Unbekanntes Virus entdeckt

Gesund / 22.11.2019 • 10:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wissenschaftler der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems erfolgreich.

Krems Eine bisher unbekannte Virus-Art wurde jetzt in Proben menschlicher Körperflüssigkeiten identifiziert. Gelungen ist dies einem internationalen Team in Österreich, das speziell nach Bakterien-infizierenden Viren (Bakteriophagen) suchte. Der Fokus lag dabei auf jenen Viren, die das menschliche Darmbakterium Escherichia coli angreifen. Insgesamt konnte das Team 43 verschiedene dieser Bakteriophagen in Proben menschlicher Körperflüssigkeiten identifizieren, besonders häufig in Blutproben. Die Entdeckung solcher Phagen im menschlichen Körper ist besonders bedeutsam, da diese Antibiotika-Resistenzgene auf Bakterien übertragen können. So werden Informationen über das Vorkommen, die Häufigkeit und die Verwandtschaften von Phagen im Menschen dringend benötigt.

Humanes Ökosystem

Es tummelt sich vieles im menschlichen Körper. Pilze, Bakterien und Viren gedeihen dort in unermesslicher Zahl. Eine große Unbekannte dieses humanen Ökosystems stellen dabei die sogenannten Bakteriophagen dar – Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren. Seit Forschungsarbeiten in Österreich deren Bedeutung für die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzgenen bei Bakterien aufzeigten, ist das Interesse an ihnen stark gewachsen. Nun konnte ein Team der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems), der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität Lissabon im Rahmen eines von der Niederösterreichischen Forschungs- und Bildungsgesellschaft geförderten Projekts 43 Bakteriophagen-Arten aus Körperflüssigkeiten isolieren, darunter auch eine bisher wahrscheinlich unbekannte Art.

Dunkle Materie

„Wir haben 111 Proben von Blut, Urin und anderen Körperflüssigkeiten des Menschen auf Phagen untersucht. In fast jeder siebten wurden wir fündig“, erläutert Catia Pacifico, Forscherin an der KL Krems und Erstautorin der Studie. „Dabei konnten wir auch eine neue Phagen-Art aus der Unterfamilie der Tunavirinae entdecken. Das Vorhandensein von Phagen in so vielen Proben und die Entdeckung einer neuen Art zeigen, wie wenig wir über Phagen im menschlichen Körper wissen.“ Tatsächlich sprechen Experten bereits von der „viralen Dunklen Materie“ im menschlichen Körper, denn erst wenige Forschungsgruppen haben sich weltweit mit Phagen im Menschen auseinandergesetzt. Das überrascht umso mehr, als ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Bakterien im Körper für unsere Gesundheit wichtig ist. Phagen wiederum greifen Bakterien gezielt und spezifisch an und könnten dieses Gleichgewicht im Organismus empfindlich stören.

Gezielte Suche

Das Team um Univ.Prof. Friederike Hilbert von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat speziell nach Bakteriophagen gesucht, die das bekannte Darmbakterium Escherichia coli infizieren. Dieses spielt bei einer ganzen Reihe an Erkrankungen eine wesentliche Rolle und gilt als häufigste Ursache für Krankenhaus-Infektionen. Die Untersuchung der Proben förderte eine weitere Überraschung zu Tage: In fast zwei Drittel aller Proben, die Phagen gegen E. coli enthielten, kamen keine Bakterien dieser Art vor. „Das legt nahe, dass Phagen auch in Abwesenheit ihrer Wirtsbakterien transportiert werden können.“ Vor diesem Hintergrund untersuchte das Team die Wirkung krankenhausüblicher Desinfektionsmittel auf die isolierten Phagen. Es zeigte sich, dass nicht alle Desinfektionsmittel in der Lage sind, Phagen zuverlässig zu zerstören.