FSME in Vorarlberg: “Speziell wegen des Klimawandels wird es immer relevanter”

Gesund / 25.09.2026 • 12:02 Uhr
FSME in Vorarlberg: "Speziell wegen des Klimawandels wird es immer relevanter"
Die Zecken und mit ihnen die Krankheitserreger sind auf dem Vormarsch. Primar und Neurologe Philipp Werner warnt davor, das Risiko auf die leichte Schulter zu nehmen. Canva, VN/Rauch

Heuer gab es bereits 20 Infektionen in Vorarlberg, mehr als im gesamten Vorjahr. Primar Philipp Werner erklärt die Folgen einer Infektion.

Feldkirch “Unterm Strich ist die FSME ein zunehmend relevantes Thema für uns, speziell wegen des Klimawandels”, erklärt Primar Philipp Werner. Er ist Leiter der Neurologie an den Landeskrankenhäusern Feldkirch und Rankweil. In Vorarlberg wurden heuer bereits 20 Infektionen nachgewiesen, 2025 waren es im gesamten Jahr 15. “Wir hatten in Rankweil heuer zwei schwerste Verläufe”, gibt der Primar Einblick in die Risiken. Denn im schlimmsten Fall führt die Virusinfektion zum Tod.

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FSME wird durch Viren verursacht, die von Zecken wie dem Gemeinen Holzbock übertragen werden. “Die Zecken haben es gern feucht und warm”, erklärt Werner. Inzwischen herrschen bis weit in den Winter und auch weit über 1000 Höhenmetern Temperaturen vor, die der Zecke und den Viren ein Überleben ermöglichen. Sie lauern im Unterholz und hohen Gras, um sich von vorbeigehenden Opfern abstreifen zu lassen. Dann wandern sie in Richtung der Leiste, Achseln, des Nackens und des Kopfes, um dort zu stechen und zu saugen. Da die FSME-Viren direkt im Speichel sind, droht ab dem Stich eine Infektion.

Kopfweh, gegen das nichts hilft

“Grundsätzlich ist die Dunkelziffer sehr hoch”, betont Werner. Ein großer Teil der Betroffenen fühlt sich nur einige Tage nicht fit, ähnlich einem grippalen Effekt. Da Kopfschmerzen neben Lichtempfindlichkeit das Hauptsymptom sind, ist die Erkennung von FSME für den Laien schwierig. Treten deutlichere Beschwerden auf, beginnen diese meist nach einer Inkubationszeit von rund sieben bis zehn Tagen. “Die, die zu uns kommen, haben in der Regel Kopfweh und sagen, es hilft nichts”, erklärt der Primar. Eine Blutuntersuchung bringt daraufhin Klarheit.

FSME in Vorarlberg: "Speziell wegen des Klimawandels wird es immer relevanter"
Philipp Werner ist Primar der Neurologie an den Landeskrankenhäusern in Feldkirch und Rankweil. VN

“FSME ist nicht behandelbar”, warnt Werner. Mit Schmerzmitteln kann der Verlauf gedämpft werden, aber die Infektion kann nicht geheilt werden. Nach dem ersten einwöchigen Erkrankungsgipfel droht für die schweren Fälle etwa einen Monat nach dem Stich eine zweite Phase: Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Konzentrationsstörungen. Es folgt eine Hirnhautentzündung, in etwa der Hälfte der Fälle entzündet sich auch das Gehirn, in seltenen Fällen ebenso das Rückenmark.

Langzeitrisiken

“Die Entzündung kann gewisse Narben hinterlassen”, erklärt der Neurologe. Die Folgen wie Sprachstörungen erinnern an einen Schlaganfall, vor allem wenn das Rückenmark betroffen ist, drohen Querschnitts- oder Halbseitenlähmungen. “Man kann nur durch Stimulation, Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie versuchen, dass sich das Hirn irgendwie wieder erholt”, spricht Werner von einem Erholungsprozess, der Wochen bis Monate dauern kann und ohne Erfolgsgarantie bleibt. In seltenen Fällen droht sogar der Tod.

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Und es kann jeden treffen. Abseits von einem geschwächten Immunsystem, etwa durch eine Chemotherapie oder fortschreitendes Alter, sind keine Risikofaktoren für einen schwereren Verlauf bekannt. Was hilft? “Die Impfung wirkt”, verweist der Primar auf die Zahlen. “Kinder am Abend vor allem im Nacken kontrollieren und Zecken ohne Vorbehandlung mit einer Pinzette entfernen”, warnt er vor Experimenten mit Kleber und Öl. Und bei einer sich ausdehnenden Rötung der Haut, die innen wieder ausblasst, wegen Borrelioseverdachts zum Arzt gehen.

Von Zecken übertragene Erkrankungen

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Bakterien der Gattung Borrelia verursachte Infektionskrankheit. Es gibt keine Impfung, sie kann aber behandelt werden. Ein Hinweis ist eine Wanderrötung, die sich auf der Haut ausbreitet und nach innen wieder nach und nach verblasst.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auch Zeckenenzephalitis genannt, wird durch das FSME-Virus, das sich im Speichel mancher Zecken befindet, ausgelöst. Die Zecke überträgt die Viren sofort nach erfolgtem Stich. Das FSME-Virus vermehrt sich in menschlichen Nervenzellen. Die Erkrankung ist meldepflichtig. Eine regelmäßig aufzufrischende Impfung bietet Schutz vor schweren Verläufen.