“Die Polizei muss sichtbar sein” – mehr Präsenz und mehr Dialog sind das Geheimnis einer Stadt

HE_Feldk / 19.02.2026 • 14:37 Uhr
"Die Polizei muss sichtbar sein" – mehr Präsenz und mehr Dialog sind das Geheimnis einer Stadt
Polizeikommandant Arno Vögel nimmt sich Zeit für ein Gespräch mit den VN. VN/DJSHOM

Jugendgruppen, Internetkriminalität und sinkende Hemmschwellen beschäftigen den neuen Kommandanten der Stadtpolizei Feldkirch.

Darum geht’s:

  • Feldkirch Polizei erhöht Präsenz und Dialog im Stadtgebiet.
  • Jugendkriminalität fordert Zusammenarbeit mit Sozialarbeit und Eltern.
  • Internetkriminalität steigt, Zusammenarbeit mit Bundespolizei nötig.

FELDKIRCH Wenn Arno Vögel über seine neue Aufgabe spricht, klingt Respekt mit. “Ich bin mir der großen Verantwortung bewusst”, sagt der neue Kommandant der Stadtpolizei Feldkirch. Die Erwartungen seien hoch – von der Stadtpolitik, vor allem aber von den Bürgerinnen und Bürgern. “Die Feldkircher erwarten, dass wir Sicherheit gewährleisten und ein verlässlicher Partner sind.”

"Die Polizei muss sichtbar sein" – mehr Präsenz und mehr Dialog sind das Geheimnis einer Stadt
Hier in der modern umgebauten Dienststelle im Rathaus Feldkirch ist die Polizei daheim. VN/DJSHOM

Vögel übernimmt eine gut aufgestellte Dienststelle mit 23 ausgebildeten Polizisten, drei Parkraumüberwachungsorganen, einem Katastrophenschutzorgan und einer Sekretärin. “Ich habe das Glück, eine hervorragend geführte Abteilung zu übernehmen”, betont er. Dennoch setzt er klare Schwerpunkte für seine erste Amtszeit: mehr Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und die Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls.

Sicherheit als oberstes Gebot

Gerade an stark frequentierten Orten wie der Innenstadt oder dem Bahnhof soll die Präsenz erhöht werden. “Die Polizei muss sichtbar sein”, sagt Vögel. Allein das Gefühl, einer Streife zu begegnen, vermittle Sicherheit. Feldkirch gilt laut ÖBB als einer der sichersten Bahnhöfe im Westen Österreichs. Dennoch gebe es aktuell eine Jugendgruppe, die für zusätzliche Einsätze sorge. “Das sind sehr junge Leute, viele strafunmündig. Da sind uns rechtlich Grenzen gesetzt.”

Hier brauche es neben verstärkter Präsenz vor allem Zusammenarbeit mit Sozialarbeit, Schulen und Eltern. “Wenn wir kommen, ist es meist schon zu spät”, sagt der Kommandant offen. Prävention beginne viel früher – im Elternhaus, im Unterricht, in der Freizeitgestaltung. Auffällig sei, dass die Hemmschwelle bei jungen Tätern sinke. “Die Möglichkeiten sind heute andere, auch durch soziale Medien. Das verändert Dynamiken.”

"Die Polizei muss sichtbar sein" – mehr Präsenz und mehr Dialog sind das Geheimnis einer Stadt
Vögel am Eingang zu seiner Polizeistation im Rathaus. VN/DJSHOM

Eine wachsende Herausforderung bleibt die Internetkriminalität. “Die Zahlen steigen stetig”, erklärt Vögel. Für komplexe digitale Ermittlungen fehlten einer Stadtpolizei naturgemäß die technischen Ressourcen, hier arbeite man eng mit der Bundespolizei zusammen.

Überwachung durch Kameras der Stadt Feldkirch

Auch moderne Technik spielt in Feldkirch eine Rolle: Am Sparkassenplatz, beim Raiffeisenhof, am Rathaus sowie am Montfortplatz gibt es stadteigene Kameras. Die Polizei hat keinen direkten Zugriff, kann bei Bedarf aber Sequenzen anfordern. “Das wirkt präventiv und hilft im Anlassfall bei der Aufklärung”, so Vögel.

"Die Polizei muss sichtbar sein" – mehr Präsenz und mehr Dialog sind das Geheimnis einer Stadt
Für vertrauliches Arbeiten kann das Büro des Kommandanten mit einer schaltbaren Folie als Sichtschutz abgeschirmt werden. VN/DJSOHM

Ein wichtiger Baustein zur Vertrauensbildung seien Dialogformate wie der “Unsicherheitsspaziergang”. Dabei geht die Polizei gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern durch Stadtteile, um dunkle Ecken, unübersichtliche Bereiche oder problematische Plätze zu identifizieren. “Es geht nicht immer um Kriminalität, oft um Beleuchtung oder Gestaltung.” Sicherheit sei mehr als Statistik – sie sei auch ein Gefühl.

Bei uns gibt es zum Glück genügend Personal

Beim Personal ist Feldkirch im Land eine Ausnahme: “Unser Standort ist voll.” Das sei keineswegs selbstverständlich. Nacht- und Wochenenddienste, steigende Anforderungen und die Vielschichtigkeit des Berufs machten die Arbeit anspruchsvoll. “Heute reicht Mut allein nicht mehr. Man braucht Sozialkompetenz, Computerkenntnisse, Stressresistenz – und muss flexibel sein.”

Was ihn selbst nach wie vor antreibt? Vögel lächelt. “Polizist ist ein cooler Job.” Man wisse morgens nie, was eine Stunde später sei. Vom Routineanruf bis zum Großeinsatz sei alles möglich. “Genau diese Unberechenbarkeit und die Arbeit mit Menschen machen den Beruf so besonders.”