“Ich bin Ärztin, ich helfe dem Verletzten” – sie reagierten auf Schlägerei am Bahnhof

Gewalt und Verbrechen / 05.05.2025 • 06:00 Uhr
"Ich bin Ärztin, ich helfe dem Verletzten" - sie reagierten auf Schlägerei am Bahnhof
Marcel Aberer und Dr. Barbara Niederer eilten dem Verletzten zur Hilfe und stellten sicher, dass die Schuldigen gefasst wurden. VN/Rauch

Frauenärztin Barbara Niederer wurde auf den Gewaltakt am Bahnsteig aufmerksam. Allein rannte sie hin, um diese zu beenden. Und auch Marcel Aberer reagierte, als er den Gewaltakt bemerkte.

Feldkirch Eigentlich saß Barbara Niederer nur im Auto auf dem Parkplatz beim Bahnhof Feldkirch und wartete auf ihren Sohn. “Plötzlich höre ich einen Tumult, laute Stimmen”, erinnert sich die Frauenärztin zurück. Es war eine Gruppe junger Männer auf dem Weg zum Bahnsteig. “Es war schon ein bisschen bedrohlich.” Wenige Minuten sieht sie, wie die Gruppe einen Mann zusammenschlägt.

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Die vier Jugendlichen attackierten dabei einen 20-jährigen Mann. Der Haupttäter stieß das Opfer mit Anlauf nieder und schlug mit der Faust mehrfach gegen das Gesicht des am Boden liegenden Mannes. Ein Freund des Opfers wollte eingreifen, wurde jedoch ebenfalls angegriffen und mit dem abgeschlagenen Hals einer Flasche auf Distanz gehalten. Das 20-jährige Opfer wurde dabei bestohlen und gefilmt.

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Auf die Gewalttat wurde sie durch aufkommenden Lärm und zwei Männer aufmerksam, die neben ihrem Auto stehend auf den Bahnsteig starrten. “Ich stieg aus und fragte sie, was den los sei”, berichtet sie. Diese verweisen auf den Bahnsteig, wo ein Streit zu sehen war. “Ziemlich schnell war dann klar, dass die nicht untereinander streiten, sondern auf einen am Boden einschlagen.”

Marcel Aberer ksö
Hier am Rande des Feldkircher Bahnhofs fand die Schlägerei statt. VN/Rauch

Niederer rief die Polizei an. Für sie war aber klar, dass sie einschreiten muss. Mit der Diensthabenden der Leitstelle am Telefon eilte sie auf den Bahnsteig. Die zwei Männer blieben beim Auto zurück. “Zuerst war ich sauer auf sie”, räumt die 50-Jährige ein. Nun gibt sie ihnen aber recht. “Ich denke, wenn du ein Mann bist, dann reagieren Kriminelle wohl anders auf dich wie auf eine Frau”, vermutet sie, dass sie allein wohl deeskalierender wirkte. Denn tatsächlich: “Dann habe ich einfach gerufen ‘Hallo, ich bin Ärztin und ich helfe jetzt dem Verletzten’ und dann sind die eigentlich gleich weggerannt.”

Täter flüchteten an Notrufer vorbei

Parallel wurde der Medizinstudent Marcel Aberer, der gerade am Bahnhof eintraf, auf die Schlägerei aufmerksam. Auch er alarmierte die Polizei, während er sich in die Unterführung begab. Ihm eilten die fliehenden Täter entgegen, so konnte er der Polizei eine Beschreibung der Schläger und deren Fluchtrichtung durchgeben. Beim Verletzten selbst stellte sich dann fest, dass sie doch nicht allein ist. Gemeinsam mit einem Freund des Opfers versorgten sie dieses, das unter anderem schwere Kopfverletzungen davon trug. Als Aberer sah, dass das Opfer versorgt wird, widmete er sich der Einweisung der eintreffenden Beamten.

Ksö-Preisträger 2025
Durch die Unterführung eilte Niederer dem Opfer zur Hilfe. VN/Rauch

Wenig später stellte die Polizei die Flüchtigen, wie Aberer weiß. Nach einem Erstgespräch mit der Polizei machte sich der heute 29-Jährige auf den Weg nach Innsbruck, trotz verpasstem Zug. Er selbst will seinen Einsatz nicht in den Himmel loben, schließlich habe er nur den Notruf gewählt. Beide werden für ihren Einsatz mit dem KSÖ-Sicherheitspreis geehrt, von dem Aberer und Niederer eine Inspiration für andere Augenzeugen erhoffen.

Ksö-Preisträger 2025
So präsentierte sich die Unterführung Niederer. Sie wusste nicht, wie die Täter auf sie reagieren würden. Wenig später kamen hier Aberer die Täter entgegen gerannt. VN/Rauch

“Ich bin schon diejenige, die hingeht, wenn ich in der Stadt oder sonst etwas beobachte”, erklärt Niederer, dass ihr Einschreiten ihrer Persönlichkeit entspreche. Doch auch im Beruf sah die 50-Jährige einiges. Schließlich stand sie für die Missbrauchsdienste am LKH zur Verfügung, dies war Teil ihrer Ausbildung. Dennoch: “Zu mir kommen zu 90 Prozent gesunde Menschen; die Babys bekommen. Ich habe einen wunderschönen Beruf, tolle Patientinnen und ich könnte mir nichts anderes vorstellen”, sieht sie die positiven Aspekte. “Ich bekomme jeden Tag so viel von den Menschen, die zu mir kommen. Ich finde es echt schön.”

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Jährlich zeichnet das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) im Schulterschluss mit den VN und dem ORF jene Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, die mit ihrem couragierten Handeln zur Aufklärung von Verbrechen beigetragen oder diese sogar vereitelt haben, mit dem Sicherheitspreis aus.

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