Klangvolle Hommage an Frauen

Mitra Kotte ließ Komponistinnen zweier Jahrhunderte ausdrucksvoll erklingen.
Thüringen “Ich freue mich sehr, Sie heute Vormittag auf Falkenhorst begrüßen zu dürfen – und das an einem besonderen Datum: dem Weltfrauentag. Dieser Tag lädt uns jedes Jahr dazu ein, den Blick auf die Leistungen, Erfahrungen und Stimmen von Frauen zu richten, in der Gesellschaft ebenso wie in Kunst und Kultur”, eröffnete Verena Burtscher, Geschäftsführerin der Villa Falkenhorst, am vergangenen Sonntag die Matinee mit Mitra Kotte. “Der heutige Konzerttitel ‚Frauen mit Flügel‘ spielt dabei auf schöne Weise mit einer doppelten Bedeutung. Zum einen natürlich mit dem Konzertflügel, an dem die wunderbare Pianistin Mitra Kotte das heutige Programm spielen wird. Zum anderen aber auch mit der Idee von Aufbruch, Inspiration und künstlerischer Freiheit – mit jenen ‚Flügeln‘, die Musik zu verleihen vermag.” Frauen seien in der Musikgeschichte zwar präsent, doch nicht immer sichtbar gewesen. Viele Komponistinnen, Interpretinnen und musikalische Wegbereiterinnen haben sich oft gegen gesellschaftliche Erwartungen und strukturelle Grenzen erkämpfen müssen. Verena Burtscher führte weiter aus: “Umso wichtiger ist es, diese Stimmen hörbar zu machen. Die heutige Matinee lädt uns ein, genau das zu tun, nämlich innezuhalten, zuzuhören und damit den Blick in die Musikgeschichte zu erweitern.”

Vielseitiges Repertoire
Ein Schwerpunkt des Schaffens der jungen Wiener Pianistin Mitra Kotte liegt auf den Werken von Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie habe für ein Konzert zum Weltfrauentag vor zwei Jahren Werke von weiblichen Komponistinnen gesucht und sei schockiert gewesen, keine davon gekannt zu haben: “Viele davon waren zwar erfolgreiche Interpretinnen, wurden aber nicht als Komponistinnen respektiert.” Ein eindrucksvoller musikalischer Auftakt bildete sodann “Souvenir des Huguenots” von Louise Farrenc. “Die Komponistin ging bei diesem Stück an die Grenzen ihrer eigenen Virtuosität”, erläuterte Mitra Kotte. Zugleich zeigte sich aber auch, mit welch technischer Brillanz, klarem Anschlag und fein differenzierter Klanggestaltung die dreißigjährige Pianistin dieses Werk zur Geltung brachte. Zu Cécile Chaminades Klaviersonate in c-Moll zeigte Mitra Kotte wiederum auf sehr charmante Weise die lebensgeschichtlichen Hintergründe dieser Komponistin auf: “Cécile Chaminade komponierte bereits mit acht Jahren Musik für ihre Puppen. Auf Anregung ihres Vaters erhielt sie schon sehr früh privaten Kompositionsunterricht.” Aber auch die Komponistin Amy Beach, von der aus “Four Sketches” die Nr. 3 “Dreaming” zu hören war, wies eindrucksvoll die Lebenswirklichkeit für Frauen zu dieser Zeit vor. So war Amy Beach zuerst eine weltweit gefeierte Konzertpianistin, nach ihrer Heirat durfte sie nur noch zweimal im Jahr Konzerte spielen. Aus diesem Grund verlagerte sie ihr Interesse auf die Komposition.

Begeistertes Publikum
Natürlich durfte auch eine österreichische Komponistin in dem sehr spannenden Programmreigen nicht fehlen. So war von Maria Hofer mit “Die Maschine” ein sehr dynamisches Stück zu hören, das durch Mitra Kotte brillant zur Ausführung kam. Sie erklärte dazu: “Die Werke von Komponistinnen waren zuvor eher an das schon Bestehende angepasst, nun entwickelten sie ihren eigenen Stil.” Das Programm umfasste zeitchronologisch aufsteigend zwei Jahrhunderte an weiblicher Kompositionstätigkeit, die sehr berührend und mit viel Feingefühl von Mitra Kotte präsentiert wurden. Die Matinee endete mit sehr wohl verdientem tosendem Applaus für die Pianistin. BI

