Rankweil greift nach dem Titel Europas Kulturhauptstadt 2036

Die Brennnessel erklärt Rankweil zur Kulturmetropole – und sorgt für Lachsalven.
Rankweil Wenn sich Städte wie Bregenz und Lindau um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt bewerben können, warum dann nicht auch Rankweil – gemeinsam mit Göfis, Laterns und Brederis? Mit dieser ebenso einfachen wie wirkungsvollen Frage eröffneten Harald Keckeis und Martin Salzmann bei der 58. Rankweiler Brennnessel ihren wohl besten Programmpunkt – und trafen damit mitten ins Herz des Publikums.
Im ausverkauften Vinomnasaal verfolgten knapp 1000 Besucherinnen und Besucher eine rund dreistündige Show, deren Höhepunkt eine halbstündige Präsentation war. Als “Saltzmann & Keckeis” präsentierten die beiden Protagonisten ihre Vision einer Kulturhauptstadt 2036 in Rankweil – professionell inszeniert, mit kluger Überzeichnung und einer Fülle an Anspielungen auf lokale und internationale Entwicklungen.

Die Idee: Rankweil bildet gemeinsam mit Göfis, Laterns und Brederis eine starke Allianz. Europa verlange schließlich Zusammenarbeit über Grenzen hinweg – warum also nicht auch über Gemeindegrenzen? Ein eigenes Logo wurde vorgestellt, Kulturbotschafter benannt und ein strategischer Plan skizziert, der vom diplomatischen Parkett bis zur regionalen Vereinsbühne reichte.

Besonders ambitioniert geriet das Verkehrskonzept. Eine U-Bahn-Verbindung von Rankweil nach Laterns sollte Besucherströme lenken und das alpine Umland erschließen. Dass dabei aktuelle Infrastrukturdebatten mitschwingen, war Teil des Witzes. Auch städtebaulich wurde groß gedacht: neue Veranstaltungsorte, markante Bauprojekte und visionäre Begegnungszonen inklusive.
Das geplante Veranstaltungsprogramm für das Kulturjahr 2036 las sich wie ein Wunschzettel an die Unterhaltungsbranche. Die “Starnacht am Wörthersee” würde an den Speichersee in Laterns übersiedeln, wo Tausende Gäste erwartet würden. Das “Traumschiff” steuere in seiner 400. Folge Rankweil an – mit bekannten Persönlichkeiten aus der Politik in tragenden Rollen. Selbst ein eigener Bewerbungssong durfte nicht fehlen.

Gerade diese Mischung aus Fantasie und regionaler Selbstironie machte den Reiz des Beitrags aus. Hinter jeder Pointe steckte spürbarer Stolz auf das, was die Region kulturell tatsächlich zu bieten hat: ein starkes Vereinsleben, engagierte Kulturschaffende und eine lebendige Musiktradition.
Eingebettet war der Kulturhauptstadt-Beitrag in ein abwechslungsreiches Gesamtprogramm, organisiert von der Bürgermusik Rankweil. Unter der Leitung der Obfrauen Alexandra Gabriel, Susanne Entner und Bruno Bischof sowie Markus Senekowitsch und Magdalena Wöß wurde einmal mehr ein Abend gestaltet, der Professionalität und Leidenschaft vereinte. Die Bürgermusik, die heuer ihr 212-jähriges Bestehen feiert, überzeugte mit musikalischer Qualität, großer Bandbreite und sichtbarer Spielfreude.
Unter den Hunderten Gästen fanden sich zahlreiche bekannte Gesichter aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall war ebenso anwesend wie Vizebürgermeister Johannes Herburger und mehrere Gemeindepolitiker, darunter Helmut Jenny, Andreas Prenn, Wolfgang Müller, Cornelia Engler und Christoph Ketterer plus Inspektor Jürgen Schnetzer.

Für das leibliche Wohl sorgte das Serviceteam des Rankweiler Hofs unter der Leitung von Roland Vith. Zwischen Pointen und Musiknummern hatten die Mitarbeiterinnen alle Hände voll zu tun, um die Gäste mit Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten zu versorgen.
Am Ende blieb der Eindruck eines Abends, der zeigte, wie selbstbewusst, humorvoll und kreativ Rankweil seine kulturelle Identität feiert.VN-TK







