Primar Gabriel Djedovic über aufbauende Hilfe nach Brustkrebs

Gesund / 20.04.2019 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Brustrekonstruktionen sind im Landeskrankenhaus Feldkirch Routine. KHBG/Mathis

Bei Rekonstruktionen der Brust ist die Kunst der plastischen Chirurgen gefragt.

Feldkirch Das Mammakarzinom ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Vorarlberg gibt es jährlich etwa 230 Neuerkrankungen. Dank Früherkennung und schonenderer Therapien sind die Überlebenschancen deutlich besser geworden. Geändert haben sich auch die medizinischen Vorgaben. Galt früher eine Amputation der betroffenen Brust als sicherste Möglichkeit, den Krebs zu beseitigen, liegt der Fokus heute auf einer brusterhaltenden Behandlung. Dennoch lässt sich die chirurgische Entfernung von Brustgewebe nicht immer verhindern. Primar Gabriel Djedovic, Leiter der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie im Landeskrankenhaus Feldkirch, führt mit seinem Team routinemäßig solche Eingriffe durch. Am häufigsten werden dafür Silikon-Implantate verwendet, wobei den Patientinnen auch der Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe empfohlen wird. „Es geht immer darum, den Patientinnen alle Optionen aufzuzeigen“, betont Djedovic.

Interdisziplinäre Angelegenheit

Ein Brustwiederaufbau ist, wie inzwischen so vieles in der Medizin, eine interdisziplinäre Angelegenheit. Die Gynäkologen operieren den Tumor, die plastischen Chirurgen übernehmen mit ihnen zusammen den Wiederaufbau, nicht ohne jedoch die Behandlung entsprechend abzustimmen. Psychoonkologische Betreuung wird den Patientinnen stets angeboten. „Wir arbeiten eng mit dem Brustzentrum zusammen, von dort werden uns die Patientinnen auch zugewiesen“, erklärt Gabriel Djedovic.  Steht fest, welche Art von Rekonstruktion durchgeführt wird, ist die Kunst der plastischen Chirurgen gefragt.

Silikon als Standard

Ein Brustaufbau mit Fremdgewebe, sprich Silikon, zählt häufig zum Standard. „Diese Implantate sind sehr sicher“, sagt Djedovic. Ihre Haltbarkeit liegt bei etwa zehn Jahren, dann muss häufig ein Austausch erfolgen. Für jüngere Patientinnen kann das bis zu drei oder vier Prothesenwechsel bedeuten. Dabei wird das Implantat vollständig entfernt und ein neues eingesetzt. Der relativ häufige Wechsel an sich ist laut Djedovic aber nicht das große Problem. Vielmehr kann das Implantat zu einer sogenannten Kapselfibrose führen. Dabei handelt es sich um eine Reaktion auf den Fremdkörper in der Brust. Es kann sich eine schmerzhafte Verhärtung bilden, die außerdem zu einer Verformung der Brust führt. In einem solchen Fall braucht es ebenfalls ein neues Implantat und zusätzlich muss die umgebende Kapsel so gut wie möglich entfernt werden, was häufig zu einem weiteren Ausdünnen des an und für sich schon dünnen Hautmantels und damit möglichen Durchblutungsproblemen führt. Dass der Wiederaufbau mit Prothesen trotzdem so gefragt ist, begründet der Arzt mit dem Wunsch vieler Frauen nach einem schnellen Eingriff und weil die Möglichkeit des Eigengewebsaufbaues immer noch zu wenig als weitere Option angesehen wird. Nur gut eine Stunde dauert es, bis das Silikon implantiert ist.

Aufbau mit Eigengewebe

Deutlich länger stehen die Operateure bei einem Aufbau mit Eigengewebe am OP-Tisch. Gabriel Djedovic spricht von sechs bis acht Stunden. Trotzdem wird diese Option medizinisch forciert. „Das Gewebe wächst mit, es ist viel resistenter gegen Infekte, und im Normalfall braucht es nur einen Eingriff“, erklärt der Facharzt. Das erforderliche Gewebe wird vorrangig aus dem Unterbauch entnommen. Im Bedarfsfall sind auch am Gesäß, sowie an den Innen- und Rückseiten der Oberschenkel und am Rücken Gewebeentnahmen möglich. Da sich die neue Brust erst setzen muss, kann es zu einer Asymmetrie kommen. Für die Ärzte heißt das, die andere Brust anzugleichen, was aber auch beim Aufbau mit Silikonkissen häufig notwendig ist. Das geschieht in der Regel nach sechs Monaten. Auch bei einem brusterhaltenden Eingriff können Deformitäten auftreten. Sie werden mit Eigenfett unterspritzt und auf diese Weise „ausgebügelt“. Die Kosten für einen Brustwiederaufbau tragen die Sozialversicherungen. Das gilt ebenso für die Rekonstruktion von Brustwarzen und für Brustwarzentatoos.

Transgendermedizin schon gefragt

Mit der Verpflichtung von Gabriel Djedovic hat im Landeskrankenhaus Feldkirch eine neue Disziplin Einzug gehalten, nämlich die Transgendermedizin. Die Nachfrage nach solchen Eingriffen ist schon jetzt groß. Fünf Patienten sind bereits vorstellig geworden, einen Patienten hat Djedovic erst kürzlich erfolgreich von einem Mann zur Frau gemacht. Den Arzt verwundert das Interesse nicht. „In Österreich gibt es eine eklatante Unterversorgung von Transgenderpatienten“, weiß er. Gabriel Djedovic war bereits während seiner Zeit in Innsbruck in diesem Bereich tätig, hat dort ein Transgender-Board mitaufgebaut, das als Anlaufstelle für transidente Eingriffe dient. „Hier erhalten Patienten von der Abklärung über die vorgeschriebene Therapie bis zur Operation eine durchgehende Betreuung“, erklärt Djedovic. Die Kooperation mit dieser Stelle führt er weiter.

Laut einer aktuellen Studie hat die Zahl von Menschen, die eine Geschlechtsumwandlung möchten, um das 20-fache zugenommen. Gabriel Djedovic führt das vor allem auf die Enttabuisierung des Themas durch prominente Persönlichkeiten wie Bruce Jenner, aus dem Caitlyn wurde, oder Balian Buschbaum, der früher Yvonne hieß, zurück.

Hoher Leidensdruck

Am häufigsten sind Mann-zu-Frau-Eingriffe. Sie kommen viermal öfter vor als Frau-zu-Mann-Umwandlungen. Allen Patienten gleich ist der hohe Leidensdruck, der sich oft über viele Jahre aufgebaut hat, und der sie schließlich veranlasst, sich dem umfangreichen Prozedere zu stellen. Mit der Operation allein ist es nämlich nicht getan. Davor stehen psychologische und psychiatrische Abklärungen, Hormontherapien und wieder Gutachten. Zudem muss der Patient volljährig sein. Alles in allem vergehen in den meisten Fällen mindestens zwei Jahre, bis der Eingriff erfolgen kann. „Die Patienten müssen sich wirklich sicher sein“, begründet Djedovic.

Bei einer Mann-zu-Frau-Operation bezahlen die Sozialversicherungsträger die genitale Angleichung sowie den Brustaufbau, wenn es trotz Hormongaben zu keinem Brustwachstum gekommen ist. Bei einem Frau-zu-Mann-Eingriff werden die genitale Angleichung und die Brustentfernung übernommen. Ästhetische Korrekturen wie etwa der Haaransatzversatz im Gesicht müssen aus eigener Tasche beglichen werden.