“Kann über Leben und Tod entscheiden” – Das stille Risiko am Straßenrand

Was wie ein harmloser Ast aussieht, gefährdet nicht nur die Arbeit der Feldkircher Abfallwirtschaft, sondern kann unter Umständen lebensgefährlich werden.
Darum geht’s:
- Christian Lenz erlebt täglich Herausforderungen auf den Straßen Feldkirchs.
- Hecken und Bäume gefährden Verkehrssicherheit und Abfallsammlung.
- Falschparker blockieren Rettungswege.
Feldkirch Wenn Christian Lenz am Morgen in sein Fahrzeug steigt, weiß er: Jeder Tag bringt neue Überraschungen. “Du fährst zwar immer dieselbe Route, aber du hast jeden Tag andere Situationen. Und das ist das Schöne, das macht den Job aus”, sagt der Lkw-Fahrer. Insgesamt 37 Jahren sitzt er hinter dem Steuer, seit geraumer Zeit auch für den Bauhof der Stadt Feldkirch. Doch so sehr ihm die Arbeit als Lenker des städtischen Abfallsammelfahrzeuges gefällt – einfach ist sie nicht.

Der 54-Jährige hat in seinem Arbeitsalltag immer wieder mit zugewachsenen Straßenrändern, wuchernden Sträuchern und überhängenden Ästen zu kämpfen. Die Stadt sieht sich seit Jahren mit der Problematik konfrontiert, dass Grundstücksbesitzer ihre Hecken und Bäume nicht zurückschneiden – obwohl es dafür klare Vorschriften gibt. In besonders engen Straßen, wie der Ardetzenbergstraße oder der Berggasse, wird die Fahrt mit dem tonnenschweren Fahrzeug schnell zur Herausforderung.

Gefahr für Mensch und Maschine
“Man glaubt gar nicht, was da alles passiert”, sagt Christian Lenz. “Wir haben Kratzer, kaputte Außenspiegel, sogar Hydraulikleitungen können reißen, wenn ein Ast dagegen schlägt. Das kostet nicht nur Geld, sondern ist auch gefährlich”, betont er.


Hinten am Fahrzeug stehen Christians Kollegen Dominik und Lukas – auf Trittbrettern. Sie müssen sich ducken, ausweichen, zur Seite lehnen, um nicht vom überhängenden Gestrüpp getroffen zu werden. “Wenn’s geregnet hat, kriegen die Burschen das ganze Wasser von dem Gebüsch ins Gesicht”, erklärt der Fahrzeuglenker. Doch auch bei trockenem Wetter sind die Schläge der Äste kein harmloses Streifen – sie peitschen mit voller Wucht auf die beiden ein. Das kann zu Schürfwunden, Verletzungen am Auge oder im schlimmsten Fall zum Sturz vom Fahrzeug führen.

Schlechte Sicht
Die Straßen und Gassen rund um den Ardetzenberg sind eng. Das Abfallsammelfahrzeug passt oft gerade so durch. Den Hecken einfach ausweichen? Unmöglich. Rückwärtsfahren? Kaum machbar.

“Wenn ich im Spiegel wegen den ganzen Sträuchern nichts sehe, fahre ich nicht”, betont Christian Lenz. “Dann wird das dokumentiert und der Müll nicht geholt.” Der Grund ist klar: “Ich möchte nicht riskieren, dass einem Kollegen oder Passanten etwas passiert, nur weil ich in einer Situation ohne klare Sicht rückwärts gefahren bin.”

Doch nicht nur Hecken erschweren den Weg. Auch falsch geparkte Fahrzeuge sind ein Problem. Immer wieder kommt es vor, dass Autos mitten im Halteverbot stehen – und zwar genau dort, wo auf der gegenüberliegenden Seite ohnehin ein Verkehrspfosten steht. “Dann geht gar nichts mehr”, weiß der 54-Jährige.

Kein Durchkommen im Ernstfall
Was für das Team der Abfallwirtschaft im Alltag schon mühsam ist, kann im Ernstfall lebensgefährlich werden. “Ich sage den Leuten immer: Stellt euch vor, das ist ein Notfall. Die Feuerwehr muss durch. Wenn wir nicht durchkommen, dann die auch nicht”, erklärt Lenz. “Bei einem Brand kann das über Leben und Tod entscheiden. Da zählt jede Sekunde.” Dass Fahrzeuge aufgrund von Falschparkern im Einsatz stecken bleiben, ist kein theoretisches Szenario. Es passiert. Immer wieder. Gleiches gilt für zugewachsene Straßenränder: Wenn Hecken und Äste die Sicht behindern, verlieren Einsatzfahrzeuge wertvolle Zeit.

Klare Regeln – mit gutem Grund
In Feldkirch gibt es klare Vorgaben, wie weit Hecken und Bäume in den öffentlichen Raum hineinragen dürfen: Über Geh- und Radwegen muss eine Durchgangshöhe von mindestens 2,5 Metern gewährleistet sein, über der Fahrbahn sogar 4,5 Metern.

Die Verantwortung dafür liegt bei den jeweiligen Grundstücksbesitzern. Wer diese Regeln missachtet, gefährdet nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern bringt auch Abfallsammel- und Einsatzfahrzeuge in Bedrängnis.

“Sicherheit”
Was Christian Lenz will, ist kein Ärger – sondern Verständnis. “Wenn man einmal selbst betroffen ist, ist man froh, wenn ein Einsatzfahrzeug rechtzeitig kommt”, sagt er. “Es geht nicht nur um uns, es geht um Sicherheit.”

