Bloß keinen Schnaps auf die Wunde

Gesund / 20.01.2023 • 11:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gilbert Hämmerle, Primar Robert Strohal und Sandra Dietrich (v.l.) gaben ebenso spannende wie hochinformative Einblicke in die Wundbehandlung. khbg
Gilbert Hämmerle, Primar Robert Strohal und Sandra Dietrich (v.l.) gaben ebenso spannende wie hochinformative Einblicke in die Wundbehandlung. khbg

Das professionelle Wundmanagement hält bessere Mittel gegen chronische Wunden bereit.

feldkirch „Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie eine Wunde haben, die schon länger besteht, damit der eine ordentliche Diagnose stellt.“ Und: „Wenn man nicht weiß, was kaputt ist, kann man es nur schlecht reparieren.“ Die Botschaft von Wundmanager Gilbert Hämmerle war eindeutig. Seine Kollegin, Sandra Dietrich, ergänzte: „Es ist verständlich, wenn jemand zuerst versucht, die Wunde selbst zu behandeln. Man erkennt im ersten Moment nicht, ob diese Wunde heilt oder nicht.“ Zwei bis drei Monate doktern Betroffene im Durchschnitt herum. „Wegen einer Wunde gehe ich nicht zum Hausarzt“, hat ihr eine Patientin neulich gesagt. Dietrich spricht dezidiert von einer falschen Einstellung. Je früher eine schwärende Wunde fachgerecht behandelt wird, umso besser sind die Aussichten auf rasche Heilung. Tatsächlich kommen viele Betroffene sehr spät. „Meine früheste Wunde war sechs Monate alt, die älteste 33 Jahre“, berichtete Sandra Dietrich von ihren Erfahrungen. Primar Robert Strohal, Leiter der Dermatologie im LKH Feldkirch, konkretisierte das Übel: „Eine Wunde ist dann chronisch, wenn sie trotz intensiver Behandlung über sechs Wochen nicht heilt.“

Die Zahl der Betroffenen ist hoch. Laut der letzten genaueren Analyse gibt es 255.000 chronische Wundpatienten in Österreich. In Vorarlberg sind es 12.000. Nicht heilende Wunden sind eine enorme Belastung für die Patienten, aber auch für das Gesundheitssystem an sich. „Allein die Verbandskosten machen jährlich 225 Millionen Euro aus“, verdeutlichte Strohal. Als wirklich traurig bezeichnete er jedoch den Umstand, dass immer noch 61 Prozent der Patienten nicht regelgerecht behandelt werden. Das heißt, es sind keine Fachpersonen am Werk oder keine modernen Therapien in Anwendung, von denen es inzwischen viele gibt. Es stehen hochaktive Verbände zur Verfügung sowie Gels, Cremen und physikalische Vorrichtungen wie das Kaltplasma. Strohal sprach von Letzterem als einem Star der modernen Wundbehandlung. Vorarlberg sei hier führend. „Kommen angepasste lokale Therapien zum Einsatz, kann es recht schnell gehen mit der Heilung“, machte der Dermatologe noch gerne Mut.

Zuerst gilt es jedoch, die Ursache zu behandeln. Dann wird auf Basis einer gründlichen Begutachtung und Analysekonzepten die passende Therapie gesucht. Die Verwendung der Hilfsmittel erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Von Schnaps zur Wundreinigung rät Gilbert Hämmerle dringend ab. Hingegen arbeitet er immer noch mit Maden, die diese Arbeit erledigen.

Sandra Dietrich betonte das Engagement von niedergelassenen Ärzten und Krankenpflegevereinen, die bis zu 75 Prozent Heilungserfolg haben. Die restlichen 25 Prozent benötigen die Dienste der Spezialambulanzen in Feldkirch oder Bregenz. Dort spielt die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen ebenfalls eine bedeutende Rolle. „Der wichtigste Partner ist jedoch der Betroffene selbst und sein Vertrauen in uns.“

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