal LKH Feldkirch

Beginn 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr

Eintritt frei, ebenso das Parken in der LKH-Parkgarage