Von Böhmischer Blasmusik zu Bigband-Sound

Harmoniemusik Tisis-Tosters beim zweiten “Böhmisch & Blues” mit über 40 Musikanten.
Feldkirch “Letztes Jahr haben wir uns des Themas ‚Böhmisch & Blues‘ in einer kleinen Besetzung angenommen, heuer spielen wir ein Konzert in der großen Besetzung”, erklärte am Rande der Veranstaltung Moderatorin Bettina Bertsch der VN Heimat. Sie hatte sich für die Begrüßung der Gäste und die Einstimmung auf die einzelnen Stücke für den Dialekt entschieden. “Also mir vo da TiTo sind total überzeugt, dass des super zemma passt”, kam sie der allfälligen Frage zuvor, ob Böhmische Musik und Blues zusammengehen könnten, noch dazu von derselben Besetzung. Und alles das auch noch in einer unüblich kurzen Vorbereitungszeit.

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Im ersten Teil des Abends “simmr ganz brav böhmisch”, stimmte Bertsch die BesucherInnen auf den Abend ein und erklärte gleich, was man unter einer auch als “Egerländer Besetzung” oder “Kleines Blasorchester” bekannten “Böhmischen Besetzung” versteht: eine spezielle Formation der Blasmusik, die durch einen vollen, weichen Klang gekennzeichnet ist. Sie ist ideal für Polkas, Walzer und Märsche, geprägt durch Flügelhörner, Klarinetten, Tenorhorn/Bariton und Tuba. Bekannt wurde sie vor allem durch Ernst Mosch. Der Name rührt auch von Heinz Conrad in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gesungenen Lied “Als Bähmen noch bei Estreich wor, vor fünfzig Johr” her.

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Als erstes Beispiel davon hatte das Publikum davor schon den Marsch “Klostermanns Musikanten” gehört. Weiter ging es mit der Polka “Mein großer Traum”, die der zeitgenössische deutsche Komponist Kurt Gäble vor etwa einem Jahr als Auftragsarbeit für ein Jubiläumskonzert geschrieben hat. Vor dem Walzer “Die Sommernacht in Prag” erinnerte die Moderatorin an die sogenannten “Ziaglbehm”, die 15 Stunden täglich bei miserablem Lohn arbeiten mussten und von einer Sommernacht in Prag nur träumen konnten. Aus der Werkskantine der “Ziegelbehm” ist übrigens der heute noch im zehnten Wiener Bezirk zu findende “Böhmische Prater” entstanden, in dem heute noch die Musik spielt.

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Weiter ging es mit “Im Laufschritt nach St. Peter” (Salzburger Erzabtei), eine Referenz von Komponist Alexander Maurer an seine Zeit bei der Militärkapelle Salzburg und den “Gablonzer Perlen” des tschechischen Komponisten Antonin Borovicka, neu arrangiert von Rolf Schneebiegl. Letzterer ist für Mosch der “wohl begnadetste und genialste Arrangeur für neue Böhmische Musik in den 90er-Jahren” gewesen.

Nach der Pause, in der einige MusikantInnen für die Bewirtung der BesucherInnen sorgten, kamen Bläser und Percussionisten aus einer kleinen Tür am unteren Saalende heraus und marschierten in einer gelungenen Showaktion durch den Saal vor die Bühne. Bei “Charly Doza” bot die “Dirty Dozen Brassband” Bigband-Sound vom Feinsten. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war das Medley mit bekannten Melodien von Jacques Offenbach. Für beste Partystimmung sorgte “TiTo” mit “Basin Street Barbeque”, wobei sich Sarah (Flöte), Andi (Altsax), “Altmeister” Willi am Barisax und Patrick am Set als Solisten hören lassen konnten.

Bei “Under the Boardwalk”, mit dem die TiTo unbeschwertes Standgefühl vermittelte, fungierte Kapellmeister Manfred Bertsch als Solist am Flügelhorn. Mit der von Johannes Teuschl mit fetzigen und abwechslungsreichen Melodien angereicherten Polka “Viva la Woodstock” erinnerte Bertsch an das viertägige Festival “Woodstock der Blasmusik” in Oberösterreich. Zum Abschluss des offiziellen Teils erlebte das Publikum mit “Grenzenlos” eine ganz spezielle Polka, bei der traditioneller Klang mit modernen, innovativen Elementen verbunden wurde. AME










