Das Herz im Mittelpunkt

Gesund / 09.09.2022 • 11:41 Uhr
Auch der Wert von Blutdruckmessungen im frühen Alter war Kongressthema.shutterstock
Auch der Wert von Blutdruckmessungen im frühen Alter war Kongressthema.shutterstock

Vivit-Institut ließ beim Europäischen Herzkongress mit Neuerungen aufhorchen.

Feldkirch, Barcelona Bei Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen braucht sich Vorarlberg auf dem internationalen medizinischen und wissenschaftlichen Parkett nicht verstecken. Das zeigte sich einmal mehr am Kongress der Europäischen Herzgesellschaft, dem weltweit größten Treffen von Kardiologen, das unlängst in Barcelona stattfand. Das von Prof. Heinz Drexel geleitete Vivit-Institut konnte gleich drei interessante Untersuchungen präsentieren. Drexel fungierte zudem als Sprecher im Zusammenhang mit den für eine Herztherapie relevanten Medikamente. Als erfreulich bezeichnete er auch den Umstand, dass der Wiener Kardiologe Prof. Franz Weidinger zum Präsidenten der europäischen Kardiologie gewählt wurde. „Prof. Weidinger hat über die vergangenen 20 Jahre sehr intensiv mit dem Vivit-Institut zusammengearbeitet“, berichtet Drexel.

Therapie bei Herzschwäche

Herzdiagnostik und Therapie von Herzerkrankungen standen im Fokus des Kongresses, zumal das Herz auch für viele andere Organe und Krankheiten von zentraler Bedeutung ist. Ein Hauptkapitel war der Therapie von Herzschwäche mit einem ursprünglich gegen Diabetes entwickelten Medikament, den sogenannten SGLT2-Hemmern, gewidmet. „Sie entlasten den Kreislauf durch milde Entwässerung“, erläutert Heinz Drexel. Es zeigte sich ein klarer Profit durch die Gabe dieser Medikamente vor allem bei leichten Formen von Herzschwäche. Zur Erklärung: Das Herz ist eine Pumpe, die Blut aus dem gesamten Körper ansaugt und wieder in den Körper zurückpumpt. Schwere Ausprägungen von Herzschwäche sind Pumpschwächen, leichtere Formen jedoch Ansaugschwächen. Speziell hier zeigen diese Diabetesmedikamente einen deutlichen Nutzen. Drexel: „Erstmals kann diese Ansaugschwäche konsequent therapiert werden.“

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Tumormedikamenten, die das Herz schädigen können. Einhellige Aussage beim Kongress: Die Tumortherapie muss herzschonender werden. Eine ebenfalls wichtige Erkenntnis war, dass immer häufiger Smartphones benützt werden, um Herzrhythmusstörungen zu erkennen.

Spätfolgen verhindern

Das Vivit-Institut hatte drei Beiträge im Gepäck nach Barcelona. Dozent Andreas Leiherer präsentierte eine Untersuchung über den Wert von Blutdruckmessungen in frühen und späteren Lebensjahren, die er in Kooperation mit dem aks und Hans Concin erstellt hatte. Es zeigte sich, dass ein früh entdeckter Bluthochdruck und seine Behandlung wesentlich besser Spätfolgen verhindern können. Diese Aussage ergänzt eine frühere Beobachtung, ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem aks, wonach eine Cholesterinerhöhung zum Zeitpunkt einer Gesundenuntersuchung wesentlich besser das Gesamtlebensrisiko voraussagt als eine spätere Untersuchung von bereits herzkranken Patienten.

Manko Packungsbeilagen

Außerdem konnte das Vivit-Institut mit neuesten Daten aufzeigen, dass Ceramide ähnlich wie beim Cholesterin auch bei Diabetes gute Risikomarker sind. Prof. Heinz Drexel informierte zu Metformin, einem Arzneimittel, das bereits seit 65 Jahren zur Diabetesbehandlung eingesetzt wird. „Es wirkt noch immer hervorragend“, lautet die Quintessenz. Er zitierte auch aus einer in Oxford durchgeführten Analyse, laut der cholesterinsenkende Statine weit weniger Nebenwirkungen verursachen, als vielfach behauptet werde. Als Manko der Medizininformation bezeichnete der Internist die Packungsbeilagen. „Diese Information ist völlig einseitig und berücksichtigt nur die Gefahren, nicht jedoch den Nutzen von Statinen“, hielt Drexel fest. Es brauche eine Änderung. Dies gelte besonders für Herz-, Cholesterin- und Diabetesmedikamente, lautete die Schlussfolgerung der Kongressteilnehmer. VN-MM

„Erstmals kann diese Ansaugschwäche des Herzens konsequent therapiert werden.“

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