Expressiver Realismus zu Gast im Rohnerhaus

Alwin Rohner zeigt mit Horst Köhnlein Werke eines nur wenig bekannten Zweigs der deutschen Moderne.
Lauterach Die Werke des 2016 in Dornbirn verstorbenen Horst Köhnlein haben sich ihren Platz in der Postmoderne erobert. Das Privatmuseum „Kunst im Rohnerhaus“ ermöglicht kommenden Sonntag, 5. März 2023, von 10:30 bis 17:00 Uhr, bei freiem Eintritt einen Blick auf das außergewöhnliche künstlerische Schaffen, das dem expressiven Realismus zuzuordnenden Künstlers. Till Köhnlein, Sohn des Künstlers, wird die Schau eröffnen.

Einst als entartet gebrandmarkt
In der Zeit des unsäglichen, glücklicherweise nicht so lange währenden tausendjährigen Reiches, wurden Vertreter des expressiven Realismus von den Nazis verfolgt und ermordet, ihre Kunst als entartet gebrandmarkt. Erst nach Kriegsende 1945 wurde diese Kunstform wiederentdeckt und fand als „Kunst der verschollenen Generation“ neue Beachtung. Ab den 1980er Jahren eroberte sie sich ihren Platz in der Kunstgeschichte.

Dieser Kunstrichtung zuzuordnen ist der 1935 im Baden-Württembergischen Reutlingen geborene Horst Köhnlein. Den gelernten Textildesigner führte sein beruflicher Werdegang durch Deutschland, in die Steiermark, die Schweiz und schließlich zu F.M. Hämmerle nach Dornbirn. Dort ließ er sich auch mit seiner Frau Barbara und seinen zwei Söhnen nieder und die Messe- und Textilstadt wurde ihm zur zweiten Heimat.

Berlin wurde zur Offenbarung
Sein künstlerischer Werdegang führte ihn als Autodidakt mit 22 Jahren nach Paris. Von der akad. Malerin Rigolett-Touillet wurde er im Zeichnen und Malen unterrichtet. Von dieser Zeit an begleitete ihn die Malerei ein Leben lang als große Passion. In Bildstein richtete er sich über längere Zeit ein Atelier in einem alten Bauernhaus ein. Mit 58 Jahren zog es ihn für zwei Monate nach Marokko. Diese für ihn gänzlich andere Welt beeinflusste seinen Stil nachhaltig. Griechenland, die Pyrenäen und das südfranzösische Perpignan waren weitere Stationen seines Künstlerlebens. Mit 74 Jahren machte er sich für zwei Jahre nach Berlin auf. Ein Aufenthalt, der für ihn zur künstlerischen Offenbarung wurde.

Expressiv und geheimnisvoll
Wie in der Beschreibung zur Ausstellung festgehalten, färbte Köhjnleins Beruf als Dessinateur auf seine Arbeit als Künstler ab: „Die Collagetechnik wurde von ihm als verbindendes Element angewendet. Seine Bilder sind immer im Gegenständlichen verhaftet. Farbe und Komposition sind meist expressiv und geheimnisvoll.“ Über sein Leben und Werk brachte sein Sohn Till 2015 das Buch „Retrospektive“ heraus.

Alleinstellungsmerkmal
Der passionierte und erfahrene Kunstsammler Alwin Rohner fand Gefallen am Leben und Werk des in Vorarlberg lebenden Schwaben: „Köhnlein hat ein beachtliches künstlerisches Werk hinterlassen. Nicht alltäglich, gerade ü̈berraschend, haben sich seine Werke in der Postmoderne ihren Platz erobert.“ Köhnlein selbst sagte über seine Kunst: „Warum nicht einer Welt, die aus den Fugen gerät, etwas Schönes entgegenstellen?“ Die Kabinettausstellung im Privatmuseum „Kunst im Rohnerhaus“ erlaubt nun einen Blick auf das außergewöhnliche Schaffen eines Künstlers, dessen Werke gefangen nehmen und bisher einzigartig sind im Land. Alwin Rohner gelang damit, ein Alleinstellungsmerkmal in seiner langjährigen Karriere als Sammler und Museumsstifter. HAPF


