„ Das Interesse am Pflegeberuf wäre da“

Gesund / 22.07.2022 • 10:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Personalproblem in der Pflege schwelt schon lange. Maßnahmen zur Verbesserung der Situation sind nötig.vol.at/mayer
Das Personalproblem in der Pflege schwelt schon lange. Maßnahmen zur Verbesserung der Situation sind nötig.vol.at/mayer

Das Ende der Diplomausbildung an Krankenpflegeschulen sorgt für Kritik.

SCHRUNS Jakob Netzer hat sich als Obmann des Krankenpflegevereins Außermontafon und Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Hauskrankenpflege in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema Pflege und Ausbildung auseinandergesetzt. Für die Situation rund um den aktuellen Personalmangel findet er klare Worte.

 

Worin sehen Sie die Ursache für den Personalmangel?

NETZER Die liegt meines Erachtens bei den zuständigen politischen Stellen ein erschreckendes Unvermögen in der Personalentwicklung vor. In den Pflegeheimen sind derzeit 143 Betten wegen Personalmangel nicht belegt. Das bedeutet, Menschen, die aufgrund ihres Krankheitsbildes ein solches Bett benötigen würden, müssen anderweitig gepflegt werden. Schlussendlich bleibt die ­Belastung bei 24-Stunden-Helferinnen und den pflegenden Angehörigen.

 

Wie kam es Ihrer Ansicht nach zu diesem Fachkräftemangel?

NETZER Ich gehe hier nur auf das diplomierte Pflegepersonal ein. In Vorarlberg werden bei den drei wirklich guten Krankenpflegeschulen jährlich nur ca. 100 Personen für die Diplomausbildung aufgenommen, obwohl es einen erhöhten Bedarf gibt. Aus mir unverständlichen Gründen werden keine weiteren Klassen aufgemacht. Im vergangenen Sommer noch tätigte Landesrätin Martina Rüscher folgende Aussage: „Ich bin stolz, dass wir die besten, ich betone die besten 100 Bewerber von 200 Bewerbern in die Krankenpflegeschulen aufnehmen konnten.“ Die weiteren 100 Bewerber wurden einfach fallengelassen.

 

Wie beurteilen Sie die Situation insgesamt?

NETZER Kein privates Unternehmen könnte es sich bei einer so angespannten Personalsituation leisten, dermaßen hohe Personalressourcen brachliegen zu lassen. Wir, die im Pflegebereich arbeiten, wissen, wie viele junge Menschen, aber auch potenzielle Umsteiger sich für den Pflegeberuf interessieren. Aber was nützt es, wenn die Ausbildung verweigert wird. In den Krankenpflegeschulen läuft zudem 2026 die Diplomausbildung aus, ohne dass ein funktionierendes Ersatzsystem geschaffen wurde. Die Nachfrage nach dieser Form der Ausbildung an der Fachhochschule ist meines Wissens nach erschreckend gering. Derzeit sollen von 90 angebotenen Studienplätzen nur 58 belegt sein. BI

„Aus mir unverständlichen Gründen werden keine weiteren Klassen  aufgemacht.“

„ Das Interesse am Pflegeberuf wäre da“