Einblick ins Herz der Energiegeschichte: 100 Jahre Verbindungskanal in Feldkirch

Eine Führung durch den Verbindungskanal bot seltene Einblicke in die 100-jährige Geschichte der Stromerzeugung und des Hochwasserschutzes.
Feldkirch Im Zuge von Revisionsarbeiten bot sich für Interessierte eine seltene Gelegenheit: Der Verbindungskanal zwischen dem Wasserkraftwerk am Mühletorplatz und dem Kraftwerk im Hämmerle-Areal in Gisingen wurde zugänglich gemacht. Da der Kanal für Instandhaltungsmaßnahmen “trockengelegt” wurde, ergab sich die seltene Chance, den normalerweise von Wasser durchströmten Tunnel zu Fuß zu erkunden und in die 100-jährige Geschichte dieses beeindruckenden Bauwerks einzutauchen.

Die Veranstaltung begann mit einer Besichtigung des Kraftwerks der Spinnerei Hämmerle, das 1924 zusammen mit dem Verbindungskanal errichtet wurde. Diese Zeitreise führte die Teilnehmer nicht nur zurück in die Anfänge der elektrischen Stromerzeugung in Feldkirch, sondern bot auch Einblicke in die damaligen Herausforderungen im Hochwasserschutz. Hans-Jörg Mathis, Leiter des Bereichs Stromnetz bei den Stadtwerken Feldkirch, erläuterte vor Ort die historischen Hintergründe: “Nach dem verheerenden Hochwasser von 1910, das die Innenstadt von Feldkirch meterhoch überflutete, war klar, dass eine bauliche Lösung zur Eindämmung der Wassermassen gefunden werden musste. Der Kanal und das erweiterte Kraftwerk waren eine direkte Antwort auf diese Katastrophe.”


Der Verbindungskanal wurde in einer Bauzeit von nur fünf Monaten durch den Ardetzenberg getrieben und führt bis heute Wasser durch die städtischen Wasseranlagen. Auf dem Weg durch den Kanal, der ungefähr einen Kilometer lang ist, konnten die Teilnehmer die beeindruckende Ingenieurskunst hautnah erleben.



“Die damaligen Bauarbeiter haben mit einfachsten Mitteln eine gewaltige Leistung erbracht”, erklärte Mathis. “Ohne Bagger oder moderne Maschinen, sondern nur mit Schaufeln, Loren und Presslufthämmern, gelang es, dieses Bauwerk innerhalb kürzester Zeit zu realisieren.” Die Teilnehmer der Begehung konnten sich ein Bild davon machen, wie beschwerlich und gefährlich die Arbeit damals gewesen sein muss.

Der Verbindungskanal feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum, und im Rahmen dieses Ereignisses wurde auch eine Ausstellung entlang der Ill von Feldkirch bis zur neuen Vereinigungsbrücke hinter der Kapfschlucht installiert. Auf insgesamt zehn Stationen werden historische Fotos, Landkarten und Informationen zur Entstehung des Kanals und zu seiner Bedeutung für die Stadt präsentiert. “Es ist faszinierend, wie dieses Bauwerk, das vor einem Jahrhundert unter extremen Bedingungen errichtet wurde, noch heute seinen Zweck erfüllt und Feldkirch vor Hochwassern schützt”, sagte Mathis abschließend. Der Rundgang durch den Kanal endete am Mühletorplatz, wo sich die Teilnehmer noch einmal über die Ingenieurskunst und die Geschichte des Wasserkraftwerks informieren konnten.













