Impuls für Selbstbestimmtheit

Diesjähriger „Trialog“ der Lebenshilfe widmete sich der Sexualität.
Götzis Inklusion, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, beinhaltet auch das Menschenrecht auf eine selbstbestimmte Sexualität. Allzu oft wird dieses Recht – gewollt oder ungewollt – behindert. Die Lebenshilfe Vorarlberg widmete sich daher im Rahmen des „Trialogs“ diesem brisanten Thema. Menschen mit Behinderungen, professionelle Begleiterinnen und Begleiter aus sozialen Organisationen sowie Angehörige waren eingeladen, sich auszutauschen. Mehr als 150 Personen beim Vortrag und rund 100 Teilnehmer beim darauffolgenden Workshop-Tag besprachen vielfältige Möglichkeiten, um umsetzbare Veränderungen für Menschen mit Behinderungen zu fördern. „Mit dem ‚Trialog‘ möchten wir den Raum öffnen, gemeinsam über Sexualität und Behinderungen zu sprechen und Lösungen zu entwickeln“, erklärt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Michaela Wagner-Braito.
Ein Menschenrecht
Ralf Specht, Dozent am Deutschen Institut für Sexualpädagogik in Koblenz, begleitete den „Trialog“. Seine Forschungen und Erfahrungen bringen wichtige Impulse in den Diskurs. „Sexuelle Selbstbestimmung wurde Menschen mit Behinderungen lange nicht zugestanden. Gleichzeitig wurde die Tatsache, dass Menschen mit Behinderungen ein mehrfach erhöhtes Risiko haben, Opfer sexueller Gewalt zu werden, fast gänzlich ignoriert. Das ändert sich zum Glück in zunehmendem Maße“, sagte Ralf Specht. Die Selbstvertreter und das Team der Sexualpädagogik der Lebenshilfe Vorarlberg arbeiten seit Jahren eng zusammen, um Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen hier beratend zur Seite zu stehen. „Oft müssen Themen einfach angesprochen und ausgesprochen werden, damit wir Tabus beseitigen und die Rechte sowie Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sichtbar machen“, unterstrich Geschäftsbereichsleiter Georg Matzak. Entscheidende Wegweiser setzt die Lebenshilfe, in dem deren Akademie in Zukunft einen mehrmoduligen Lehrgang „Sexuelle Bildung für Menschen mit Behinderungen“ anbieten möchte. Während des „Trialog“-Workshops wurde klar, welche Veränderungsprozesse durchlaufen werden müssen, damit sexuelle Selbstbestimmung möglich wird. „Menschen mit Behinderungen, die in einer Beziehung sind oder ihre Sexualität ausleben, gibt es. Was soll dabei ungewöhnlich sein?“, fragte Klaus Brunner, Vorstandsmitglied und erstgewählter Selbstvertreter der Lebenshilfe Vorarlberg. „In meinen Augen ist wichtig, dass Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf die Chance eingeräumt werden muss, auch hier selbstbestimmt zu entscheiden.“