Feinschmecker auf Beutezug am “gumpiga Donnschtig”

Lokalprominenz riss sich im SeneCura Sozialzentrum den Braten unter den Nagel.
Bludenz Am “gumpiga Donnschtig” sollten die Köchinnen und Köche in manchen Regionen des Landes ein besonders wachsames Auge auf ihren Braten haben. Am Donnerstagvormittag soll Stadthäuptling Simon Tschann im SeneCura Sozialzentrum Laurentius-Park zugeschlagen haben. Mit einem fröhlichen “Jöri, Jöri” habe er laut Augenzeugen die frisch zubereitete Köstlichkeit der Küche entwendet. Nach kurzer Flucht sei er gefasst worden. Er habe ohne Gegenwehr gestanden und die Beute gerecht mit allen Anwesenden geteilt, wie die Stadt mitteilte.

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Im Gespräch sagte der stellvertretende Küchenleiter Carl Lorünser: “Den Braten hatten wir hergerichtet für den Wohnbereich 1 und dann wollten wir eigentlich hinaufgehen, um den Braten anzuschneiden. Plötzlich war der Braten jedoch verschwunden. Dann habe ich den Herrn Bürgermeister Simon Tschann und Stadtrat Joachim Weixlbaumer gesehen, wie sie mit dem Braten um die Kurve abhauten. Wir lieferten ihnen eine Wahnsinns-Verfolgungsjagd. Zum Glück waren die Kinder der Kleinkindbetreuung Farbtüpfle oben. Sie hielten den Bürgermeister samt dem Braten auf und so sind wir wieder zu unserem Braten gekommen.”

Der närrische “Diebstahl” stehe, wie die Stadt mitteilte, in alter Tradition: Seit dem 13. Jahrhundert sei es Narren am “gumpiga Donnerstag” erlaubt, symbolisch einen Braten zu stehlen – einst die letzte Gelegenheit vor der Fastenzeit, Fleisch zu genießen. Auch in Bludenz ist dieser Brauch fixer Bestandteil der Fasnat. Carmen Reiter war 40 Jahre Mitarbeiterin der Abteilungen Öffentlichkeitsarbeit und Kultur in der Stadt Bludenz und hatte mehrfach das große Glück, gemeinsam mit ungefähr weiteren zehn Mitarbeitern des Rathauses den geklauten Braten genüsslich zu verspeisen. Der jeweilige Bürgermeister habe dazu eingeladen, den gestohlenen Braten zu essen. “Das Bratenstehlen ist ein alter Brauch und gehört erhalten – das ist total schön. Der Braten ist für viele Leute am ergiebigsten, samt der Beilage. In Bings werden Braten in Haushalten geklaut und am Abend im Klubheim verspeist. Eine Freundin von mir macht am “gumpiga Donnerstag” immer auch einen Braten. Gerne erinnert sie sich an Fotos, auf denen die Stadtoberhäupter bei der Flucht nach dem Bratenklau zu sehen sind.SCO




