Ein seltenes Spektakel: Das Schrunser Münster wird mit neuen Glocken bestückt

Im Schrunser Münster wurden die alten Stahlglocken durch sechs neue Bronzeglocken ersetzt.
Schruns Die Glocken im Schrunser Münster sind zurzeit verstummt. Vor dem 72 Meter hohen Kirchturm stand am Mittwoch ein Kran mit Hebebühne, daneben ein Pritschenwagen mit glänzenden Bronzeglocken und drumherum zahlreiche Schaulustige, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.


Die Schrunser Glocken werden ausgetauscht. Die alten Stahlglocken aus dem Jahr 1922 haben ausgedient. Sie hatten bereits leichte Risse und hallten nach. Man spricht von einer „Ermüdung der Glocken“, erklärte Pfarrkirchenrat und Projektbetreuer Heinz Fleisch von der Fleisch Loser Bauprojektabwicklung GmbH. Zwei der alten Glocken wurden an Liebhaber verkauft. Die anderen beiden Stahlglocken, bei denen bereits der Ring weggeschnitten wurde, um sie aus dem Kirchturm zu bergen, wurden entsorgt. Zuvor hatte man die Glocken entweiht.


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Messungen ergaben, dass der Glockenstuhl aus Stahl leichte Erschütterungen im Kirchturm verursachte. Deshalb wurde der obere und untere Glockenstuhl komplett aus Lärchenholz erneuert. Das Holz nimmt die Schwingungen besser auf und schont dadurch den Kirchturm.


Nur die Totenglocke bleibt erhalten
Sechs neue, unterschiedlich große Bronzeglocken von der Glockengießerei Bachert aus Deutschland halten nun Einzug in den neu gebauten Glockenstuhl. Die Totenglocke aus dem Jahr 1622 ist die einzige Glocke, die erhalten bleibt und weiter verwendet wird. Sie wird nur geläutet, wenn jemand gestorben ist.


Heinz Fleisch stand mit dem Kranführer und den Zimmerern von Kieber Holzbau auf einer ausziehbaren Hebebühne, die sich nivellieren lässt. So konnte die Hebebühne direkt bis zum offenen Glockenstuhl ausgefahren werden, ohne dass ein Spalt dazwischen war. Mit dem Kran wurden die Glocken nach oben gehoben und dort von Heinz Fleisch und den Arbeitern in Empfang genommen. Im Glockenstuhl wartete Richard Maislinger von der Firma Schauer & Sachs, der die Glocken an ihre richtige Position brachte. Die Glocken mussten zunächst von der Winde des Krans auf die Winde im Glockenstuhl umgehängt werden. Die mit 1443 Kilogramm größte und schwerste Glocke wurde als Letztes mit einem Kettenzug in Millimeterarbeit an die richtige Stelle gezogen.

3,8 Tonnen Gesamtgewicht
Die anderen Glocken wiegen 826, 583, 439, 311 und 219 Kilogramm und werden teils parallel, teils versetzt von oben nach unten eingehängt. Dabei gibt es einen genauen Plan, welche Glocke wohin kommt. Insgesamt bringen die Glocken ca. 3,8 Tonnen auf die Waage. Volksschüler durften zwei Bilder entwerfen, die nun je eine Glocke zieren.


Das Gröbste ist nun erledigt. Jetzt geht es in die Feinarbeit. Zuerst müssen die hölzernen Reiter oben an den Glocken angebracht werden, damit diese schwingen können. Auch die Klöppel fehlen noch. Jede Glocke hat eine andere Klangfarbe und ist vorgestimmt. Die Schnelligkeit der Schwingung wird aber vor Ort festgelegt.


350.000 Euro kosten die neuen Bronzeglocken sowie der neue Glockenstuhl und der Einbau. Finanziert wird der Betrag durch Spenden. Seit einem Jahr ist der Glockentausch in Planung, nun wurde er umgesetzt. In der zweiten Maiwoche werden die Glocken wieder läuten.















