Lawinenhunde: Helden auf vier Pfoten

Heimat / 27.03.2026 • 12:40 Uhr
Ausbildungsleiter Bertram Klehenz (3.v.l) und Prüferin Christine Hintergger zeigten sich sehr zufrieden mit der Leistung der Hundeführer:innen
Ausbildungsleiter Bertram Klehenz (3. v. l.) und Prüferin Christine Hintergger zeigten sich sehr zufrieden mit der Leistung der Hundeführer:innenAlexander Stoiser

Lawinenrettung mit Hund: Wie viel Training hinter den einsatzbereiten Teams steckt.

Vandans Der vergangene Winter hat einmal mehr gezeigt, dass die Lawinengefahr oft unterschätzt wird. Zahlreiche Einsätze im gesamten Alpenraum waren die Folge. Um für solche Einsätze gerüstet zu sein, bildet die Bergrettung Vorarlberg ihre Mitglieder nicht nur in der Suche mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) und der Sondierung aus, sondern unterhält auch eine eigene Hundestaffel. Diese umfasst derzeit zwölf einsatzfähige Teams sowie drei Anwärter:innen.

Sucheinsatz am Lawinenkegel ist körperliche Schwerstarbeit unter extremen Zeitdruck.
Sucheinsatz am Lawinenkegel ist körperliche Schwerstarbeit unter extremem Zeitdruck.

Die Ausbildung der Hundeteams

Die Ausbildung der Teams beginnt nach dem Grundkurs der Bergretter:innen. Neben der Unterordnung als Basis werden Suchszenarien im Sommer wie im Winter trainiert. “Das bedeutet wöchentliches Training in den einzelnen Talschaften, monatliche Lernkontrollen von Mai bis September, Gewöhnungsflüge mit dem Hubschrauber im Herbst sowie die Wintervorbereitung, sobald es die Schneesituation zulässt. Mit wenigen Worten: sehr viel Zeit, Aufwand und Fokus, bis ein Hund ausgebildet ist und auf diesem Niveau gehalten werden kann”, erklärt Ausbildungsleiter Bertram Klehenz von der Hundestaffel Vorarlberg. “Das schlägt ohne die notwendigen privaten Trainingseinheiten alleine für Übungen mit rund 200 Stunden im Jahr zu Buche – alles ehrenamtlich”, ergänzt der erfahrene Hundeführer und Ausbilder Florian Müller.

Wenn der Hund
Wenn der Hund “anschlägt” und zu graben beginnt, wird er vom Hundeführer dabei unterstützt.

Übungstage auf Faschina

Ein wichtiger Bestandteil dieser Ausbildung sind die Übungstage auf Faschina. Dort trainierten kürzlich elf Hundeführer:innen gemeinsam mit den beiden Ausbildern drei Tage lang. Der Schwerpunkt lag im Winter naturgemäß auf der Lawinensuche. In zwei Gruppen wurden die Teilnehmer:innen je nach Ausbildungsstand betreut. Die Übung beginnt mit der Vorbereitung der Suchfelder, bei der Löcher gegraben und Personen versteckt werden, die von den Hunden aufgespürt werden müssen. Für eine erfolgreiche B-Prüfung gilt es, drei Personen und zwei Gegenstände innerhalb von maximal 30 Minuten auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern zu finden. “Es gibt Prüfungslevel von A bis C in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden”, berichtet Referatsleiterin Sonja Metzler aus Gaschurn. Mit der A-Prüfung ist ein Hund einsatzfähig, mit der als besonders wichtig geltenden B-Prüfung kann das Team Bereitschaftsdienst am Hubschrauber leisten, quasi Stand-by für einen möglichen Lawineneinsatz, der obligatorisch ab Gefahrenstufe drei besetzt wird. Die C-Prüfung folgt im dritten Winter, danach erfolgt jährlich eine Überprüfung der Einsatzfähigkeit. Sämtliche Prüfungen werden von externen Prüfer:innen abgenommen. “Das sichert die Ausbildungsqualität der Hundeteams und die Bewältigung auch schwierigster Realeinsätze”, so die Leiterin des Hundereferates Sonja Metzler.

Für Alois Rinderer mit aktuellem Hund Wicki war es der 50. Lawinenkurs auf Faschina
Für Alois Rinderer mit aktuellem Hund Wicki war es der 50. Lawinenkurs auf Faschina

70 Jahre und kein bisschen leise

Einer der erfahrensten Hundeführer ist Alois Rinderer aus Sonntag, der bereits seit 1976 als Hundeführer im Einsatz steht. Für ihn war es der 50. Kurs dieser Art auf Faschina. In dieser Zeit führte er sechs Hunde und war zudem Ortsstellenleiter von Sonntag sowie stellvertretender Leiter der Hundestaffel Vorarlberg. “Eigentlich bin ich nicht einer, der gerne im Rampenlicht steht”, sagt Rinderer. Dennoch freute er sich über die Auszeichnung mit dem Grünen Kreuz, das ihm vor zwei Jahren verliehen wurde. Dieses gilt als eine der renommiertesten Ehrungen im Bergrettungswesen und wird vom Alpenverein seit über 100 Jahren unter strengsten Auswahlkriterien vergeben. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Einsatz, bei dem sein damaliger Hund nach über 20 Stunden einen Verschütteten orten konnte. “Er hat überlebt”, berichtet der 70-Jährige. Noch immer ist Rinderer mit seiner Border-Collie-Hündin “Wicki” aktiv im Einsatz. STO

Ab Gefahrenstufe 3 steht ein Team am Stützpunkt der Libelle in Bereitschaft.
Ab Gefahrenstufe drei steht ein Team am Stützpunkt der Libelle in Bereitschaft.