Eiszeit für Gelenke, Sehnen und Co.

Gesund / 22.11.2019 • 10:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bei der Landung nach solchen Sprüngen sind wohl nicht nur die Gelenke gefordert.Hofbauer
Bei der Landung nach solchen Sprüngen sind wohl nicht nur die Gelenke gefordert.Hofbauer

So gesund sind die angesagten Wintertrendsportarten.

Wien Neben den klassischen Wintersportarten wie Skifahren, Rodeln oder Eislaufen treiben jedes Jahr neue Trendsportarten probierfreudige Wintersportler in die Skigebiete. Was viele nicht beachten: Nicht jede Sportart ist für jeden geeignet, vor allem, wenn kaltes Wetter, Schnee und Eis auf sogenannte High-Impact-Sportarten treffen. Warum das so ist, erklärt der Wiener Unfallchirurg Marcus Hofbauer.

Es sind außergewöhnliche Namen wie Air Boarding und Snow Biking, die ausprobiert werden wollen. Allerdings führen außergewöhnliche Sportarten auch zu außergewöhnlichen Verletzungen. „Gerade bei angesagten Wintersportarten fehlt Sportlern meist die nötige Erfahrung sowie Ausrüstung. Damit geht ein hohes Verletzungsrisiko einher, und das ist vielen nicht bewusst“, sagt Hofbauer. Der Wiener Arzt analysiert die beliebtesten Trendsportarten und nimmt sie insbesondere auf ihre Gelenkstauglichkeit unter die Lupe.

 

Freestyle Skiing. Was für Skater der Skater-Park ist, ist für Skifahrer der Freestyle-Park. Der Trendsport entwickelt sich Jahr für Jahr weiter, die Sprünge und Tricks werden immer riskanter, und die Folgen sind harte, unausgeglichene Landungen. Der Knackpunkt dabei sind die Knie. Hofbauer dazu: „Das Kniegelenk ist besonders empfindlich bei falschen Drehbewegungen, wie sie bei einigen Tricks auftreten. Gezieltes Krafttraining kann hier das Gelenk zwar stützen und dem entgegenwirken, doch gerade das Springen erhöht die Verletzungsgefahr erheblich, was zu Spätfolgen wie frühzeitigem Gelenkverschleiß führen kann.“

 

Snow Biking. Biken im Puderschnee: Echte Bike-Fans möchten den Fahrtwind im Sitzen auch in den kalten Wintermonaten nicht missen – kein Problem mit einem Snowbike. So funktioniert der Trend: Man schwingt sich wie bei einem Fahrrad in den Sattel, wobei dieses anstelle von Rädern über zwei Skier verfügt. Gefahren wird der schnittige Untersatz im Sitzen, mit Mini-Ski an den Füßen, die zum Ausbalancieren des Eigengewichts dienen. Neben der Tatsache, dass der Sport auch für Nichtskifahrer geeignet ist, erklärt Marcus Hofbauer: „Der niedrige Schwerpunkt des Snow Bikes schont die Knie, Wirbelsäule und Gelenke des Fahrers und ist damit eine tolle Alternative für all jene, die ihre Gelenke nicht bei gängigen Wintersportarten wie Skifahren oder Snowboarden stark beanspruchen möchten. Um durch den Schnee zu sausen, sind lediglich ein wenig Mut und Gleichgewichtsgefühl erforderlich.“

 

Air Boarding. All jene, die es sich noch gemütlicher machen wollen können es liegend auf einem Air-Board probieren. Ein Air Board ist ein mit Luft gefülltes Kissen. Auf diesem lässt man sich, bäuchlings an zwei Griffen festhaltend, den Hang hinuntergleiten. Obwohl diese Art der Fortbewegung auf den ersten Augenblick sicher erscheinen mag, ist auch hier die Verletzungsgefahr nicht ohne. Laut dem Wiener Unfallchirurgen ist besonders der Kopf eine Schwachstelle: „Das bequeme Liegen auf einem Air Board vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Das führt oftmals zu risikoreichen Manövern oder Sprüngen mit schweren Folgen.“ Er warnt außerdem: „Vor allem das Verletzungsrisiko im Nacken- und Rückenbereich ist hoch, wenn man bedenkt, dass man mit dem Kopf voran schnell einmal absurde Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreicht.“

Eisklettern. Im Winter finden sich Gipfelstürmer vermehrt mit Eispickeln und Steigeisen in gefrorenen Wasserfällen oder mit Eis überzogenen Felswänden. Wer sich jedoch als Anfänger an die eiskalten Mauern wagt, sollte neben Fitness und Schwindelfreiheit unbedingt alpine Vorkenntnisse mitbringen. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren gilt der Grundsatz: Wer klettern möchte, braucht gesunde, kräftige Handgelenke für ausreichend Stabilität, vor allem, wenn diese einen Eispickel führen müssen. Hofbauer: „Beim Klettern mit einem Eispickel ist das Handgelenk meist etwas abgeknickt, wodurch die Blutversorgung erschwert wird. dies begünstigt Überlastungsschäden in den Gelenken und Sehnen.“ Dem fügt der Arzt einen nützlichen Tipp hinzu: „Wenn die Hand beim Klettern einmal nicht im Einsatz ist, sollte das Handgelenk vor dem Weiterziehen zum nächsten Griff geschüttelt werden. Das regt die Durchblutung an.“

 

Rodeln. Schlittenfahrten erleben derzeit ein echtes Revival. Dass der Spaß jedoch auch ein hohes Unfallrisiko birgt, zeigen Statistiken, laut denen sich allein in Österreich jährlich rund 2000 Personen verletzen. „Die häufigsten Verletzungen entstehen bei Kollisionen mit Bäumen, Pistenbegrenzungen oder anderen Rodlern“, weiß Hofbauer. Aber auch die sogenannte Weber-B Fraktur, ein Knöchelbruch im Fußgelenk, ist eine häufige Schlittenverletzung, die meist bei falschem Bremsen entsteht. Ein Rat des Unfallchirurgen: „Hohes Schuhwerk hilft, die Fußgelenke beim Bremsen zu stabilisieren und zu entlasten.“ Auch die richtige Bremstechnik kann das Verletzungsrisiko erheblich minimieren. Richtig gebremst wird übrigens, indem die gesamten Fußsohlen in den Schnee gedrückt und dabei dicht an die Kufen gestellt werden.

„Bei angesagten Winter­sportarten fehlt meist die nötige Erfahrung sowie Ausrüstung.“