Von Heilern und Schamanen

Gesund / 04.10.2019 • 10:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Bruckner kam auf seiner Reise mit vielen Menschen zusammen, unter anderem auch mit diesem Voodoo-König. bruckner
Thomas Bruckner kam auf seiner Reise mit vielen Menschen zusammen, unter anderem auch mit diesem Voodoo-König. bruckner

Einfache Regeln für eine Unterscheidung gibt es laut Thomas Bruckner nicht.

Feldkirch Als Geschenk des Himmels würde Thomas Bruckner die Tumordiagnose nicht bezeichnen. Die Entscheidung, deswegen alternative Heiler aufzusuchen, hat sich aus seiner Sicht jedoch als goldrichtig erwiesen. Seine Erfahrungen verarbeitete der ehemalige Snowboardprofi und nunmehrige Journalist in seinem Buch „Wundersuche“. Am Freitag, 11. Oktober 2019, findet in der AK-Bibliothek in Feldkirch eine Lesung mit Thomas Bruckner statt.

 

Wie geht es Ihnen heute?

Bruckner Gut, der Schock ist überwunden, ich habe keine Schmerzen, und auch sonst zeigen sich keinerlei Auswirkungen des Tumors. Viele meiner Beschwerden waren sicherlich auch psychosomatischer Natur. Zu wissen, einen Tumor im Kopf zu haben, das schwächt einen zuerst einmal gewaltig.

 

Was ist Ihrer Meinung nach hauptverantwortlich für Ihr gutes Befinden: Schulmedizin, Alternativmedizin oder beides zusammen?

Bruckner Verantwortlich für mein Befinden sind mit Sicherheit viele Faktoren. Meine innere Einstellung, manche Begegnungen mit außergewöhnlichen Heilern und natürlich auch die Schulmedizin. Einmal im Jahr lasse ich ein MR von meinem Kopf machen und bespreche die Entwicklung mit Ärzten, deren Einschätzung ist mir wichtig.

 

War es nach der Diagnose für Sie selbstverständlich, nach Alternativen zu suchen?

Bruckner Das kam erst, als ich wusste, dass der Tumor mit größter Wahrscheinlichkeit gutartig ist. Wäre es ein bösartiger Tumor und die Ärzte hätten mit Nachdruck auf eine Operation gedrängt, hätte ich mich operieren lassen.

 

Wie haben Ihre behandelnden Ärzte auf Ihre Pläne reagiert?

Bruckner Zwar waren die Ärzte auch in meinem Fall für eine Operation, völlig von der Rolle erschienen sie mir aber nicht, als ich sagte, dass ich noch ein halbes Jahr mit dem Eingriff warten möchte.

 

Wie können Laien zwischen Scharlatanen und, so es die gibt, wirklichen Heilern unterscheiden?

Bruckner Die Unterscheidung zwischen Scharlatanen und echten Heilern (die gibt es, auch wenn der Verstand das nicht ganz fassen kann) ist schwierig. Einfache Regeln gibt es aber nicht. Das macht es schwierig. Nach meiner langjährigen Beschäftigung damit glaube ich, ein Gefühl dafür bekommen zu haben. Neulinge müssen wahrscheinlich Lehrgeld bezahlen.

 

Was hat Sie bewogen, das Buch zu schreiben, und was möchten Sie damit erreichen?

Bruckner Das Buch war eine Möglichkeit, diesen Tumor mit etwas Positivem zu besetzen. Damit möchte ich sagen: Heilern sollte man am ehesten mit offenem Herzen, jedoch nicht mit blindem Vertrauen gegenübertreten. Das gilt aber eigentlich für jede Begegnung.

 

Gibt es für Sie persönlich dieses Unerklärliche?

Bruckner Ja, für mich gibt es dieses Unerklärliche. Ich habe bei manchen meiner Begegnungen definitiv Dinge erlebt, die rational nicht erklärbar sind. Recht viel mehr, als dies zu akzeptieren, bleibt einem nicht über. Erklären kann man es kaum, aber es gibt mir Kraft. Über Hardcore-Rationalisten muss ich manchmal schmunzeln, die machen es sich schon sehr leicht, genauso allerdings wie die Hardcore-Esoteriker, die alles glauben wollen.

 

Wie hat eigentlich Ihr soziales Umfeld auf diesen doch eher außergewöhnlichen Schritt reagiert?

Bruckner Mein soziales Umfeld hat, was mich jedoch nicht erstaunte, durchaus verständnisvoll reagiert. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich kein Hasardeur bin und zumeist in meinem Leben überlegt vorgehe. Die, die mich kaum kennen, schätzen und schätzten die Heilersuche allerdings eher als Aktion eines Draufgängers ein, womit sie jedoch falsch liegen.

 

Würden Sie dieses Unternehmen wieder wagen?

Bruckner Ja, ich würde es wieder machen. Die Vielzahl von Erfahrungen und Begegnungen mit zum Teil sehr außergewöhnlichen Charakteren haben auch die Grenzen meines Denkens verschoben. Ich habe nämlich sehr viel für mich persönlich erkannt durch diesen wohlüberlegten und sehr eigenen Weg im Umgang mit meinem Gehirntumor. VN-MM

„Das Buch war eine Möglichkeit, den Tumor mit etwas Positivem zu besetzen.“

termin

» Lesung mit Thomas Bruckner

Freitag, 11. Oktober 2019,
» Beginn 19.30 Uhr

» Arbeiterkammer-Bibliothek, Feldkirch, Eintritt frei

 

Wundersuche – Von Heilern, Geblendeten und Schamanen, Pictus Verlag Wien, 22 Euro