Übergewicht allein führt nicht zu Dialyse

Gesund / 18.11.2022 • 11:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Studie mit 100.000 aks-Daten erhielt höchstdotierten nephrologischen Förderpreis.

Feldkirch, Innsbruck Übergewicht und Adipositas bringen sehr oft Bluthochdruck sowie erhöhte Zucker-, Blutfett- und Harnsäurewerte mit sich. Betroffene haben langfristig ein erhebliches Risiko für ein Nierenversagen. Ein Team der aks Wissenschaft um Primar Emanuel Zitt, Leiter der Abteilung Innere Medizin III am LKH Feldkirch, und Josef Fritz von der MedUni Innsbruck errechneten die Bedeutung der einzelnen Faktoren. Das Ergebnis der Langzeitstudie mit 100.000 Teilnehmenden: Übergewicht allein führt nicht zur Dialyse. Für diese Untersuchung, die im JASN veröffentlicht wurde, gab es den Förderpreis der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie für die beste österreichische Publikation auf dem Gebiet der Nephrologie. Was die Waage anzeigt, ist nicht entscheidend, wenn es darum geht, die langfristige Gefahr für ein irreparables Nierenversagen mit Dialysepflicht einzuschätzen. Relevant ist, was die Messungen von TyG-Index – ein neuer Parameter für Insulinresistenz –, Harnsäure und Blutdruck ergeben. Zu diesem Schluss sind Wissenschaftler des aks um Emanuel Zitt und den Bioinformatiker Josef Fritz vom Institut für Medizinische Statistik und Informatik (Direktor: Hanno Ulmer) an der MedUni Innsbruck gekommen.

Für ihre Untersuchung zogen die Forscher die Daten von 100.269 Personen heran, die sich zwischen 1985 und 2005 in Vorarlberg einer Gesundenuntersuchung unterzogen haben. Die Ergebnisse der ersten Vorsorgeuntersuchung, die im Mittel 23 Jahre zurücklag, glichen die Forscher mit den Einträgen des Österreichischen Dialyse- und Transplantationsregisters ab. Anhand einer komplexen Mediationsanalyse errechneten sie den Gesamteffekt von Übergewicht sowie den Effekt der einzelnen Einflussgrößen auf eine drohende Dialysepflicht.

Dabei stellte sich heraus, dass ein hoher TyG-Index und Bluthochdruck wie erwartet gewichtige Risikofaktoren sind und jeweils rund ein Drittel zur Gefahr eines Nierenversagens durch Übergewicht und Adipositas beitragen. Überraschend für die Wissenschaftler, weil bisher kaum in der Fachliteratur berücksichtigt, ist der mit 30 Prozent ebenso große Einfluss von erhöhter Harnsäure. Vergleichsweise niedrig fällt dagegen das Gefahrenpotenzial von erhöhten Cholesterinwerten aus. Übrig bleibt ein Rest von einem Prozent, der Übergewicht als eigenen Risikofaktor an sich ausweist.

Modifizierbare Risikofaktoren

Alle Risikofaktoren sind dank Lebensstilveränderung und/oder Therapie modifizierbar. „Gewichtsreduktion ist ein wichtiger Nierengesundheitsfaktor. Normalgewicht, normaler Blutdruck und gesunder Stoffwechsel sind wahrscheinlich ein sehr hoher Garant für lebenslange Dialysefreiheit“, bringt es Emanuel Zitt auf den Punkt.

„Normalgewicht ist ein hoher Garant für lebenslange Dialysefreiheit, aber nicht der einzige.“

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