Diät und Training bringen nichts

02.08.2019 • 08:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diabetes während der Schwangerschaft erhöht nicht nur das Risiko für die Mutter, später an Diabetes zu erkranken, sondern auch für das Kind.fotolia
Diabetes während der Schwangerschaft erhöht nicht nur das Risiko für die Mutter, später an Diabetes zu erkranken, sondern auch für das Kind.fotolia

Schwangerschaftsdiabetes lässt sich damit kaum vermeiden.

Wien Die Annahme, dass eine geringere Gewichtszunahme bei adipösen Schwangeren vorteilhaft für die Vermeidung eines Schwangerschaftsdiabetes wäre, hat sich nicht bestätigt. Das konnte eine Studie der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Wien zeigen. Möglicherweise ist es sogar ungünstig für die Mutter und das ungeborene Kind, während der Schwangerschaft weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Diese Daten wurden gerade im Top Journal Diabetes Care publiziert.

Risikofaktor Übergewicht

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist eine Form der Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft sichtbar wird und unmittelbar nach der Geburt meist wieder – zumindest vorübergehend – verschwindet. In Österreich nimmt man so wie in ganz Europa an, dass davon jede siebte Schwangere betroffen ist. Genaue Daten gibt es dazu nicht, weil die landesweit erhobenen Mutter-Kind-Pass-Daten immer noch nicht zentral ausgewertet werden. Schätzungen zufolge sind davon etwa ein Drittel der Frauen auch adipös. Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist das Übergewicht der werdenden Mutter. In der Gravidität gilt bei stark Übergewichtigen die Empfehlung von fünf bis neun Kilogramm Gewichtszunahme, viele überschreiten dennoch diese Empfehlungen deutlich. Um Möglichkeiten und Indikatoren für die Vermeidung von Schwangerschaftsdiabetes bei adipösen Frauen zu untersuchen, wurden im Rahmen des EU-Projektes DALI (Vitamin D And Lifestyle Intervention for Gestational Diabetes) unter wesentlicher Mitwirkung der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel unter der Leitung der Endokrinologin Alexandra-Kautzky-Willer, Lebensmittelinterventionsmaßnahmen bei 436 Frauen ausgewertet.

Ernährungsumstellung

Dabei wurde eine Gruppe von schwangeren adipösen Frauen im Rahmen eines Coachings angeleitet, die Ernährung umzustellen und fünf Maßnahmen zu beachten: Reduktion von Softdrinks, Reduktion schnell resorbierbarer Kohlenhydrate und Fett sowie die Erhöhung von Eiweiß und Ballaststoffen. Die Vergleichsgruppe unternahm keine Veränderungen ihrer Ernährungsgewohnheiten. Eine zweite Gruppe von Frauen übte regelmäßig Bewegung aus und wurde entsprechend beraten. Die Vergleichsgruppe unternahm keine körperlichen Aktivitäten. Tatsächlich erfolgte eine geringere Gewichtszunahme bei jenen Frauen, welche die Ernährungsmaßnahmen befolgten. Allerdings waren auch höhere Blutzuckerwerte und erhöhte Mengen von Substanzen im Blut nachweisbar, die beim vermehrten Fettabbau entstehen, wie etwa Fettsäure oder Ketonkörper. Dies stand auch in Zusammenhang mit einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr.

Überdies wurden im Blut der neugeborenen Kinder erhöhte freie Fettsäuren festgestellt. In den Vergleichsgruppen waren keine Veränderungen dieser Stoffwechselmarker bemerkbar. Allerdings konnte laut Studie vermehrte körperliche Bewegung den Schwangerschaftsdiabetes ebenso wenig verhindern wie die zusätzliche Gabe von Vitamin D.

Weitere Studien nötig

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ernährungsinterventionen jedenfalls den mütterlichen und kindlichen Stoffwechsel signifikant beeinflussen. Der Vorteil einer geringeren Gewichtszunahme unter Kohlenhydrateinschränkung bei adipösen Schwangeren führt aber gleichzeitig zu erhöhtem Fettabbau und damit verbunden der Freisetzung von freien Fettsäuren im Blut von Mutter und Kind. Die Folgen davon sind noch unklar und werden weiter erforscht. Kautzky-Willer: „Schwangerschaftsdiabetes ist der Hauptrisikofaktor für Typ 2 Diabetes bei Frauen nach der Geburt und erhöht auch über fetale Programmierung das Risiko der Kinder. Die Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen sowohl in als auch nach der Schwangerschaft ist ein wichtiges Ziel, um der Diabetesepidemie entgegenzuwirken. Low Carb ist möglicherweise gerade bei Schwangeren nicht optimal.“ Der Endokrinologe und Mitautor der Studie Jürgen Harreiter ergänzt: „Die Evidenz für eine optimale Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist besonders bei übergewichtigen Frauen weiter unklar und bedarf weiterer Studien.“

„Schwangerschaftsdiabetes ist der Hauptrisikofaktor für Typ 2 Diabetes bei Frauen.“