Millionenbetrug mit Luxusautos: Razzien auch in Vorarlberg

Gewalt und Verbrechen / 05.11.2026 • 14:18 Uhr
Millionenbetrug mit Luxusautos: Razzien auch in Vorarlberg
Ein wesentlicher Bestandteil des Betrugsnetzwerks soll der Handel mit Neuwagen gewesen sein.

Der Schaden des Netzwerks soll europaweit mehr als 100 Millionen Euro betragen.

Wien, Bregenz Zwölf Hausdurchsuchungen in Tirol und Vorarlberg, mehrere Festnahmen und ein geschätzter Steuerschaden von mehr als zehn Millionen Euro allein in Österreich: Bei einer europaweiten Großaktion gegen ein mutmaßliches Betrugsnetzwerk im internationalen Fahrzeughandel rückten Ermittler am Mittwoch auch in Österreich aus. Im Fokus: hochpreisige Autos und ein Firmengeflecht, das die tatsächlichen Lieferwege verschleiern soll.

Die Ermittlungen laufen unter dem Namen „J.A.V.E.L.I.N.“ (Joint Analysis of VAT Evasion in Luxury International-vehicle-trading Networks) und werden von der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) geführt. Die Einsätze fanden an mehr als 100 Orten in Europa statt. In Österreich waren 84 Mitarbeiter der Finanzverwaltung beteiligt, unterstützt wurden sie von Polizisten sowie weiteren nationalen und internationalen Partnerbehörden, teilte das Finanzministerium am Donnerstag mit.

Millionenbetrug mit Luxusautos: Razzien auch in Vorarlberg
In Österreich fanden zwölf Hausdurchsuchungen statt. BMF/Archivbild

Beim sogenannten Karussellbetrug werden zumeist hochpreisige Waren und Güter zwischen Händlern aus verschiedenen EU-Ländern im “Karussell” weitergereicht. Kriminelle nutzen dabei Lücken im Steuersystem des EU-Binnenmarktes aus und lassen sich Umsatzsteuer erstatten, die sie in vielen Fällen gar nicht gezahlt haben.

Bei den Ermittlungen in Österreich stehen laut Finanzministerium Fahrzeuglieferungen mit einem Gesamtvolumen von rund 80 Millionen Euro im Fokus. Ein wesentlicher Bestandteil soll der Handel mit Neuwagen gewesen sein. Der Einnahmenausfall wird auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzt. Europaweit dürfte der Schaden des Netzwerks mehr als 100 Millionen Euro betragen.

Millionenbetrug mit Luxusautos: Razzien auch in Vorarlberg
Mitarbeiter der Finanzverwaltung, Polizisten sowie weitere nationale und internationale Partnerbehörden waren an dem Einsatz beteiligt. BMF/Symbolbild

Der Verdacht: Um tatsächliche Lieferwege zu verschleiern, wurden Fahrzeuge über ein Netzwerk von Unternehmen und zwischengeschalteten Gesellschaften gehandelt. Dabei sollen sogenannte Missing-Trader-Gesellschaften und Briefkastenfirmen zum Einsatz gekommen sein. Auch Transport- und Liefernachweise sollen gefälscht worden sein.

Wie viele der zwölf Hausdurchsuchungen in Vorarlberg stattgefunden haben und an welchen Orten gibt das Finanzministerium aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht bekannt. Nur so viel: Die überwiegende Zahl der Hausdurchsuchungen habe in Tirol stattgefunden. Die betreffenden Personen seien in der Kfz-Branche bzw. in deren Umfeld tätig, erläutert das Finanzministerium auf VN-Anfrage.

Millionenbetrug mit Luxusautos: Razzien auch in Vorarlberg
Um tatsächliche Lieferwege zu verschleiern, wurden Fahrzeuge über ein Netzwerk von Unternehmen und zwischengeschalteten Gesellschaften gehandelt.

Bei den Razzien wurden neben Geschäftsunterlagen und elektronischen Datenträgern auch hochwertige Vermögensgegenstände und Liegenschaften sichergestellt. Die vollständige Erfassung, Bewertung und Auswertung laufe noch. Drei Personen wurden unmittelbar in Österreich festgenommen. Für zwei weitere österreichische Staatsangehörige klickten die Handschellen in Deutschland. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.