Flirten mit 60 Plus – in “Blütenträume” sind sieben Mutige auf der Suche nach Liebe

Sie sind verwitwet, geschieden oder immer schon alleine – doch sie wollen noch einmal lieben. Im Theaterstück “Blütenträume” können sich Besucher Tipps und Tricks zum Flirten holen.
Darum geht’s:
- Einsame Menschen besuchen Flirtkurs in Volkshochschule.
- Kursleiter wirkt überfordert, Kurs droht zu scheitern.
- Mut zum Neuanfang von Beziehungen im Theaterstück aufgearbeitet.
Feldkirch Sieben einsame Menschen sitzen im Raum der Volkshochschule und warten auf den Beginn ihres Flirtkurses. Die Stimmung schwankt zwischen vorsichtiger Neugier und gespannter Erwartung. Alle, bis auf Julia, sind über 60. Verwitwet, geschieden oder seit jeher allein – doch eines vereint alle: Sie haben noch Träume. Und sie sind nicht bereit, die Liebe einfach hinter sich zu lassen.

Was als hoffnungsvoller Neuanfang beginnt, gerät bald ins Wanken. Der Kursleiter Jan – ein gescheiterter Schauspieler mit Psychologie-Fortbildungen im Gepäck – wirkt zunehmend überfordert. Und ehe das erste zarte Band geknüpft ist, droht der Kurs zu scheitern. “Es geht halt nicht immer nach Plan”, sagt Regisseur Christoph Deigl und lächelt.
Eine stille Sehnsucht nach Liebe im Mittelpunkt
Das Stück “Blütenträume” von Lutz Hübner und Sarah Nemecz erzählt genau davon: vom Mut, sich noch einmal auf das Abenteuer Liebe einzulassen. “Das ist kein Schenkelklopfer-Humor”, betont Deigl. “Es ist ein sehr menschlicher Humor. Es menschelt die ganze Zeit.” Zwischen Schmunzeln und Melancholie entfaltet sich eine Komödie mit leisen Zwischentönen.
Angelika Romagna ist seit über 20 Jahren im Verein, spielt eine Frau, die den Mut fasst, neu zu beginnen. Ihre Figur Gila ist Witwe, die Kinder sind aus dem Haus. “Sie ist mutig. Absolut mutig”, sagt Romagna. “Sie traut sich, noch einmal auf jemanden zuzugehen.” Die Sehnsucht nach Zweisamkeit sei keine Frage des Alters. “Es ist eine stille Sehnsucht in jedem.”

Die Figuren tragen biografische Brüche in sich. Eine Frau hat ihren 20 Jahre älteren Mann durch die Alzheimer-Erkrankung begleitet – und miterlebt, wie der bewunderte Professor Schritt für Schritt verschwand. Andere stehen mit Anfang 60 vor der Frage: War das alles? Oder kommt da noch etwas? “Das sind ganz realistische Fragestellungen”, sagt Romagna. “Bleibe ich jetzt bis zum Tod Single? Oder wage ich noch einmal etwas?” Privat ist sie seit fast 40 Jahren mit demselben Partner liiert und auch verheiratet.

Eine der sieben Figuren ist auch Ulf, gespielt von Oswald Wachter. Ein geschiedener Schreinermeister, dessen Firma pleiteging. Einer, der Anschluss sucht – und dabei mit poetischer Skurrilität überrascht. “Er ist ein bisschen esoterisch angehaucht, schüchtern am Anfang, entwickelt sich aber enorm”, erzählt Wachter. “Er sucht keine oberflächliche Geschichte, sondern jemanden, der zu ihm hält.”

Theater ist Leidenschaft
Seit 15 Jahren steht Wachter bei der Theaterwerkstatt auf der Bühne. Theater sei für ihn Abschalten vom Alltag, Hineinschlüpfen in andere Leben. “Ich bin seit fast 42 Jahren glücklich verheiratet. Ich brauche keinen Flirtkurs”, sagt er und lacht. Doch gerade deshalb reizt ihn die Rolle: “Was die Figuren von sich preisgeben, das hat Tiefgang. Es berührt mich jedes Mal.”
40 Jahre Jubiläum
Bei der Premiere am Freitag, den 13. März, wird auch das 40-Jahr-Jubiläum der Theaterwerkstatt gefeiert. Gegründet von Fidel Schurig ist und bleibt es ein spannendes Ensemble aus erfahrenen Amateurdarstellerinnen und -darstellern, die ehrenamtlich arbeiten – vom Bühnenbau bis zur Organisation. “Wir machen alles selbst”, sagt Romagna. “Das ist Leidenschaft.”

Was dürfen sich die Besucher erwarten? “Eine Komödie mit viel Humor – aber auch mit unheimlich viel Tiefgang”, sagt Wachter und freut sich auf alle sechs Vorstellungstermine. Und Regisseur Deigl ergänzt: “In erster Linie Leichtigkeit. Und vielleicht den Mut, noch einmal ehrlich zu sagen: Du strahlst heute.”
Info und Tickets
PREMIERE Samstag, 14. März, 19.30 Uhr.
TERMINE Freitag, 20. März, Samstag, 21. März, Sonntag, 22. März, Samstag, 28. März und Sonntag, 29. März. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.
ORT Altes Hallenbad, Feldkirch
PREIS Normal 20 Euro, Senioren und Studenten 15 Euro
TICKETS Erhältlich unter karten.feldkirch-leben.at und an der Abendkasse