“Kann über Leben und Tod entscheiden” – Das stille Risiko am Straßenrand

Heimat / 06.06.2025 • 11:04 Uhr
"Kann über Leben und Tod entscheiden" – Das stille Risiko am Straßenrand
VN/Linher

Was wie ein harmloser Ast aussieht, gefährdet nicht nur die Arbeit der Feldkircher Abfallwirtschaft, sondern kann unter Umständen lebensgefährlich werden.

Darum geht’s:

  • Christian Lenz erlebt täglich Herausforderungen auf den Straßen Feldkirchs.
  • Hecken und Bäume gefährden Verkehrssicherheit und Abfallsammlung.
  • Falschparker blockieren Rettungswege.

Feldkirch Wenn Christian Lenz am Morgen in sein Fahrzeug steigt, weiß er: Jeder Tag bringt neue Überraschungen. “Du fährst zwar immer dieselbe Route, aber du hast jeden Tag andere Situationen. Und das ist das Schöne, das macht den Job aus”, sagt der Lkw-Fahrer. Insgesamt 37 Jahren sitzt er hinter dem Steuer, seit geraumer Zeit auch für den Bauhof der Stadt Feldkirch. Doch so sehr ihm die Arbeit als Lenker des städtischen Abfallsammelfahrzeuges gefällt – einfach ist sie nicht.

überhängende Hecken, Bäume und Sträucher erschweren Arbeit der Müllabfuhr und bringen Gefahren mit sich, Christian Lenz, Abfallwirtschaft
Christian Lenz (Mitte) und seine Kollegen Dominik Raffeiner (l.) und Lukas Wilhelm (r.) sorgen täglich dafür, dass der Abfall zuverlässig abgeholt wird – selbst unter schwierigen Bedingungen.

Der 54-Jährige hat in seinem Arbeitsalltag immer wieder mit zugewachsenen Straßenrändern, wuchernden Sträuchern und überhängenden Ästen zu kämpfen. Die Stadt sieht sich seit Jahren mit der Problematik konfrontiert, dass Grundstücksbesitzer ihre Hecken und Bäume nicht zurückschneiden – obwohl es dafür klare Vorschriften gibt. In besonders engen Straßen, wie der Ardetzenbergstraße oder der Berggasse, wird die Fahrt mit dem tonnenschweren Fahrzeug schnell zur Herausforderung.

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Selbst bei geschnittenen Hecken sind die Platzverhältnisse bereits beengt.

Gefahr für Mensch und Maschine

“Man glaubt gar nicht, was da alles passiert”, sagt Christian Lenz. “Wir haben Kratzer, kaputte Außenspiegel, sogar Hydraulikleitungen können reißen, wenn ein Ast dagegen schlägt. Das kostet nicht nur Geld, sondern ist auch gefährlich”, betont er.

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Dass überhängende Bäume das Fahrzeug am Dach und somit an den Hydraulikschläuchen beschädigen, haben die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft bereits erlebt.
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Auch beschädigte oder gar abgerissene Seitenspiegel sind keine Seltenheit.

Hinten am Fahrzeug stehen Christians Kollegen Dominik und Lukas – auf Trittbrettern. Sie müssen sich ducken, ausweichen, zur Seite lehnen, um nicht vom überhängenden Gestrüpp getroffen zu werden. “Wenn’s geregnet hat, kriegen die Burschen das ganze Wasser von dem Gebüsch ins Gesicht”, erklärt der Fahrzeuglenker. Doch auch bei trockenem Wetter sind die Schläge der Äste kein harmloses Streifen – sie peitschen mit voller Wucht auf die beiden ein. Das kann zu Schürfwunden, Verletzungen am Auge oder im schlimmsten Fall zum Sturz vom Fahrzeug führen.

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Dominik und Lukas müssen sich stets in Acht nehmen, um unverletzt von ihrer Schicht nach Hause zu kommen.

Schlechte Sicht

Die Straßen und Gassen rund um den Ardetzenberg sind eng. Das Abfallsammelfahrzeug passt oft gerade so durch. Den Hecken einfach ausweichen? Unmöglich. Rückwärtsfahren? Kaum machbar.

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Die überhängenden Hecken versperren Christian Lenz in seinen Seitenspiegeln die Sicht.

“Wenn ich im Spiegel wegen den ganzen Sträuchern nichts sehe, fahre ich nicht”, betont Christian Lenz. “Dann wird das dokumentiert und der Müll nicht geholt.” Der Grund ist klar: “Ich möchte nicht riskieren, dass einem Kollegen oder Passanten etwas passiert, nur weil ich in einer Situation ohne klare Sicht rückwärts gefahren bin.”

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Der Lkw-Lenker möchte weder seine Kollegen noch Passanten gefährden.

Doch nicht nur Hecken erschweren den Weg. Auch falsch geparkte Fahrzeuge sind ein Problem. Immer wieder kommt es vor, dass Autos mitten im Halteverbot stehen – und zwar genau dort, wo auf der gegenüberliegenden Seite ohnehin ein Verkehrspfosten steht. “Dann geht gar nichts mehr”, weiß der 54-Jährige.

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In so einer Situation kommt der Lkw, wenn überhaupt, nur mit Mühe und langsamem Rangieren vorbei. Ein Zeitaufwand, der bei einem Notfall Leben kosten kann.

Kein Durchkommen im Ernstfall

Was für das Team der Abfallwirtschaft im Alltag schon mühsam ist, kann im Ernstfall lebensgefährlich werden. “Ich sage den Leuten immer: Stellt euch vor, das ist ein Notfall. Die Feuerwehr muss durch. Wenn wir nicht durchkommen, dann die auch nicht”, erklärt Lenz. “Bei einem Brand kann das über Leben und Tod entscheiden. Da zählt jede Sekunde.” Dass Fahrzeuge aufgrund von Falschparkern im Einsatz stecken bleiben, ist kein theoretisches Szenario. Es passiert. Immer wieder. Gleiches gilt für zugewachsene Straßenränder: Wenn Hecken und Äste die Sicht behindern, verlieren Einsatzfahrzeuge wertvolle Zeit.

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Überhängende Sträucher behindern die Sicht, weshalb der Lenker über den Gehsteig ausweichen muss. In vielen Straßen und Gassen ist das aufgrund des fehlenden Platzes jedoch gar nicht erst möglich.

Klare Regeln – mit gutem Grund

In Feldkirch gibt es klare Vorgaben, wie weit Hecken und Bäume in den öffentlichen Raum hineinragen dürfen: Über Geh- und Radwegen muss eine Durchgangshöhe von mindestens 2,5 Metern gewährleistet sein, über der Fahrbahn sogar 4,5 Metern.

Hecke ragt auf Straße Grafik
Stadt Feldkirch

Die Verantwortung dafür liegt bei den jeweiligen Grundstücksbesitzern. Wer diese Regeln missachtet, gefährdet nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern bringt auch Abfallsammel- und Einsatzfahrzeuge in Bedrängnis.

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Der 54-Jährige wünscht sich, dass die betroffenen Grundstückseigentümer mehr Rücksicht nehmen und Verständnis dafür entwickeln, was passieren kann, wenn Gestrüpp in die Fahrbahn hängt.

“Sicherheit”

Was Christian Lenz will, ist kein Ärger – sondern Verständnis. “Wenn man einmal selbst betroffen ist, ist man froh, wenn ein Einsatzfahrzeug rechtzeitig kommt”, sagt er. “Es geht nicht nur um uns, es geht um Sicherheit.”

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Abfallsammelfahrzeuge und Reparaturen werden von Steuergeldern finanziert.
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Schäden durch überhängendes Gestrüpp bezahlt somit die Gemeinschaft. Geld, das mit etwas mehr Rücksicht von jedem Einzelnen anderweitig investiert werden könnte.