Barockes Juwel an der Außerlitzstraße

Seit über 300 Jahren steht die Litzkapelle am Rand des Dorfzentrums.
schruns Unmittelbar neben der Abzweigung der Straße zur Montjola und nach Bartholomäberg steht an der Außerlitzstraße in Schruns die Litzkapelle. Dieses kleine Gotteshaus wurde im Jahr 1688 errichtet, “zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit und der Allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria wie auch dem lieben hl. Vatern”, wie eine Schrift in der Kuppel zeigt. Dort werden auch die Stifter der Kapelle erwähnt, “Vallentin Haselwander und Rosina Salzgeberin”. Sie ist somit Ausdruck der barocken Volksfrömmigkeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts und zudem des damals aufblühenden lokalen Wallfahrtsgedankens.
Zur Entstehungsgeschichte des kleinen Kirchleins gibt es gleich mehrere Legenden. Eine betrifft auch das Gnadenbild der Muttergottes selbst. Die barocke Marienfigur, die heute über einem schönen Renaissancealtar steht, soll erst auf Umwegen nach Schruns gekommen sein. Um sie vor den Bilderstürmern der graubündischen Religionskriege in Sicherheit zu bringen, habe man die Statue nach Vorarlberg gebracht, wo sie zunächst auf einem Dachboden in einem Haus dreier Geschwister in Satteins aufbewahrt wurde. Diese machten sich auf die Suche nach einem würdigeren Ort für die Statue, und so sei sie letztlich nach Schruns gebracht worden, wo sie schließlich in der Litzkapelle ausgestellt wurde.

Der rechteckige Bau weist im Osten einen Chor mit einem Dreiachtelschluss auf, über dem auf dem Satteldach ein Dachreiter aufragt. Er ist mit einem grünen, geschindelten Türmchen überdacht, unter dem sich auch eine kleine Glocke befindet. Über dem westseitigen Rundbogenportal befindet sich ein Fresko, das die hl. Anna, die Muttergottes und das Jesuskind zeigt, also eine typische “Anna-Selbdritt”-Darstellung. Darüber zeigt eine Uhr, die aus der Werkstatt des bekannten niedersächsischen Turmuhrherstellers Johann Friedrich Weule stammt, die Zeit an. Sie wurde im 19. Jahrhundert am Kirchlein angebracht. Südseitig hängt ein Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert, und am Chor erinnert straßenseitig ein Wappen der Familie Starhemberg an Ernst Rüdiger von Starhemberg, in der Zeit des Ständestaats Bundesführer der Vaterländischen Front, der 1956 während eines Kuraufenthalts in Schruns verstarb.
Das Innere der Kapelle ist künstlerisch hochwertig ausgestaltet. Das Tonnengewölbe über dem Betraum zeigt ein Deckengemälde, eine Darstellung der “Immaculata”, von Jacob Bertle aus dem Jahr 1866. Der Altar, der aus der Gründungszeit der Kapelle stammt, ist das Werk Melchior Lechleitners, eines gebürtigen Tiroler Bildhauers, der im ausgehenden 17. Jahrhundert zahlreiche wichtige skulpturale Arbeiten im Raum Bludenz und Montafon durchführte. In der Mitte thront die Muttergottes; die ebenfalls hochwertigen Figuren an ihrer Seite zeigen links den heiligen Antonius von Padua und rechts die heilige Agatha. An der linken Seitenwand befindet sich das frühere Altarbild “Maria mit dem Kind” des Schweizer Künstlers Melchior Paul von Deschwanden. An der rechten Wand ist eine Skulptur angebracht, die Jesus an der Geißelsäule zeigt. OS