Lernen unter freiem Himmel

Volksschüler entdeckten Kräuter und Natur hautnah.
Dornbirn Diesen Montagvormittag blieb das Klassenzimmer der 2a-Klasse der Volksschule Leopold leer. Stattdessen ging es nach draußen. Genauer gesagt, gemeinsam mit Naturführerin Ulrike Larsen (@natur.freiraum_ulli), die den Unterricht in den nahegelegenen Hermann-Gmeiner-Park verlegte. „Man kann auch draußen Unterricht machen“, verriet Larsen.
Möglich machte das der Workshop „Essbare Kräuter“, der im Rahmen der MINT-Initiative „Mint4all“ angeboten wird. Gemeinsam mit der inatura Museumspädagogik und der Vielfalter Schule werden dabei Schulklassen eingeladen, Natur nicht nur zu sehen, sondern mit allen Sinnen zu begreifen.

Los ging es noch im Schulhof. In einer kurzen Vorstellungsrunde nannten die Kinder zunächst jeweils ihre persönliche Lieblingsblume. Dann zog die Gruppe weiter in den Hermann-Gmeiner-Park. Trotz grauer Wolken war die Stimmung gut, denn draußen sein gehörte hier zum Konzept.
Im Park angekommen, wurde der Workshop spielerisch eröffnet. In einem Kreis liegen Kissen, die Kinder laufen durcheinander, lachen, suchen ihren Platz. Wer keinen ergattert, landet in der Mitte und stellt eine Frage zur Natur. „Wer hat schon einmal ein Gänseblümchen gegessen?“, ruft Bruno. Lean will wissen: „Was ist der Unterschied zwischen einer Frühlingsknotenblume und einem Schneeglöckchen?“ Fragen, die zeigen, wie aufmerksam die Kinder ihre Umgebung wahrnehmen.

Wetterfeste Naturforscher
Nach einer kurzen Jause wird es ruhiger. Ulrike Larsen liest eine Frühlingsgeschichte vor, die die Fantasie anregt und den Blick für Details schärfen soll. Ausgestattet mit Farbkarten ziehen die Kinder anschließend los, um passende Pflanzen in der Wiese zu entdecken. Plötzlich wird aus einer Wiese ein kleines Forschungsfeld.

Besonders spannend wird es bei den Pflanzenportraits. Gänseblümchen, Löwenzahn und andere bekannte Gewächse werden gesucht, bestimmt und besprochen. Die Kinder lernen, was essbar ist, was gemieden werden sollte – und vor allem, wie wichtig ein achtsamer Umgang mit der Natur ist. „Nur sammeln, was man kennt“, lautet eine der wichtigsten Regeln.
Zum Abschluss wird es dann noch praktisch. Ulrike Larsen hat Kräuter aus ihrem eigenen Garten mitgebracht, daraus soll eine Kräuterbutter entstehen, die die Klasse gemeinsam macht. In Gläsern wird Rahm so lange geschüttelt, bis Butter entsteht – ein kleines Erfolgserlebnis, das sofort verkostet wird. Die Freude bei den Kindern ist groß, als die selbstgemachte Jause geteilt wird.

Unterricht als Erlebnis
Nebenbei vermittelt der Workshop auch Wissen über Bestäuber wie Bienen, die für das ökologische Gleichgewicht unverzichtbar sind. Klassenlehrerin Christine Gurschler verrät, dass ein Besuch beim Imker im benachbarten Garten des Schulhauses für diesen Frühling bereits geplant ist. Am heutigen Vormittag jedoch stehen die essbaren Schätze direkt vor der Haustür im Mittelpunkt. „Das ist wohl das beste Brot, das ich je gegessen habe“, stellt Maximilian begeistert fest. Mit etwas schmutzigeren Schuhen als sonst, dafür aber mit vielen neuen Erkenntnissen, kehren die kleinen Naturentdecker kurz vor Mittag zurück in die Schule. So spannend und lecker kann Unterricht sein.





