Mit 17 ins Bundesliga-Tor: Feldkirchs Mut zahlt sich aus

Nach einem überraschenden Umbruch setzt Feldkirch auf Youngsterin Julia Marte.
Feldkirch Es sind diese Geschichten, die den Sport so besonders machen: Wenn plötzlich alles schneller geht als geplant und jemand ins kalte Wasser geworfen wird – und schwimmt. Genau das passiert derzeit in Feldkirch, wo die erst 17-jährige Julia Marte in der 1. Women Handball-Bundesliga zwischen den Pfosten steht und eine Rolle ausfüllt, die selbst für erfahrene Spielerinnen eine Herausforderung ist.

Noch vor einem Jahr lief Marte beim aktuell Tabellenfünften HC Sparkasse BW Feldkirch als Flügelspielerin auf, heute trägt sie die Nummer eins und spielt durch. 60 Minuten, Spiel für Spiel. Möglich wurde dieser rasante Aufstieg durch eine unerwartete Veränderung im Kader: Die bisherige Torhüterin Vanessa Torda aus Ungarn verließ den Verein kurzfristig aus privaten Gründen, Feldkirch musste reagieren – und setzte auf die eigene Jugend. Trainer Zoltán Balogh zögerte nicht lange. „Für mich war relativ schnell klar, dass Julia das kann“, sagte er.

Was wie ein Risiko wirkt, entpuppt sich zunehmend als mutige und richtige Entscheidung. Die junge Eigenbauspielerin bringt nicht nur Talent mit, sondern auch etwas, das sich schwer trainieren lässt: Ruhe. Im Tor, dort wo jeder Fehler sofort sichtbar wird, bleibt sie stabil, denkt an den nächsten Ball, nicht an den letzten. Eine Eigenschaft, die im Hochleistungssport oft über erfolgreiche Karrieren entscheidet.

Dass sie erst seit rund einem Jahr überhaupt im Tor steht, macht ihre Entwicklung umso bemerkenswerter. Ihre Vergangenheit als Feldspielerin hilft ihr heute, Spielsituationen schneller zu erkennen, Wurfbilder besser zu lesen und das Spiel ganzheitlicher zu verstehen. „Ich erkenne vieles früher“, beschreibt sie selbst diesen Vorteil.
Der Sprung in die österreichische Bundesliga ist dennoch gewaltig. Höheres Tempo, präzisere Würfe, mehr Druck. Doch Marte wuchs mit jeder Partie. Auch, weil sie nicht alleine ist. Die Abstimmung mit der Abwehr funktioniert, das Vertrauen im Team mit vielen Eigenbaus ist spürbar. „Ich fühle mich nicht allein verantwortlich“, sagt sie.
Ein Schlüsselmoment war für sie das Heimspiel gegen Tulln. Volle Halle, Startaufstellung, Verantwortung. „Da habe ich gespürt, dass ich angekommen bin“, erzählt Marte.
Zweifel? Kaum. Respekt vor der Aufgabe, ja. Aber getragen vom Vertrauen des Vereins, der bewusst auf den eigenen Nachwuchs setzt. Dieses Konzept ist in Feldkirch kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Realität. Junge Spielerinnen bekommen Chancen – und werden nicht allein gelassen.

Für Marte ist die aktuelle Phase dennoch nur ein Anfang. Sie arbeitet daran, Fehler schneller abzuhaken und emotional konstanter zu werden. Eigenschaften, die auf diesem Niveau den Unterschied machen können.
Was bleibt, ist das Bild einer jungen Athletin, die plötzlich im Rampenlicht steht und dabei erstaunlich bodenständig wirkt. Keine große Inszenierung, kein lautes Auftreten – sondern Leistung, Spiel für Spiel. Oder, wie es ihr Trainer formuliert: „Das ist erst der Anfang.“ VN-TK