Lebensqualität sichern

Gesund / 20.11.2020 • 10:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Primar Claudius Falch und Oberarzt Stefan Ebner informierten sehr ausführlich über die Möglichkeiten der Behandlung von Morbus Crohn und Culitis ulcerosa. vn
Primar Claudius Falch und Oberarzt Stefan Ebner informierten sehr ausführlich über die Möglichkeiten der Behandlung von Morbus Crohn und Culitis ulcerosa. vn

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen braucht es die fachliche Zusammenarbeit.

Bregenz „Muss ich mich an eine spezialisierte Klinik wenden, wenn der Dickdarm vollständig entfernt werden muss?“, wollte ein Zuseher wissen. Die Frage konnte Primar Claudius Falch, Leiter der Chirurgie im Landeskrankenhaus Bregenz, klar mit einem Nein beantworten, denn: „Wir sind das Zentrum für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in Vorarlberg.“ Gemeinsam mit Oberarzt Stefan Ebner erläuterte Falch die chirurgischen Möglichkeiten, die sich bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bieten. Die Spezialisten betonten aber auch, dass vorrangig konservative Therapien zum Einsatz kommen und operative Eingriffe mit Bedacht angewendet werden.

Genetische Disposition

Sie räumten allerdings ein, dass im Langzeitverlauf dennoch zahlreiche Patienten eine Operation benötigen. Beim Morbus Crohn etwa sind es nach fünf Jahren über 30 Prozent, bei der Colitis ulcerosa nach 10 Jahren fast 16 Prozent. Die positive Botschaft: Aufgrund verbesserter Therapien werden diese Eingriffe weniger. Ebenso betonten Falch und Ebner die Wichtigkeit einer guten interdisziplinären Zusammenarbeit zum Wohle der Betroffenen. „Es braucht Expertenteams mit Erfahrung und eine gemeinsame Therapieentscheidung.“ Im LKH Bregenz, wo Claudius Falch seit einem halben Jahr die Chirurgie leitet, soll die fachliche Kooperation weiter ausgebaut werden. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Sie kommen vor allem in den Industrieländern vor und treffen sowohl Kinder als auch Jugendliche und Erwachsene.

CED bedingen eine dauerhafte Medikamententherapie sowie regemäßige Darmspiegelungen. „Deshalb ist eine gute Betreuung der Patienten wichtig“, erklärte Primar Falch. Ziel sei die Verbesserung der Lebensqualität. Noch nicht vollständig geklärt ist die Entstehung dieser Krankheiten, wobei von einer Störung des Abwehrsystems im Darm ausgegangen wird und Bakterien, die in die Darmwand eindringen, Entzündungen verursachen. „Zudem gibt es eine genetische Disposition“, erläuterte Ebner.

Erhöhte Krebsgefahr

Die Erkrankungen verlaufen in Wellen. Schüben mit hohen Entzündungsaktivitäten und Symptomen wie Bauchschmerzen und Durchfall werden abgelöst von unterschiedlich langen Ruhephasen. Während der Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, ist es bei der Colitis ulcerosa ausschließlich der Dickdarm. Da es keine Heilung gibt, sondern nur eine Symptomkontrolle, liegt der Fokus darauf, eine möglichst lange Beschwerdefreiheit zu erzielen und zu erhalten sowie Folgeschäden bzw. Komplikationen zu vermeiden oder frühzeitig zu entdecken. „Diese Patienten benötigen regelmäßige Kontrollen“, sagte Ebner.

Ein großes Problem von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist, dass mit Fortdauer auch die Krebsgefahr steigt und Krebsvorstufen entstehen. Sie sind ein Grund, zum Skalpell zu greifen. Ein Darmdurchbruch mit massiven Blutungen bedeutet einen Notfall. Bei Colitis ulcerosa ist mitunter die Entfernung des gesamten Dickdarms erforderlich. Da es sich dabei um einen sehr großen Eingriff handelt, wird er in drei Schritten durchgeführt. Beim Morbus Crohn können Fisteln und Engstellen auftreten, die ebenfalls einer Operation bedürfen. „Operationen bei CED sind angezeigt, wenn die medikamentöse Therapie nichts mehr bringt oder es sich um Notfälle handelt“, fasste Primar Claudius Falch zusammen. Über jeden Eingriff müsse jedoch individuell entschieden werden. Zur Erklärung der gängigen Operations-Verfahren ließen die Mediziner vor allem sehr eindrückliche Bilder sprechen.

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