“Wir sind Gastgeber” – Der Feldkircher Fachhandel schlägt im Weihnachtsverkauf zurück

Die Weihnachtsstimmung zieht wieder mehr Menschen in die Innenstadt – Fachgeschäfte punkten mit Beratung, Erlebnis und Regionalität. Regionale Anbieter wissen, worauf es ankommt. Die VN haben die Händlerstimmung vor Ort eingefangen.
Feldkirch, Rankweil: Wenn in der Montfortstadt die Lichterketten erstrahlen, der Duft von Glühwein über den Marktplatz zieht und in den Schaufenstern funkelnde Geschenkideen locken, dann ist klar: Weihnachten steht vor der Tür – und mit ihm die Hochsaison für den Fachhandel. Während der Online-Handel das ganze Jahr über boomt, erlebt der stationäre Einkauf vor den Feiertagen eine echte Renaissance. Andrea Gsteu-Knecht von Juwelier Knecht in Rankweil setzt auf Beratung. “Bei uns kommt es auf den Service an. Wir sind immer da, bei uns kann man den Schmuck anfassen, die Haptik erleben, und wenn es um Wertsachen geht, möchte der Kunde ein echtes Qualitäts-Einkaufserlebnis spüren.”

Tradition und Verbundenheit erleben einen Aufwind
Andrea Gsteu-Knecht führt das Schmuckgeschäft in dritter Generation. Daher ist es auffallend, wie viele generationenübergreifende Kunden ins Geschäft kommen, um das Kaufgefühl ihrer Kindheit neu aufleben zu lassen. “Viele Menschen haben bei uns ihre erste Uhr zur Firmung erhalten. Solche Erlebnisse verbinden enorm”, weiß die Schmuckexpertin und weist auf das 100-jährige Jubiläum in zwei Jahren hin.

Gerade im Advent sehnen sich viele Menschen nach Atmosphäre, persönlicher Beratung und unmittelbarem Erleben”, sagt der Händler Christian Thurnwalder von Paolini aus der Feldkircher Innenstadt. “Das kann kein Online-Shop ersetzen. Wir präsentieren die Ware im Geschäft und zeigen den Kunden, wie man Küchengeräte verwendet.” Tatsächlich zeigt sich, dass Kundinnen und Kunden das Bummeln durch die Altstadt wieder mehr schätzen: Schauen, anfassen, vergleichen – und das perfekte Geschenk gleich mitnehmen.


Technik trifft Handwerk
“Junge Menschen setzen heutzutage auf technische Küchenmaschinen und kombinieren diese in der Küche mit einem herkömmlichen Mixer, einem Toaster oder einem Stabmixer. Das kennen sie aus Großmutters Küchen – es bringt Wert zurück. Wir zeigen den Kunden auch, wie ein Messer in der Hand liegt oder wie man den Kochtopf richtig einsetzt. So etwas kann man online nicht erleben”, betont Birgit Thurnwalder.

Um so ein Weihnachtsambiente in den Städten auch weiterhin erleben zu können, sind die Bürger aufgefordert, stationär zu kaufen. “Jeder profitiert vom anderen, und wenn die Kunden daheim shoppen, dann entwickeln sich immer mehr Geisterstädte”, so Thurnwalder weiter.

“Gerade im Dezember spüren wir, dass die Menschen nicht nur etwas kaufen, sondern etwas erleben wollen”, betont Desiree Riedlsberger, Geschäftsführerin von Max und Stella in Feldkirch. Es sei der Wow-Effekt, den Kunden beim Eintreten ins Geschäft spüren sollen. “Große Räume, viel Fläche, eine Bar und dem Kunden ein Erlebnis bieten, das ist unser Ziel. Wir sind Gastgeber und das hebt uns vom Online-Handel ab”, sagt Riedlsberger.
Fachgeschäfte punkten mit persönlicher Beratung, Verpackungsservice und Gespür für individuelle Wünsche. Ein weiterer Vorteil: Wer vor Ort kauft, hat das Geschenk sofort in der Hand – keine Lieferzeiten, kein Warten, kein Risiko, dass das Paket nicht rechtzeitig ankommt. Gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit wird dieser Punkt immer wichtiger.

Regionalität als Statement
Viele Kundinnen und Kunden sehen den Einkauf im lokalen Fachhandel auch als bewusste Entscheidung: für Qualität, Nachhaltigkeit und die Unterstützung der eigenen Region. “Jeder Euro, der in der Stadt bleibt, sorgt dafür, dass wir auch nächstes Jahr wieder eine weihnachtliche Stadt anbieten können”, sagt Birgit Thurnwalder von Paolini und appelliert damit an die Bevölkerung.
Online-Handel bleibt Konkurrenz
“Zwar bleibt der Online-Handel stark – gerade bei Preisvergleichen und großer Auswahl. Doch im Advent hat der lokale Handel klare Trümpfe: Atmosphäre, Menschlichkeit und das Gefühl, Weihnachten mit allen Sinnen zu erleben.” Das ist Desiree Riedlsberger wichtig.