Begleitung am Lebensende

19. Mitgliederversammlung des Vereins “Abschied in Würde” im Junker Jonas-Schlössle.
Götzis “Jeder Mensch soll nach dem Tod einen würdigen Abschied erhalten, unabhängig von seinem Einkommen oder seiner gesellschaftlichen Stellung”. Das ist einer der Grundsätze, die das Wirken des 1995 gegründeten Vereins “Abschied in Würde” bestimmen. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung stellten Obfrau Ingrid Holzmüller, der wie sie auch als Ritualleiter tätige Schriftführer und Marketingverantwortliche Hartmut Hofer und Kassierin Sarah Mathis ihre Aktivitäten seit der Wahl vor zwei Jahren vor.

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Für Marielle Manahl, Edith Maria Fuchs und Susa Kennedy, die als vorheriger Vorstand viel für die dringend nötige finanzielle und rechtliche Weichenstellung getan haben, hatte Holzmüller größtes Lob: “Wir haben uns leicht getan, ein tolles Fundament bekommen!”. Bei der fundierten, halbjährigen Einarbeitung habe ihre Vorgängerin Manahl viel Geduld und Zeit aufgebracht.

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Die sehr gute Basis ist für das neue Führungstrio aber kein Grund zum schlichten Verwalten gewesen. “Wir haben ein Jour fixe eingeführt, die qualifizierten Richtlinien überarbeitet und ergänzt”, berichtete die Obfrau. Unterstützung bekamen und bekommen sie dabei vom angehenden Notar Simon Krüse, Qualitätssicherer Armin Meusburger sowie dem Coach und Prozessberater Robert Kaspar.

Weitere Aktivitäten waren der Besuch des Naturfriedhofs Nofels mit fachlicher Vorstellung durch und Austausch mit dem Verantwortlichen Wolfgang Breuß, die Teilnahme am “Workshop Visionsarbeit”, der Besuch des Seminars “Das letzte Ma(h)l”, das Vereinstreffen “Am Kumma” und der Geburtstagsbesuch bei Gründerin Christl Büsel.

Hartmut Hofer behandelte in seinem Bericht die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven für den Verein. Er hatte in den ersten Jahren eine Art Monopolstellung, mittlerweile bieten auch Bestatter und Freie Redner:Innen Verabschiedungen an. Ein Teil der Letzteren “in sozialen Medien auf laute, schrille Weise”. Der Verein habe sich als Marke etabliert, müsse aber sichtbarer werden. Ein Schritt dazu ist die Überarbeitung der Homepage durch Grafiker und Mitglied Rene Dalpra, das Erleben einer Verabschiedung durch den Verein sei aber nach wie vor die beste Mitgliederwerbung.

Das dürfte darauf zurückzuführen sein, dass der Verein anders arbeitet als andere Anbieter: “Unsere Arbeit dauert nicht drei, vier Stunden, sie fängt lange davor an – im Zuhören, Aushalten, im gemeinsamen Sortieren dessen, was erzählt werden soll und was nicht”, stellte die Obfrau fest. Die derzeit fünf Ritualleiter:Innen begleite immer dieselbe Frage: “Was braucht die Familie jetzt, welche Worte, welches Ritual können Halt geben?” Eine Verabschiedung solle den Angehörigen entsprechen und der Persönlichkeit des/der Verstorbenen entsprechen. “Immer handelt es sich um ein einzigartiges Leben!”
Im Unterschied zu anderen Anbietern ist der Verein nicht gewinnorientiert, vielmehr solidarisch aufgestellt und hat auch schon in Notsituationen geholfen. Weil es wieder mehr Ritualleiter:Innen gibt, können auch wieder Nichtmitglieder verabschiedet werden.
Die von der Obfrau auch für ihre Sorgfalt sehr gelobte Kassierin Sarah Mathis (“wir harmonieren bestens, fühlen uns wie die drei Musketiere”) ging auf die Finanzen ein, aber auch die Entwicklung des Vereins. Er hat derzeit offiziell 550 Mitglieder, sieben sind verabschiedet worden und elf ausgetreten. Offiziell deshalb, weil von manchen Mitgliedern die Post zurückkommt und sie auch telefonisch nicht mehr zu erreichen sind. Holzmüller vermutet, dass sie verstorben sind, ihre Angehörigen aber nichts von der Mitgliedschaft im Verein wussten.




















