“Nachhausekommen ist das Wichtigste”

Was den 91-jährigen Muntliger Helmut Huber fit hält, verrät er bei seinen Filmabenden.
Sulz Helmut Huber war ein hart arbeitender Unternehmer: “Wenn andere Urlaub gemacht haben, habe ich gearbeitet.” Er gründete 1964 in Muntlix “Huber Schriften”. Das Unternehmen war bald auf Wachstumskurs. Er liebte, was er tat, musste aber auf vieles verzichten. An seinem 60. Geburtstag übergab er dann die Firma an die nächste Generation und meinte: “Papa schaut sich jetzt die Welt an.”

Angefangen habe alles mit einem guten Schulfreund, der in Johannesburg als Textiler arbeitete und ihn zu sich einlud. Das Besondere: Huber flog mit einer “langen Zigarre”, einer DC-8 von Swissair. Sein erster Afrika-Aufenthalt führte ihn in den Kruger-Nationalpark, wo seine Liebe für Afrika und dessen Tierwelt entfacht wurde.

Huber war der Erste in Österreich, der aus Klebefolie Buchstaben für Beschriftungen stanzen ließ. Ein weiterer Freund, der ebenfalls nach Kapstadt emigrierte, übernahm die Vertretung für Huber Schriften vor Ort. So entstand “Long Life Lettering”. Die Firma in Kapstadt gibt es heute noch.
Bei den Erzählungen über seine Reisen leuchten Helmut Hubers Augen. Er berichtet von wilden Reisen von Kapstadt nach Namibia – mit dem Auto, ohne Plan und ohne Ziel. Und von Fernreisen, die er selbst organisierte. So flog er mehrmals mit über zehn Personen nach Afrika, organisierte Übernachtungen, Chauffeure, Safaris und mimte den Reiseleiter. Bis heute sind seine Afrika-Reisen nahezu sofort ausgebucht, alles läuft über Mundpropaganda.
Wenn Huber von seinen Reisen quer über den Globus berichtet, ist ihm eines wichtig zu betonen: Respekt vor der Natur, den Tieren und der Kultur sei das, was ein Reisender immer berücksichtigen müsse. Das habe er sich immer zu Herzen genommen, und es sei ihm nie etwas passiert, betont er.

Welche Reise ihm in besonderer Erinnerung geblieben sei? “Definitiv Madagaskar. Dieses Land ist unbeschreiblich schön. Und erst die Tierwelt! Wenn du dort im Urwald ‚Banana‘ rufst, sitzt dir in Kürze ein Affe auf der Schulter und frisst dir eine Banane aus der Hand.” Und gab es eine Reise, bei der etwas Unangenehmes passierte? “Letzten November war ich in Sri Lanka. Das war Natur pur: Wir haben lange Wanderungen durch den Dschungel gemacht, als wir plötzlich überfallen wurden – von Blutegeln!”, erzählt er lachend.

Besonders die Tierwelt und die Natur sind das, was den Pensionisten auf seinen Reisen beeindruckt hat. Egal, ob es die Wildpferde in Kirgisistan oder die Pythonschlangen in Sri Lanka waren: Mit Vorliebe filmt Huber die Tierwelt. Früh begann er zu fotografieren, mit über 80 Jahren brachte er sich selbst noch das Filmen samt Videoschnitt bei. “Dann hab ich was zu tun, wenn ich am Morgen aufstehe”, sagt er mit einem Augenzwinkern. Sein Arbeitsplatz ist dort, wo er seit über 60 Jahren jeden Tag sitzt: in seinem Büro bei Huber Schriften. Mit seinen Filmen holte er sich österreichweit bereits zahlreiche Urkunden und Auszeichnungen.

Seine Reisedokumentationen in Kinofilmlänge sind im ganzen Ländle zu sehen. Welche Reisen er in nächster Zeit geplant habe? Freudig erzählt der 91-Jährige: “Jetzt im März geht es nach Indien, dann nach Nepal und Bhutan, in den 71. Staat, den ich bereisen werde. Im Juni führe ich wieder eine Reisegruppe nach Namibia, Botswana und Simbabwe.”
Trotz seiner unbändigen Reiselust ist dem humorvollen Muntliger, der nie um einen Scherz verlegen ist, eines besonders wichtig zu betonen: “Das Schönste am Reisen ist das Nachhausekommen, der Rückflug. Da gibt es nichts zu diskutieren, Nachhausekommen ist das Wichtigste.” MKN